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Konfirmation PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Pfrin. Frowein   

Konfirmation – wozu?

 Ich stelle Konfis manchmal sehr direkte Fragen.

„Glaubst du eigentlich an Gott?“

Was antworten Jugendliche drauf?

Meine Lieblingsantwort war folgende:

„Dass ich nicht glaube, glaube ich nicht.

Aber ob ich glaube – weiß ich nicht.“

1. Was ist die Situation unserer Jugendlichen im Konfirmandenalter?

Sie stehen an der Nahtstelle für einen neuen Lebensabschnitt. Sie sind auf dem Weg aus der Kindheit hin zur Eigenständigkeit; sie müssen sich drei Fragen stellen,

  1. wer bin ich?

  2. Was passt zu mir?

  3. Was ist wichtig für mein Leben?

Wer bin ich, was passt zu mir – das haben die alle schon beantwortet, immer wieder, im Laufe der Kinderzeit – und jetzt wird manches davon – nicht alles – abgelegt, aber es werden auch Wurzeln entdeckt.

1a) gegensätzliche Tendenzen

Die Jugendlichen sind, denke ich, einerseits tendenziell wirtschaftlich oft länger abhängig von den Eltern, als das früher der Fall war - und andererseits wenden sie sich möglicherweise früher ihren Gleichaltrigen zu, und in diesen beiden Tendenzen steckt Konfliktpotential zwischen Eltern und Kindern. Sie stecken in ganz vielfältigen Bezugssystemen, und die haben oft wenig miteinander zu tun – ich denke an Schule, an Sport, Vereine und an die Kirche – manchmal gibt es da nur wenig Überschneidungen, sondern sie erleben viele Menschen mehr ausschnittsweise. Da gibt es nicht die eine Person oder den einen kleinen Personenkreis, an dem man sich umfassend orientiert – und wo man sich dann auch abgrenzen kann – sondern von vielen Menschen nur einzelne Aspekte von deren Persönlichkeit.

1b) gleichzeitig sollen sie ja die eigene Persönlichkeit umfassend ausbilden, sollen die eigenen Lebenssehnsüchte zunehmend selbst in die Hand nehmen und sich dafür zuständig fühlen.

Welche Sehnsüchte gibt es im Leben? Ich denke, da haben wir alle – Junge wie Erwachsene - eine Menge gemeinsam:

  • da ist der Wunsch nach Liebe, nach Geborgenheit

  • zugleich auch der nach persönlicher Anerkennung (von Leistung und Anstrengung)

  • und die meisten Menschen möchten wahrscheinlich doch auch etwas bewirken, etwas „machen“, das hat im weitesten Sinne etwas zu tun mit Macht, mit dem Wunsch, auf den Gang der Dinge um mich herum Einfluss zu nehmen.

Liebe, Anerkennung, Einfluss – um diese drei Pole kreist unsere Lebenssehnsucht, und keins davon kann man kaufen! Unsere Sehnsucht nach einem erfüllten Leben kann man nicht mit Konsum stillen – und sie wird auch nicht mehr gelenkt durch eine einheitliche Sinnstiftungskultur.

1c) Wandel: hin zur Vielfalt in der Sinnstiftungskultur

Nach der Reformation haben sich konfessionell geprägte Milieus herausgebildet; von der Wiege bis zur Bahre konnte man in der Obhut von kirchlichen Institutionen bleiben, vom evangelischen Krankenhaus über den Kindergarten, die konfessionellen Schulen und Vereine bis zum Seniorenkränzchen und dem kirchlichen Altersheim.Das hat es den Kirchen natürlich erheblich erleichtert, religiöse Werte zu vermitteln und weiterzugeben, auch die Traditionen wachzuhalten und zu pflegen, vom Liedgut und den Gebetstexten bis zum Kirchenjahr, und auch die konfessionellen Ausprägungen waren deutlich – man blieb ja durchaus unter sich.

Seit dem zweiten Weltkrieg löste sich das auf. Durch die Vertreibungen kamen Menschen von anderswoher dazu, die Menschen sind mobiler geworden, zwangsweise und sicher auch freiwillig, es gibt mehr

  1. Möglichkeiten zu kommunizieren,

  2. Möglichkeiten sich zu informieren

  3. und schlicht auch mehr Bildung.

Die Kirche verliert ihre Monopolstellung als Sinnstiftungsinstitution, andere Angebote kommen in den Blick, zusammengenommen: es entsteht mehr Freiheit und mehr Autonomie, religiöse Überzeugungen für sich auszuwählen und auch in die Praxis umzusetzen – oder eben auch nicht.

Religion ist Privatsache

Die Siebenbürger in Garching erzählen oft, dass in Rumänien die Kirche der Treffpunkt des Dorfes gewesen ist und der soziale Mittelpunkt, und dass man gut daran tat, diese Gemeinschaft nicht aufs Spiel zu setzen oder sich gar freiwillig davon abzukoppeln. Zu groß war die Abhängigkeit voneinander.

Hier und heute ist das ganz anders: längst ist doch Religion, die Zugehörigkeit zu einer Kirche und einer Glaubensgemeinschaft keine öffentliche Angelegenheit mehr. Das hat sich weitgehend verlagert in den privaten Bereich und ist nur noch eine Folge ganz subjektiver Entscheidungen.

Neue Notwendigkeit, einen eigenen Standpunkt zu finden

Ich hab letzte Woche die Konfis gefragt, einzeln: warum willst du dich konfirmieren lassen? Und ich hab gleich zwei Mal von hübschen Mädchen die Antwort gekriegt, „damit ich einmal in Weiß heiraten kann.“

Ich hab sofort nachgefragt, wie aktuell diese Planungen sind, da wurde dann abgewunken. Und ich bin sehr sehr froh, dass ich meine private Umfrage nicht schon am Anfang des Kurses gemacht habe. Was wäre gewesen, wenn Claudia und Selina das schon am Anfang gewußt hätten, dass das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat? Dass man zur Hochzeit grad anziehen darf was man mag – egal ob man konfirmiert ist oder nicht?

Und das heißt im Umkehrschluß: mir nimmt die Entscheidung letztlich auch keiner ab, ob ich glauben will oder nicht. (Ob ich am Konfikurs teilnehme oder nicht, entscheiden meine Eltern. Ob ich konfirmiert werde oder nicht, das entscheidet der Jugendliche selbst. Ich konfirmiere keinen Jugendlichen gegen seinen erklärten Willen. Und dass der Kirchenvorstand einmal beschließt, einer will zwar die Konfirmation, aber wir wollen ihn nicht – da muß man sich schon sehr danebenbenehmen, in der Kirche ständig die Füße hochlegen oder kaum einmal zum Gottesdienst und zum Kurs erscheinen.)

„Dass ich nicht glaube, glaube ich nicht – aber ob ich glaube, weiß ich nicht!“

  • das bedeutet ja auch, es ist unsicher, ob es überhaupt eine letzte Wahrheit gibt. Und wenn ja – ob es die bei der Kirche gibt – bei der evangelischen? Bei der katholischen? Oder bei beiden? Oder auch ganz woanders? Damit schlagen sich junge Menschen, und manchmal auch ältere herum.

  1. Was hat jetzt in dieser Situation die Kirche zu bieten?

Kirche als Dienstleisterin?

Schon die Frage ist ja bemerkenswert. Sie verrät, dass sich die Erwartungen an die Kirche verändert haben. Die Kirche ist nicht ein Sinnanbieter – symbolisch gesehen wie ein Bauchladen vielleicht -

sondern in den Augen der Menschen schon fast mehr ein Dienstleister.

Die Leute haben gewisse religiöse Bedürfnisse, etwa nach einem festlichen Ritual an der Schwelle zum Erwachsenenalter, und das soll die Kirche anbieten und den Menschen zur Verfügung stellen – den Menschen, die dann letztlich Konsumenten sind.

Das deckt sich mit den Erwartungen bei Beerdigungen und Taufen. Die Menschen sehen das nicht mehr als Bestandteil einer kirchlichen Gemeinschaft, sondern als Dienstleistungen, die sie abrufen, wenn sie sie brauchen. Und stellen nicht völlig zu Unrecht aus diesem Verständnis heraus die Frage: warum soll ich mein Leben lang Mitgliederbeiträge zahlen, nur wenn ich dreimal im Leben eine Dienstleistung abrufen will – das ist ja wie bei der AOK.

 

Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen

Schon zu Zeiten der ersten Gemeinden, im Urchristentum, da war die Taufe ein Eintritt in eine Glaubensgemeinschaft. Meistens die Taufe von Erwachsenen. Da war das dann – verzeihen Sie den Vergleich – vielleicht in gewisser Hinsicht - ähnlich wie beim Fitneßstudio, man ist eingetreten, weil man mitmachen wollte.

 

Und bevor man eingetreten ist, hat man es sich gut überlegt, man hat sich alles erklären und beibringen lassen und hat sich dann zu diesem Schritt entschlossen. Oder auch nicht – denn wenn man nicht glaubt, nicht an Gott glaubt und mit der Kirche nichts anfangen kann, dann hats ja auch keinen Sinn, dass man Mitglied ist und auch keinen Sinn, sich taufen zu lassen.

Die Taufe alleine, ohne den Glauben, das hat damals wie heute keine Wirkung. Denn es ist keine magische Handlung, keine Zauberei, sondern hat nur Sinn, wenn einer sich auch drauf einläßt und daran glaubt. Darauf komme ich später nochmal, wenn es um die Handauflegung und den Segen bei der Konfirmation geht.

Entwicklung von der Glaubenstaufe (Erwachsenentaufe) zur Kindertaufe

Aber wenn ich vorhin schon meinen etwas gewagten Vergleich mit dem Fitneßstudio ins Spiel gebracht habe, dann nehm ich ihn jetzt nochmal auf: da hat die Mitgliedschaft auch nur einen Sinn, wenn ich auch hingehe und mitmache.

Zunächst, am Anfang, sind nur die gläubigen, erwachsenen Leute gekommen und haben sich taufen lassen, und damit haben sie sich dieser Gemeinschaft der Getauften – der Kirche – angeschlossen.

Später haben die Leute dann auch schon die Babies zur Taufe gebracht. Sie haben nicht völlig zu Unrecht gesagt: ich entscheide so viel für meinen Sohn/meine Tochter. Den Namen – das Land, die ganze Kultur, in der es aufwächst – die Muttersprache – die Schule und so weiter – wie soll ich die wichtigste Entscheidung, die in meinem Leben im Zentrum steht, wie soll ich die offen lassen?

Ich erziehe es doch sowieso im Glauben, es wächst sowieso in meine Kirche, in meine Gemeinde und damit in meinen Glauben hinein – also taufen wir es doch gleich.

Das mit dem Unterricht, mit den Erklärungen und dem, was man einfach wissen soll, das kann ja man ja nachholen. Das kann auch nach der Taufe kommen, wenn die Kinder ein bißchen älter geworden sind. Und da sind wir jetzt bei der Konfirmation.

Der Konfikurs ist der nachgeholte Tauf-Unterricht.

Taufe als Ja zu Gott

Und die Taufe ist natürlich nicht nur ein Aufnahmeritual – jetzt gehen wir übers Fitneßstudio wirklich entschieden hinaus – sondern die Taufe hat eine Menge mit der Hochzeit gemeinsam, nur dass hier nicht zwei Menschen heiraten – eine Beziehung eingehen, aus Liebe, in Treue und für immer – sondern ein Mensch und Gott verbinden sich. Aus Liebe, in Treue, für immer.

Was gehört bei der Hochzeit dazu? Der Pfarrer fragt erst den Bräutigam, ob er denn diese Verbindung will. Und der Bräutigam sagt ja. Danach fragt der Pfarrer die Braut. Wie wohl der Bräutigam reagiert, wenn die Braut zögert? „Er“ hat längst ja gesagt – und dann kommt lang nichts?

Ein menschlicher Bräutigam würde vielleicht davonrennen. Gott ist anders, Gott hat Geduld! Er sagt Ja bei der Taufe, undd er Bund wird geschlossen – da ist der Täufling zu klein zum Antworten. Gott wartet! Zwölf, dreizehn, vierzehn Jahre lang kann Gott warten! Dann stellt der Pfarrer die große Frage, die Konfirmationsfrage, willst du unter Jesus Christus als deinem Herrn leben, im Glauben an ihn wachsen und in seiner Gemeinde bleiben, dann antworte Ja, mit Gottes Hilfe.

Und dann holt der Mensch, Jahre nach dem Ja Gottes zum Menschen, sein Ja zur Taufe, zur Hochzeit zwischen Himmel und Erde nach und sagt – hoffentlich – Ja, mit Gottes Hilfe.

2b) Und darauf will der Konfikurs vorbereiten, dieses Ja will der Konfikurs möglich machen.

Das ist ein riesiges Ziel, man möcht fast sagen, da greifen wir nach den Sternen!

Ein Konfikurs – der will

  • religiöse Erfahrungen ermöglichen, und er will

  • helfen, diese Erfahrungen auch zu reflektieren.

  • Er will Berührungspunkte zur Kirche bieten, damit Jugendliche erleben, aus welchem Geist die Menschen leben, die bei der Kirche sind – denn um den Geist geht es. Nicht um die Menschen, die sind nicht besser als andere, aber sie haben eine besondere Hoffnung. Die Hoffnung auf Gott.

  • Und aus dieser Hoffnung raus haben diese Menschen schon Erfahrungen gemacht, mit Gott, mit dem Glauben, und davon sollen die Jugendlichen was mitkriegen, damit sie sehen, welcher Gemeinde sie sich da anschließen – und schon angeschlossen haben.

  • Und natürlich muß der Konfikurs auch Glaubenswissen vermitteln, das Glaubensbekenntnis, einen Psalm vielleicht, das eine oder andere Kirchenlied, das Vaterunser. Auch das ist nicht allen Jugendlichen geläufig.

Das alles ist mit gemeint mit dem Wort Konfirmation: Bestärkung. Nicht nur der Segen, nicht nur das Abendmahl, nicht nur das Fest in der Familie soll Bestärkung sein, sondern auch der Kurs soll die Jugendlichen bestärken und stark machen für die persönliche Entscheidung für oder gegen Gott und die Kirche.

  1. 250 000 Jugendliche machen jedes Jahr in Deutschland einen Konfikurs mit.

„Lehrplan“?

Die Inhalte sind überall ein bißchen unterschiedlich, es gibt keinen festen Kanon, was im Konfikurs abgearbeitet werden muß. Nur so kann man schließlich drauf eingehen, dass jeder Konfirmand anders ist, jede Konfigruppe anders, die Jugendlichen kommen ja aus verschiedenen Schulen, aus verschiedenen Hintergründen zusammen und haben immer wieder auch andere Themen und Anliegen.

Natürlich sind Basics dabei, die wohl immer kommen:

Der Gottesdienst, Jesus Christus und Gott, der heilige Geist, die Taufe, das Abendmahl, die Gemeinde, Gebete, die Nächstenliebe, die Reflexion des eigenen Glaubens und Geschichten und Hintergründe zur Bibel.

Auch machen die meisten Gemeinden mit den Jugendlichen eine Wochenendfreizeit, damit sie sich kennenlernen, vielleicht nochmal anders kennenlernen als in der Schule oder im Sportverein. Die Freizeit ist im Rückblick regelmäßig das Highlight für die Konfis gewesen, weil da endgültig alles nochmal ganz anders ist als im Religionsunterricht und weil man sie als ganzen Menschen wahrnimmt und auch mehr ernstnimmt.

Und das ist – wenn man die Jugendlichen fragt – regelmäßig auch eine ganz wichtige Erwartung an die Konfirmandenzeit und die Konfirmation: dass sie ernstgenommen werden. Ernstgenommen von uns als denen, die die Gruppen begleiten, und auch ernstgenommen von der Gemeinde, von denen, die sie als Konfirmanden immer ein bißchen beäugen und ihnen vorschreiben wollen, was sie zu tun, was sie zu glauben und wie sie sich zu verhalten haben – von denen möchten sie ernstgenommen werden.

  1. Was wollen die Jugendlichen?

Ich hab eine Umfrage im aktuellen Konfirmandenkurs gemacht. Zwei wollen in weiß heiraten, und bei den anderen läßt es sich letztlich zusammenfassen:

  1. sie wollen die Familienfeier

  2. sie wollen den Segen

  3. und sie wollen Geschenke.

Was sie nicht unbedingt wollen? - „Hineinsozialisiert werden“ in eine Erwachsenenkirche, also begierig lernen: wie singt man den gregorianischen Choral richtig?, was ist ein Introitus? und warum werfen der Pfarrer und die Gemeinde einander im Gottesdienst schwer verständliche Sätze hin („der Herr sei mit euch!“ „– und mit deinem Geiste“ u.a.)?

Großer Aufwand, hohe Erwartung – und die Wirkung?

Drum sind auch bei der Konfirmation gerne mal dreihundert Leute in der Kirche – wir können kaum genug Stühle aufstellen, Liedblätter drucken, und der Altar wird festlich geschmückt.

Und nachher? Nachher sind sie alle weg. Und machen wir uns nichts vor: sie kommen erstmal nicht wieder. Da fragt sich natürlich auch die Gemeinde: wozu Konfirmation? Wozu der Aufwand? Soll nicht der Pfarrer, statt Woche für Woche Kurse zu halten für Leute, die er nachher nie wieder sieht, lieber mehr Hausbesuche machen bei Leuten, die ihr Leben lang Kirchensteuer gezahlt haben und vielleicht viel dringend Seelsorge wünschen?

Soll nicht die Religionspädagogin lieber noch eine Kindergruppe machen, für kleine Leute, die noch nicht pubertieren und gerne kommen, um Geschichten zu hören, zu basteln, zu singen und Kindergottesdienste zu feiern?

Es muß also auch ein richtiger, echter, tiefer Sinn in dieser Konfirmationsfeier liegen, dass da die Leute kommen, in Scharen – und nachher nicht mehr.

  1. Geschenke?

Sie wissen das: früher hat die Konfirmation am Übergang zum Erwachsenenalter gestanden, und man hat die jungen Leute ausgerüstet mit dem, was erwachsene Menschen so brauchen:

  • ein erster Anzug, ein erstes richtig erwachsenes Kleid

  • Handtücher

  • eine Uhr

  • eine Ziege?

Weil sie ja doch heute meistens nicht direkt ins Arbeitsleben wechseln, gibt’s bei uns keine Ziegen, sondern vielleicht was mehr zum Spaß, manchmal auch Geld;

  1. Entscheidendes Geschenk, entscheidende Gabe der Konfirmation ist der Segen.

a) Was ist nun wieder Segen? Ich vergleiche das mit einem Vater, der mit seinem Sohn auf der Straße entlangläuft, Hand in Hand, in stummem Einverständnis oder auch im Gespräch; und dann bleiben sie stehen, weil der Sohn den Vater, der Vater den Sohn unbedingt kurz mal drücken muß. Liebevoll, innig und voller Hingabe. Und dann lösen sie sich vorneinander, nehmen sich wieder bei der Hand – und gehen gemeinsam weiter. Das ist Segen. So eine Umarmung. Zärtlichkeit zwischen Gott und Mensch.

b) Und jeder hat die Erfahrung auch schon gemacht: eine Umarmung ist natürlich ein Zeichen für Liebe, ganz klar. Wie ein Kuß ein Zeichen ist. Aber er bezeichnet nicht nur Liebe – er weckt auch Liebe. Und so ist es mit dem Segen auch, er ist ein Zeichen, ein Ausdruck für Gottes Liebe – und er weckt auch Liebe, beim Menschen, darauf hoffen wir fest, wenn wir die Jugendlichen in einem festlichen Gottesdienst segnen. Oder später auch wieder bei der Hochzeit. Und letztlich in jedem Gottesdienst.

Dazu legt man den Menschen die Hände auf und man hofft, dass Gottes Liebe durch mich durch zum Gesegneten hinfließt, so wie der Regen durch die Dachrinne einfach durchfällt.

  1. Und am Ende ist die Handauflegung auch noch mehr. Sie drückt die Zärtlichkeit Gottes aus – sagt sie zu – und sie nimmt den Menschen auch in die Pflicht, gibt ihm einen Auftrag, nämlich: rauszukriegen, was die eigene Bestimmung des Menschen ist und wie er ein erfülltes Leben mit Gott führen kann.

„Dass ich nicht glaube, glaube ich nicht. Aber ob ich glaube – weiß ich nicht.“

Sie kennen die Geschichte mit Martha und Jesus? Martha hat grade den Bruder verloren und Jesus fragt sie, ich bin die Auferstehung und das Leben. Glaubst du das?

Und genauso fragt Jesus auch uns, auch die Konfirmanden und auch die Gemeinde jeden Tag, immer wieder. Und ihm genügt das leiseste Ja.

Ich wünsche Ihnen einen guten Weg durch die Konfirmandenzeit und Gottes Segen für ein erfülltes Leben.

 

 

 

 

 

 

 

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