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Predigten
Predigt Islam PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 11. Juni 2018 um 10:01 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

der Herr Cumani vom städtischen Integrationsbeirat hatte eingeladen zum Fastenbrechen.

Die CSU hatte abgesagt - Pfarrer Ljubisic hatte zugesagt.

Ich kenn mich mit dem Islam nicht aus;

Aber die Sure 4,34 kenn ich: der Mann steht über der Frau.

Und die Sure 4,11: ein Sohn erbt grundsätzlich doppelt so viel wie eine Tochter.

Ich weiß, dass der Koran Körperstrafen befürwortet, die Trennung von Kirche und Staat für sich ablehnt und eine neue Weltordnung unter muslimischer Führung für eine göttliche Verheißung hält.

Jetzt halt ich die Einladung in Händen zu einer Feier im Zusammenhang muslimischer Religionsausübung.

Geh ich da hin oder nicht?

Ich war fünf Jahre lang Pfarrerin in der Paul-Gerhardt-Gemeinde in München;

ein Teil der Gemeinde ist stolz drauf, evangelikale Richtungsgemeinde zu sein,

und diesem Teil der Gemeinde war ich entschieden zu liberal.

Immer wieder wurde von anderen drüber dikutiert und auch geurteilt, ob ich fromm genug bin.

Ob ich als Frau genauso würdig und wichtig bin wie ein Mann.

Ich wollt da drüber eigentlich nicht mehr diskutieren, nie wieder! - aber im Umgang mit dem Islam stellt sich diese Frage,

und wir haben viele muslimische Mitbürger, Menschen, die dem Islam angehören.

- Der Islam versteht sich als ausgestattet mit einem universellen politischen und moralischen Auftrag: eine neue Weltordnung unter islamischer Führung.

Eine Weltordnung unter Gottes Gesetz und Gebot, nicht unter Menschengesetz.

So verstanden kann sich der Islam der Demokratie gar nicht unterordnen:

Denn Demokratie ist von Menschen gemacht.

Sie möchte, sie braucht die Autonomie des Denkens der Bürger, braucht kritische, mündige Bürger,

die die Regierungsarbeit und auch die Religionssysteme aus kritischer Distanz zu hinterfragen in der Lage sein dürfen müssen.

Ich hab im Studium die Methoden der historisch-kritischen Exegese gelernt: wie untersucht man die biblischen Texte, so dass man die Inhalte in den Kontext ihrer Entstehungszeit einordnen, sie im Zusammenhang damit verstehen und damit auch angemessen übertragen kann in die heutige Zeit?

Geht das mit dem Koran auch? Er versteht sich als ein unantastbares Manifest.

Kann ich also sseine Gewaltpassagen, seine demokratiefeindliche Grundhaltung in den historischen Kontext setzen? sie deskriptiv verstehen statt normativ, sie eventuell relativieren, so wie das mit der Bibel gemacht wird, in größter Selbstverständlichkeit,

und nicht nur von den Kritikern, sondern von jedem ordentlich ausgebildeten, examinierten Theologen?

Wer entscheidet das, was gepredigt wird`?

der, der in der Moschee predigt, oder der, der den Prediger und den Moscheeverein finanziert? wo auch immer er im Ausland angesiedelt ist?

oder doch die freiheitlich-demokratische Grundordnung?

In welchem Verhältnis stehen die zueinander?

Mohamed war geistiges Oberhaupt der Gemeinde,

aber auch Staatslenker,

er war Finanzminister,

Feldherr,

Richter,

Gesetzgeber;

Religion und Ökonomie ist gemischt mit Legislative, Judikative und Exekutive, eine Säkularisierung ist gar nicht vorgesehen.

Mohamed ist religiöses, moralisches und politisches Vorbild.

Trennung von Religion und Staat? Demokratie? gar nicht wünschenswert, gar nicht denkbar

 - in Indonesien funktioniert es, wie machen die das?

Darf da eine muslimische Frau einen Christen heiraten, einen Juden, einen Nichtgläubigen? Darf man da - gesellschaftlich und politisch gesehen, nicht vom Standpunkt der Religion,

Sex haben, ohne Trauschein? Moslems mit Christen, mit Nichtreligiösen?

darf man Alkohol trinken? Kleidervorschriften nach eigenen Vorstellungen umsetzen? Ist dort das islamische Familienrecht außer Kraft gesetzt, wie etwa die eingangs zitierte Erbvorschrift, dass männliche Erben grundsätzlich doppelt so viel erben wie weibliche?

Oder gibt es eine Paralleljustiz für Muslime?, mit Friedensrichtern und mit Gesetzen, die nicht von Menschen, sondern von Gott gesetzt sind? und deshalb auch nicht verhandelt, verändert, außer Kraft gesetzt werden dürfen?

Als evangelische Christen hoffen wir auf Vollendung in Gott als Ziel des Lebens.

Wir unterscheiden zwischen dem religiösen Verhältnis des Menschen zu Gott und der politischen Verantwortung für die Welt.

Die Trennung bewahrt den Staat davor, hindert ihn geradezu daran, seinen Gesetzen religiöse Weihe zu verleihen. Denn dann lassen sich ja Irrtümer nicht korrigieren: weder Staat noch Kirche sind gefeit vor Irrtümern. Und weder Staat noch Kirche dürfen Herrschaft beanspruchen über das Gewissen des Menschen oder gar Unterwerfung fordern.

Ich weiß gar nicht, ob es wirklich immer handfeste theologische Argumente sind, die junge Leute grad auch hier in Deutschland am Islam anziehen. Junge Menschen aus Einwandererfamilien, die hier geboren sind und hier aufgewachsen; und die mit Recht hier ihre Heimat haben möchten.

Sie möchten die gleichen Chancen haben: in der Bildung, am Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche; sie möchten hier anerkannt sein, auch innere Heimat haben, sich entfalten und mit gestalten und Einfluss haben.

Das gelingt nicht immer.

Aus vielerlei Gründen, oft ist es die Sprache,

oft ist es die Auseinandersetzung mit der Leistungsgesellschaft, dem Kapitalismus;

suchen Sie doch die muslimischen Kinder in unseren Schulen.

Sie finden welche am Gymnasium, in der Realschule. Und Sie finden welche in der Mittelschule.

Und das hat keine genetischen Grüne, sondern ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.

Und wenn ich mich nicht willkommen fühle, mich benachteiligt fühle - kapsle ich mich ab.

Dann "will" ich auch nicht dazugehören.

Dann betone ich das, wo ich anders bin, betone es, übertreibe es vielleicht auch.

Ganz bestimmt betone ich dann nicht die Gemeinsamkeiten,

auch nicht in der Spiritualität oder in der Ethik, da gäbe es natürlich auch beim Islam und dem Christentum eine Menge.

Sondern ich betone das, was ich habe und die anderen nicht: ich bin deutsch, ja, ich bin Europäer, das auch, das sind die anderen auch, aber: ich bin Moslem, das sind die anderen nicht! Das zeichnet mich aus. Das macht mich besonders, und das ordnet mich einer Gemeinschaft zu.

Und ich bin vielleicht wirtschaftlich und politisch unterlegen, aber moralisch bin ich überlegen, denn der Koran sagt, die Muslime sind die beste Gemeinschaft, die Gott je unter der Menschheit hervorgebracht hat.

Dieses Verständnis verhindert natürlich Dialog und Reform.

Die Fremdheit in einer Gesellschaft kann - muss nicht, kann aber - im Gegenteil besonders konservativ machen und besonders empfindlich und empfänglich für Tradition, für Traditionelles und die Bewahrung.

Ich weiß nicht , wie es die unter Ihnen erlebt haben, die aus Rumänien nach Deutschland übergesiedelt sind; spielte das eine Rolle? Das Wir-Gefühl der Siebenbürger in der Gesellschaft hier?

ich bin Christ; Ich bin deutsch. Das sind die anderen auch.

Aber: ich bin aus Siebenbürgen. Das sind die anderen nicht, das verbindet uns als eine Gemeinschaft, die zusammengehört, innerhalb der Gesellschaft..?

Beim Islam ist die religiöse Deutungshoheit zentralisiert. Und zwar in politisch gesteuerten Institutionen - und die sind eingebettet in ein Unterdrückungssystem der staatlichen Religionsbehörden:

In Ägypten, in Saudi-Arabien, Marokko, in der Türkei, im Iran und in Pakistan;

der Islam fordert Unterwerfung, und jede Öffnung und Aufklärung bringt Despoten ins Wanken.

Da hilft noch so viel guter Wille vom Garchinger Integrationsbeirat nichts.

Sondern? was hilft?

* Es hilft, wenn Moscheevereine unabhängig werden vom Ausland, zuallererst wirtschaftlich und sprachlich und personell und von der Ausbildung und vom Ausbildungsstandard her;

* es hilft, wenn der Körperschaftsstatus nur dann verliehen wird, wenn der Verfassungsschutz keine Bedenken haben muss,

* es hilft, wenn Moscheevereine Lizenzen brauchen, die an staatliche Aufsicht gekoppelt sind, und

*wenn es keine Paralleljustiz geben darf: keine Friedensrichter und keine Gesetze, die für Moslems gelten und für andere nicht oder andersrum.

Mit einem Islam, der in Freiheit das Leben der Menschen auf Gott hin ausrichtet, feiere ich auch gemeinsam Fastenbrechen,

so wie übrigens, das wollt ich Herrn Gruchmann dringend ans Herz legen, und zwar als ökumenisch gesinnte evangelische Christin, meines Wissens noch nie der Verfassungsschutz alarmiert wurde anlässlich der Fronleichnamsprozession.

Keinen Millimeter bin ich bereit, abzugehen von der erreichten Gleichberechtigung zwischen den Menschen der verschiedenen Geschlechter und der Unantastbarkeit der Menschenwürde;

und da verläuft die Trennlinie nicht zwischen Moslems und Christen, sondern zwischen Demokraten und Demokratiefeinden.

Wir haben viel erreicht und viel zu verlieren, und ich möchte nicht in einer Weltordnung leben, die von der muslimischen Gemeinschaft geführt wird.

Auch dann nicht, wenn die Moslems glauben, dass Gott ihnen das versprochen hat.

Ich möchte in aller Freiheit und in Frieden mein Leben auf Gott ausrichten,

und ganz ganz viele Musliminnen und Muslime möchten das auch.

Und ob ich in den Himmel komme oder nicht - darüber befindet nicht der Imam, auch nicht Mohamed, sondern alleine Gott. Ich zitiere:

"Keiner kann entscheiden, wer in Gottes Glückseligkeit aufgenommen wird!"

Sure 22, Vers 17.

Amen.

 
Verkauf alles was du hast und folge mir nach PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 16. Oktober 2017 um 07:12 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

meine erste Stelle nach der Ausbildung hatte ich bei den Böhmischen Brüdern; das war eine kleine tschechische Gemeinde in einer tschechischen Stadt; ich hab auf Tschechisch gepredigt, Gottesdienste gehalten, die Tschechen sind mir ans Herz gewachsen

- aber die tschechische Sprache - die blieb mir fremd.

Ich hab schon was dafür getan: ich hab Vokabeln gelernt, über Grammatikbüchern gebrütet, ich hab Sprachkurse mitgemacht; ich hatte einen furchtbar netten jungen Mann als Kollegen, der konnte wunderbar deutsch und hat trotzdem tschechisch mit mir gesprochen, damit ich es lerne;

aber geantwortet hab ich fast immer - auf Deutsch.

Dabei hatte ich ihn durchaus verstanden.

Aber selbst Tschechisch reden - das war eine schier unüberwindbare Hürde.

Warum?

Ich bin Pfarrerin. War ich auch damals schon.

Die Sprache - das ist mein Handwerkszeug, und damit kann ich gut umgehen!

Ich beherrsche sie gut, ich kann mich so ausdrücken, dass ich genau das sag, was ich meine;

ich kann mit der Sprache spielen, ich fühl mich darin zuhause.

Ich kann mich auch damit schützen.

Mich hinter viel Gescheit Daherreden verstecken, mich überlegen fühlen.

Die Worte als Waffe benutzen.

Auf Tschechisch dagegen - da war und da blieb ich ein stammelnder Anfänger.

Ich konnt von Glück reden, wenn der andere erraten hat, was ich vielleicht sagen möchte; ich konnte mich nicht wehren, nicht scherzen oder gescheit daherreden,

und so blieb ich oft lieber stumm;

für meine Tschechischlehrer war ich, denk ich, ein hoffnungsloser Fall; denn das Ziel des Spracherwerbs ist ja nicht das Beherrschen von Grammatikregeln, sondern die lebendige Kommunikation.

Daran muss ich denken bei unserem Evangelium von dem reichen Jüngling: alle Regeln kennt er.

Er hält die zehn Gebote,

aber er sorgt sich trotzdem ums ewige Leben.

Deshalb wirft er sich Jesus zu Füßen und fragt, was muss ich tun, was muss ich noch tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

Jesus sagt, geh über diese letzte innere Hürde.

Gib deine Sicherheit auf.

Lass dich ganz auf mich ein.

Folge mir nach.

Und da wendet sich dieser Jüngling traurig ab und geht weg.

Da ist eine innere Hürde. Er hat viel zu verlieren, und das alles aufzugeben - das schafft er nicht.

Und ich denke, ganz viele von uns können es gut verstehen.

Alles aufgeben und sich wirklich ganz auf den Herrn einlassen, auf Gott, Vater, Sohn und den Heiligen Geist - stammelnder Anfänger, Anfängerin des Gottvertrauens werden statt souveräner Herr im eigenen Haus und im eigenen Leben - das ist eine gewaltige Hürde.

Unsere Herzen sind doch gebunden.

Durch die Partnerschaft, die Familie, durch Freundschaften, durch den Beruf... So wie Teenager (und ich selber) manchmal kaum den Blick lösen können vom Handybildschirm, so können wir alle manchmal kaum den Blick lösen von unseren Sorgen und Freuden, unseren Aufgaben und Angelegenheiten;

und dann kommt in der Abendmahlsliturgie, ganz am Anfang schon, die Stelle, da sagt der Pfarrer: "Die Herzen in die Höhe!"

"Löst euch von eurem irdischen Leben und schaut auf Gott."

Hier kommt ein - für mich - wichtiger Unterschied zwischen den Konfessionen: bei den Katholiken antwortet die Gemeinde auf diese Aufforderung, die Herzen in die Höhe: "Wir haben sie beim Herrn!"

- glaub ich nicht. Hab ich als Kind schon ganz oft ehrlicherweise feststellen müssen: bei allem möglichen hab ich in dem Moment mein Herz gehabt, aber nicht beim Herrn und nicht bei der Abendmahlsliturgie....

Die evangelische Antwort von der Gemeinde gefällt mir besser. Bei uns antwortet man "Wir erheben sie zum Herren!" - Wenn schon bisher nicht, dann immerhin spätestens jetzt....better now than never...

Immerhin einen Moment lang löse ich meinen hypnotisierten Blick von mir und von meinem Leben und erhebe mein Herz zum Herrn...

Wenn es doch nur dort bliebe... Dauerhaft.

Und das IST auch wahrhaftig viel verlangt; Sie kennen alle diese Geschichte von Abraham, der meint, dass ihn Gott auf die Probe stellt und wissen will, ob er wirklich bereit wäre, seinen Sohn zu

opfern, wenn Gott das von ihm verlangt. Wo hast du dein Herz, Abraham, bei Gott? oder doch bei deinem Sohn?

Winken Sie nicht ab! Das ist nicht nur finsteres Altes Testament,

von dem heute keiner mehr etwas wissen will;

wann haben Sie zuletzt diese protestantische Hymne gesungen, "ein feste Burg ist unser Gott!"? Lesen Sie dort, EG 362, Strophe vier: "...Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib? lass fahren dahin! Sie habens kein Gewinn! das Reich muss uns doch bleiben..."

(Passen Sie auf, was Sie singen...)

Wir alle kennen das höchste Gebot, du sollst Gott über alles lieben, mit ganzer Seele, von ganzem Herzen und mit all deinem Verstand, und den nächsten wie dich selbst.

Ein deutsch-iranischer Schriftsteller (Navid Kermani) sagte mal in einem Interview, "Dieses protestantische Christentum, das ich auf einem Forum des Kirchentags höre oder das mir in der evangelischen Beilage der Zeitung begegnet, mag ja sympathisch sein, aber es lässt mich kalt. Es kommt mir oft wie eine Doppelung dessen vor, was uns der gesunde Menschenverstand ohnehin sagt."

Davon erbt keiner das ewige Leben.

Das Ziel des Lebens ist nicht das Halten der zehn Gebote. Ist nicht die Moral, das lässt einen kalt! und auch nicht die Lehre Jesu. Jesus sagt nicht, "sprich mir nach!"

Jesus sagt: "folge mir nach!" Gib alles auf, was du hast, und dann komm und folge mir nach, schließ dich den Meinen an!

Und diese Aufforderung gilt uns genauso:

belassen wir es nicht bei einer Lehre, nicht bei gewissen Werten und bei Moral,

bei dem, was der gesunde Menschenverstand einem sowieso sagt,

sondern überwinden wir diese Hürde - und gehen eine Beziehung ein - zum Lebendigen Gott und in Folge dessen auch zur Gemeinde und den Brüdern und Schwestern.

Ich hab mich nicht getraut, Tschechisch zu reden, weil ich meine Souveränität aufgegeben hätte, meinen Schutz auch, den ich in der Muttersprache, auf Deutsch habe, durch die Sprachgewandtheit.

Und genauso zögert der Jüngling im Evangelium, seine Souveränität aufzugeben, aufzugeben, was ihn schützt und stark macht und unverletzlich: sein Vermögen.

Und wer sich auf seinen Nächsten wirklich einlässt, wer wirklich liebt - der gibt auch viel Schutz auf, der wird verletzbarer, angreifbarer, der verlässt seine feste Burg.

Aber er gewinnt das wirkliche Leben.

Wenn ich meine Gemeide, die Brüder und Schwestern, wirklich liebe,

dann ist es mir nicht wurscht, ob die Jugendlichen wiederkommen nach der Konfirmandenzeit, und ob der Glaube wirklich etwas für ihr Leben bedeutet. Deshalb investieren wir so viel in die Jugendarbeit. Nicht weil sich die Jugendlichen so gut machen unter den Erwachsenen. Sondern um ihretwillen, weil wir sie lieben.

Dann ist es mir ein Herzensanliegen, dass die Eltern der Täuflinge sie wirklich hinführen zum Glauben, dass sie die Kinder beten lehren, ihnen vormachen, dass man auf Gott vertrauen kann.

Nicht nur drauf verlassen, "das soll er oder sie später mal selber entscheiden!";

denn man sagt zwar, Not lehrt beten, aber viele von Ihnen sind doch schon selber in Not geraten und froh gewesen, dass Sie das Beten dann nicht erst lernen mussten, sondern sich bergen konnten in etwas Vertrautem, bei einem vertrauten Gott, einem liebgewordenen Retter und Helfer.

Wenn mir meine Gemeinde wirklich etwas bedeutet, dann ist mir das wichtig, dass hier jeden Sonntag Kindergottesdienst ist; - und wenn ich ihn selber halten muss, so gut oder wenig gut ich es eben kann, Hauptsache, die Kinder erfahren von Gott und spüren, da gibt es Menschen, die wirklich glauben und auf diesen Gott hoffen! - wo sollen sie es denn sonst erfahren, wenn nicht von uns?

Das persönliche Beten ist wichtig.

Das Bibelstudium zuhause.

Die Stille mit Gott,

und auch das persönliche Gespräch mit ihm hier im Gottesdienst, nur in Ihrem Herzen und unhörbar für alle anderen. Aber: geistliches Wachstum kann nicht unabhängig von Gemeinschaft stattfinden.

Darum werbe ich, dass Sie alle möglichst oft in die Kirche gehen! Nicht wegen der Sonntagspflicht, und auch nicht, weil der liebe Gott unseren Besuch brauchen würde wie der Onkel im Altersheim.

Sondern unseretwegen.

Wir riskieren unsere geistige Urteilsfähigkeit,

wir riskieren unseren inneren Frieden mit Gott,

wir sind das Risiko in der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen,

wir brauchen diesen Schnittpunkt zwischen der Wahrheit und unserem Leben,

und dass wir uns miteinander und mit Gott auseinandersetzen.

Im Petrusbrief lesen wir, was zu tun ist: (Lesung 2. Petrus 1, 3-13)

*

Was ist zu tun? - "jeder soll sehen, dass ihr Gott kennt:"

- am Halten der zehn Gebote

- an eurer Selbstbeherrschung

- an eurer Ausdauer, die zur Liebe zu Gott hinführt;

- an eurer Liebe zu Gott, die hinführt zur Liebe für Brüder und Schwestern;

- an eurer Liebe zu den Brüdern und Schwestern, die hinführt zur Liebe für alle Menschen.

Da ist ein Weg, ein "ongoing process", der Weg der Berufung und der Erwählung;

und das ist ganz bestimmt keine reine Verdoppelung dessen, was einem eh der Verstand sagt...

Und wir sollen nicht nur so tun, als ob uns die anderen wichtig wären;

nicht nur die Regeln kennen und dann doch nicht "das Herz erheben"; sondern die letzte innere Hürde überwinden und wirklich lieben.

Nicht Tschechisch verstehen und die Regeln kennen und an Haufen Vokabeln können - und dann doch auf Deutsch antworten. Sondern uns trauen. Uns unseren Mitmenschen zeigen und uns auf sie und aufs Leben einlassen.

Abraham wurde gefragt: was ist dir wichtiger, dein Gott? oder dein einziger Sohn?

Abraham wär imstand gewesen und hätt sein Kind geschlachtet; Gott höchstpersönlich fällt ihm in den Arm und hält ihn zurück.

- Keiner von uns muss für Gott seinen Sohn opfern!

Das hat statt dessen Gott schon für uns getan, seinen einen, einzigen, heiß geliebten Sohn geopfert, so dass wir alle nie mehr opfern müssen.

Aber deshalb soll Gott uns genauso, mindestens ebenso wichtig sein:

nicht als Regel und Vorschrift, nicht als trockene Lehre,

sondern als lebendige Freundschaft und

als Liebe,

zu Gott und zu unserem Nächsten,

wie zu uns selbst. Amen.

 
Predigt zur Konfirmation: Süsser die Glocken nie Klingen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 12. Oktober 2017 um 14:11 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

die Sonne lacht über dem Luegsteinsee; achtzehn Jugendliche aus Garching verbringen dort mit ihren Leitern eine Konfirmandenfreizeit; eben räkelt sich Katja in einer Fensternische und traktiert ihre Freundin Finja mit Bibel-Quiz-Fragen, während ihr Finja gleichzeitig die Haare macht und ihr kleine Plastikspinnen in die Frisur hinein fummelt.

Simon schreitet, ein buntes Handtuch lässig um die Hüften geschwungen, durch den Matsch vor dem Haus zum Ufer, um dort hinter Amelie und Denise elegant ins eiskalte Wasser zu hechten, wo bereits Alina mit zwei anderen auf dem Board paddelt und überlegt, ob sie Timo retten sollen, der mitten im See auf seiner winzigen Plattform steht und erbärmlich friert - da

durchschneidet der helle Klang einer Glocke die freundliche Herbstluft.

Sie ruft die Konfis zur nächsten Unterrichtsstunde.

Typisch Glocke, sie kann gar nichts dafür.

Dazu sind Glocken da, die kleine - genauso wie ihre riesengroßen Schwestern am Kirchturm;

sie unterbrechen, sie stören oft auch (- wohnt hier jemand in der Schleißheimer Straße?...ich hatte schonmal Anwohner, da haben Jugendliche die Kirchenglocken mit Bauschaum zugesprüht, damit endlich Ruhe war...);

Glocken alarmieren; (alte Dörfer haben ja oft noch eine Feuerglocke);

Glocken rufen die Gemeinde zusammen, zum Gottesdienst in die Kirche, sie rufen zum Gebet, und

sie symbolisieren ganz allgemein durch den lauten, klaren, aufsteigenden Klang über unseren Köpfen die Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Und das sollt ihr mitnehmen von dieser Festpredigt heute zu eurer Konfirmation:

Wann immer ihr in Zukunft Kirchenglocken hört, hier in Garching oder sonst irgendwo auf der Welt - dann soll euch eure Konfirmandenzeit einfallen.

Die Sonntage, die beiden Freizeiten (eine am Anfang, eine am Höhepunkt), und nicht zuletzt die Einsegnung heute, wenn wir euch die Hände auflegen:

Gott drückt euch fest an sein Herz, und die Glocke läutet und symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch.

Wann immer ihr eine Glocke läuten hört, sollt ihr kurz diese Erinnerung herholen und spüren, wie Gott euch durch diese Erinnerung an sich drückt, wie eine gute Freundin, ein guter Freund, beiläufig, liebevoll, herzlich, und euch den Rücken stärkt.

Und wie ich euch mit der kleinen Glocke gerufen hab, gesammelt habe, um mit euch und für euch über den Glauben zu reden, oder um Gottesdienst mit euch zu feiern -

so sollen euch auch in Zukunft die Kirchenglocken rufen:

zum Gottesdienst, oder dass ihr immerhin, da, wo ihr gerade seid, einen Moment über euren Glauben nachdenkt - und damit die Verbindung haltet zwischen Himmel und Erde.

Gott möchte beraten und möchte Orientierung geben und Halt;

dazu müssen wir Menschen auch hinhören und die Ohren spitzen, ob wir in dem Glockenklang außer Lärm und Ruhestörung noch etwas anderes erlauschen:

die Stimme Gottes?

eine Warnung vielleicht vor einer falschen Entscheidung?

eine Mahnung, nicht nur auf der Erde zu leben, sondern auch an den Himmel zu denken,

an Liebe und Treue, an höhere Werte, an den tieferen Sinn unseres Lebens?

Die Glocken oben im Turm oder da am Altar sind aus Metall.

Menschen sind nicht aus Metall, und trotzdem:

auch wir Menschen selbst haben was gemeinsam mit Glocken.

(Eins liegt auf der Hand:)

Auch so ein Haufen Konfirmanden kann wahnsinnig laut sein;

sie können gscheit in Schwingung geraten;

und so ist es doch auch, ihr habt eingeladen, eure Familie und eure Freunde,

wie Glocken mit ihren Läuten,

und viele sind daraufhin gekommen:

eure Familien nehmen ja ganz offensichtlich euer Fest heute zum Anlass, sich zu versammeln, als eure persönliche Festgemeinde - und Verbindung aufzunehmen zwischen Himmel und Erde. Zu singen und zu beten, für euch zu beten, vielleicht aber auch für sich selbst und andere,

über den Glauben nachzudenken, ganz ähnlich, wie wir es auch in den Gesprächen im Konfirmandenunterricht getan haben.

Das habt ihr mit eurer Einladung bewirkt. Ihr wart sozusagen menschliche Glocken.

Eine Glocke kann immer nur ein und denselben Klang von sich geben, ist gestimmt auf eine Tonhöhe, das ist bei Menschen natürlich anders; mal

seid ihr eher schrill und penetrant wie eine chinesische Fahrradglocke,

mal klingt ihr eher klein und verzagt wie das Glöckchen am Schokoladennikolaus - in der Konfiprüfung vielleicht oder beim ersten Date mit der großen Liebe?

Manchmal klingt ihr auch ganz klar und rein und fast warnend und drohend, wie die Anna-Lena, wenn jemand ihren kleinen Bruder in der Schule blöd anredet,

oder wie der Xaver, wenn er hier vorne steht und den Wochenspruch vorliest, so souverän, als tät der den ganzen Tag nichts anderes.

Ihr habt wunderbar zusammengeklungen, als ihr auf der Freizeit beim Gottesdienst auf dem Steg am See mit der großen Anna und der Franzi und der Sarah gesungen habt;

ihr klingt hoffentlich wunderbar zusammen, wenn ihr nachher das Glaubensbekenntnis miteinander sprecht, und ihr habt hoffentlich immer wieder mal Lust, mit eurem ganz unverwechselbaren Klang einzustimmen in das Glockenkonzert eurer Kirchengemeinde.

An Weihnachten - bei der Konfirmation von Geschwistern vielleicht - bei eurer Hochzeit - bei der Taufe eurer eigenen Kinder - und vielleicht auch zwischendrin immer wieder mal, einfach so.

Erich Kästner dichtet:

Wenn im Turm de Glocken läuten, kann das vielerlei bedeuten,

erstens: dass ein Festtag ist. Dann, dass du geboren bist; drittens, dass dich jemand liebt, viertens, dass es dich nicht mehr gibt...

Wenn Glocken klingen sollen, müssen sie angeschlagen werden und ins Schwingen kommen.

Am Ende der Freizeitwoche haben mir alle Konfis einen Brief schreiben müssen, warum sie sich konfirmieren lassen, was sie ins Schwingen bringt, so dass sie heute hier feiern möchten.

Jetzt könnte man spotten und sagen, mei, klar, süßer die Kassen nie klingeln,

und ich find das auch legitim, wenn man sich freut, dass man Geschenke kriegt;

jetzt seid ihr keine kleinen Kinder mehr,

jetzt traut man euch zu, auch mit größeren Geldbeträgen und teuren Geschenken umzugehen und verantwortungsvoll und bewusst zu handeln. Auch das sieht man an den Geschenken. Dass man euch etwas zutraut und euch vertraut.

Die allermeisten schreiben aber genauso, dass sie auch ihren Glauben stärken möchten durch den Segen heute und dadurch, dass andere miteinander gezielt und konkret für sie beten;

und: Alle (!) freuen sich, dass sie von ihren Familien gefeiert und geliebt werden.

Das möcht man manchmal vielleicht gar nicht glauben, jedenfalls nicht immer,

angesichts dieser coolen jungen Erwachsenen,

angesichts mancher Debatten und Konflikte vielleicht,

sie alle hängen mit zärtlicher Liebe und Dankbarkeit an ihren Eltern, an ihren Geschwistern;

und auch wenn sie es nicht immer zugeben würden:

sie sind unglaublich froh, dass sie Sie haben.

Auch das schwingt am heutigen Festtag mit,

auch das ist ein wichtiger Klang im Glockenkonzert des heutigen Festes.

Legen Sie als Familien, wir als Gemeinde deshalb das Leben dieser jungen Menschen, eure Zukunft und alle Wege, die vor euch liegen, voller Vertrauen in Gottes Hände.

Er hat euch geschaffen, hat euch wunderbar geschaffen.

Er ist treu.

Er wird zu euch stehen,

und das Gute, das er begonnen hat, vollenden.

Er segne euch. Amen.

Und der Friede Gottes....

 
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