Zur Navigation | Zum Inhalt
FVCML0208 10
Predigten
Gottesdienst am 2. Juni 2019 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 03. Juni 2019 um 06:53 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

Jesus hat gern Geschichten erzählt.

Die Leute haben offensichtlich gern zugehört, ihm an den Lippen gehangen, warum? weil immer irgendwas Überraschendes, etwas Verblüffendes dran war. Bei uns funktioniert das nicht mehr so recht;

schon die Konfirmanden haben die Jesus-Geschichten schon oft gehört,
Kindergottesdienst, Religionsunterricht, selbst die, die wirklich nur ganz selten kommen und nie selbst zur Bibel greifen, um drin zu lesen, selbst die kann man schwer überraschen mit dem, was Jesus erzählt hat.

Im Mittelalter, für Martin Luther etwa, da muss das völlig anders gewesen sein.
Es gab keinen Kindergottesdienst, keinen Religionsunterricht, keine Kinderbibel.

Es gab die Kirche, mit lateinischen Gottesdiensten - kein Mensch konnte Latein -
und es gab die Bibel: das Alte Testament auf Hebräisch und das Neue auf Griechisch.

Auch die meisten Pfarrer hatten kaum eine Ahnung. Die konnten die Messe lesen, aber Hebräisch und Griechisch konnten die nicht,

ich bin mir sicher, unsere Konfirmanden wissen heute von der Bibel erheblich mehr als im Mittelalter der normale Dorfpfarrer gewusst hat. Es wurde halt an der richtigen Stelle in der Messe mit Glöckchen geklingelt, damit die Gläubigen aufgemerkt haben: jetzt wird die Hostie gewandelt. Mehr haben die nicht verstanden. Die konnten ja nichtmal lesen.

Martin Luther hat Theologie studiert und die Alten Sprache gelernt,
und dann hat er sich drangesetzt und mal selber nachgelesen, was Jesus erzählt hat -

und der war wie vom Donner gerührt.

Das war dem alles völlig neu - und vielleicht war er fast so gebannt wie die Leute damals, die Jesus an den Lippen gehangen haben, denn auch er hat das alles zum ersten Mal gehört!

Und wie die Zuhörer damals war Luther überwältigt von dem, was er da gehört und verstanden hat.

(In klein hab ich das auch erlebt, als ich in Tschechien gearbeitet hab. Tschechien ist praktisch völlig entchristlicht, wo ich gewesen bin. Ich hab tschechischen Jugendlichen von Jesus erzählt. Die hatten davon davor tatsächlich noch nie was gehört,

für die war das so neu und so unbekannt, dass es schon wieder kultig war.)


Jesus hat Gleichnisse erzählt; und die waren so gestaltet, dass sich die Zuhörer unwillkürlich identifiziert haben. Etwa wenn er was erzählt hat von einem reichen Pharisäer und einem armen Zöllner, dann sollten sich die Leute natürlich unwillkürlich stillschweigend identifizieren mit dem Pharisäer, mit dem Guten -, und der Zöllner ist der, der irgendwas falsch macht.

Die Steuern nicht zahlt, die Fastenzeiten nicht einhält, irgend so etwas.

Sie wissen alle, wie die Geschichte ausgeht: Jesus sagt, dass es darauf weniger ankommt als auf diese zerknirschte Haltung, mit der der Zöllner sagt, ich bin Gottes Liebe eigentlich gar nicht wert.

Gott sei mir Sünder gnädig.
 Und mit dem sollten sich die Zuhörer - völlig überraschend - künftig identifizieren, sollten ihre Haltung vor Gott ganz grundsätzlich überdenken und sich von dieser Geschichte infrage stellen lassen.

Sie wissen das alle schon. Die Leute damals wussten das nicht. Denen ist die Luft weggeblieben, nie hätten die sich mit dem Zöllner identifiziert, das war unerhört! und sie HABEN sich verunsichern lassen.

Oder bei der Geschichte mit dem barmherzigen Samariter:
der Samariter ist der Outlaw, unwillkürlich identifizieren sich die Leute damals mit dem Priester, der gewissenhaft und pünktlich zum Tempel eilt, und mit dem Leviten, der die kultischen Gesetze zur Reinlichkeit einhält und kein Blut anfasst, ehe er zum Gottesdienst geht.

Bei uns identifiziert sich kein Mensch mit denen,
wir haben die Geschichte ja auch schon x mal gehört.

Wir wissen auch das mit dem Senfkorn schon:
es ist das kleinste unter den Samenkörnern,
wie kann Jesus das Reich Gottes mit so einem Brösel vergleichen? Wir haben es schon x mal gehört, den Menschen damals hat das den Atem verschlagen.

Aber ein winziges Körnchen an Wahrheit reicht für unseren Gott.
Ein winziges Bröserl an Glauben.
In einem ganzen Acker voll Steinen und Erde reicht eine winzige Perle, damit der ganze Acker unglaublich kostbar wird.

Letztes, mir heute wichtigstes Beispiel: in der Geschichte vom verlorenen Sohn reicht ein kleines Detail - nämlich, dass der abgerissene Typ vor der Tür des barmherzigen Mannes sein eigener SOHN ist - damit der alte Mann seine Arme ausbreitet und ihn aufnimmt und ein Fest feiert.

Wir haben heute eine Bibelstelle aus dem Epheserbrief gehört.
Ein Apostel, ein Schüler von Paulus, beschreibt,

wie er selber vor Gott kniet, ihn also völlig anerkennt und verehrt,
und seine Hände erhebt, um für andere zu beten, für die vielen anderen,
die Gott noch nicht so gut kennen wie er;

und er bitte für diese anderen, dass Gott an ihnen handeln möge,
sie stärken, sie fromm machen, sie auch zum Glauben führen wie den Apostel selbst.

Ist ja ein tolles Vorbild,
für jeden und jede von uns, auch für die ganze Kirche insgesamt, oder?
Schließlich beten auch wir Gott an und meinen, dass wir ihn kennen, wie der Apostel.

Idealerweise identifizieren wir uns ein wenig mit ihm.

Genauso, wie sich die Menschen zu Zeiten Jesu unwillkürlich mit dem Pharisäer identifiziert haben, der in den Tempel kommt und sagt, ich mach doch alles richtig, ich faste, ich bete, ich zahle den Zehnten, Gott sei Dank, ich steh auf der richtigen Seite.

Und jetzt kommt Jesus daher und sagt, der andere! der Sünder, der sich zerknirscht an die Brust schlägt und sagt, Gott sei mir Sünder gnädig, DER macht es richtig! DER geht gerechtfertigt in sein Haus!

Übertragen wir diese Umkehrung der Verhältnisse mal auf unsere kleine Gruppe, die sonntags zum Gottesdienst kommt - und die - sagen wir wohlwollend - neunzig Prozent der Gemeindeglieder, die heute morgen nicht da sind.

Die sind ja nicht da, weil sie das für unwichtig halten, was wir hier besprechen und feiern. Die fragen zwar auch nach Gott; die finden ihn aber woanders, die stellen ihn sich anders vor, nicht so, dass man hier sonntags zusammenkommen und in unserer Form über ihn nachdenken und ihn feiern muss. Wer hat jetzt recht?

Wir haben die Bibel auf unserer Seite. Gottes Offenbarung.
Demnach hat sich Gott vor zweitausend Jahren, kurz nach Jesu Auferstehung und Himmelfahrt, das letzte mal offenbart durch die Schriften des Paulus; danach war Schluss. Die Bibel war fertig geschrieben, ein paar alte Kirchenmänner haben festgelegt, jetzt kommt nichts mehr dazu.

Die Kirchenmänner waren sich da einig. Ich weiß nicht, ob Gott auch dieser Meinung war, vielleicht offenbart er sich ja einfach weiter. Wir kriegen es nur nicht mehr mit.

Gottes Geist weht, wo er will, darum geht es nächste Woche an Pfingsten; er offenbart sich garantiert auch heute noch, und zwar garantiert auch außerhalb dieser Kirche.

Martin Luther hat diese vollen Kirchen erlebt, in denen die Leute kein Wort verstanden haben, weil alles lateinisch war; er hat ihnen seine deutsche Übersetzung der Bibel in die Hand gedrückt und gesagt, lest das doch mal selber! ihr braucht nicht stumm in der Messe zu sitzen und brav drauf zu warten, dass da vorne die Glöckchen zur Wandlung klingeln, geht heim und lest selber, betet selber, wie euch der Schnabel gewachsen ist; lasst nicht irgendwo in der Kirche den Chor lateinische Lieder singen, sondern schmettert selber die Gassenhauer, die ihr im Herzen habt, und singt sie für euren Gott! das ist vielleicht nicht schön, aber Gott findet es prima, weil es von Herzen kommt!

Die Kirchenleute damals waren empört.

Martin Luther hat fest drauf vertraut, Gott offenbart sich jedem Menschen persönlich, wenn er nur will, und dazu brauchen die Menschen den Papst und die Priester nicht. Priestertum aller Gläubigen. Und da sind wir heute. Der Gottesdienst sonntags ist leer.

Die Zahl der Zugehörigen, der getauften Kirchenmitglieder, ist nach wie vor hoch, es sind immer noch viele NICHT ausgetreten. Warum? offensichtlich finden sie es irgendwo durchaus gut, dass es die Kirche gibt. Sie finanzieren sie mit, und nicht zu knapp. Ein durchschnittlicher Haushalt in Garching lässt sich die Mitgliedschaft in der Kirche jedes Jahr fünfhundert Euro kosten, manche auch sehr viel mehr. Sie finanzieren sie, aber sie nehmen sie nicht in Anspruch;

das heißt, sie finden es grundsätzlich gut, dass es die Kirche gibt, aber wir als Kirche, wir machen irgendwas falsch.

Die kommen nicht, weil sie sich Gott irgendwie anders vorstellen.
Und vielleicht ist an ihren Vorstellungen durchaus ein Körnchen Wahrheit dran.
Wie beim Schatz im Acker.

Vielleicht stimmt irgendein wichtiges Detail wie beim verlorenen Sohn.

Wir sollten die Gottesvorstellungen all der vielen, die da nicht kommen, kennenlernen.
Sollten sie prüfen an der Heiligen Schrift, ganz klar -
und wir sollten das Körnchen Wahrheit suchen, damit wir nicht das verpassen, was Gott unserer Zeit offenbart und wo er sich offenbart.

Wer betet hier für wen? wer ist an Gott dran und wer hat sich entfernt?

Vielleicht sind wir gar nicht wie der Apostel, der vor Gott kniet und für die anderen betet. Vielleicht sind wir ja "die anderen", die Gott erstmal wieder erleuchten und stärken muss durch seinen Heiligen Geist. Vielleicht sind ja wir diejenigen, die die Fürbitte brauchen und an denen Gott handeln muss.

Vielleicht sind wir - um im Gleichnis vom verlorenen Sohn zu sprechen - gar nicht der brave Sohn, der treu beim Vater geblieben ist.

Nachdem bei uns so viele Bänke leer sind, nachdem unsere Kirche bis auf diesen einen Vormittag allermeistens die ganze Woche leer steht, die Leute nicht mehr kirchlich heiraten, die Kinder nicht taufen lassen- vielleicht sind wir ja am falschen Dampfer. Vielleicht sind wir es, die das ganze Erbe verprasst haben. Den Kontakt verloren haben zum Vater, zu seiner Offenbarung in der Fremde, in der Gegenwart, in der modernen Welt. Von dem der Vater am Ende sagt, "dieser Sohn war tot."

Mit bestem Wissen und Gewissen: wir haben Steuern gezahlt, wir haben die Regeln eingehalten, wir haben die Rituale absolviert, wir stehen ansich gut da. Nur halt auf verlorenem Posten.

Und die anderen, die Nicht-Kirchgänger, die haben auch immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie anspreche, etwa beim Hausbesuch, "hmmmm, wir sind nicht so die Kirchgänger....", der Zöllner im Tempel würde noch anfügen, "Gott sei mir Sünder gnädig!"

Aber ein winziges Körnchen an Wahrheit reicht für unseren Gott.
Ein winziges Bröserl an Glauben -

und dieser ging gerechtfertigt in sein Haus. Amen.

 
Über den roten Teppich: Palmsonntag PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Dienstag, den 23. April 2019 um 07:03 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

Jesus hat gewusst, was er tut.

Das muss ihm klar gewesen sein:

- wenn er zum jetzigen Zeitpunkt, kurz vor dem Passahfest, nach Jerusalem geht, riskiert er Aufsehen. Und obendrein nimmt er nicht die stillen Seitenstraßen, sondern lässt es - ganz im Gegenteil - zu, dass ihn die Leute erkennen, dass sie ihm zujubeln und ihn feiern.

Und der Gipfel: Er provoziert auch noch und setzt sich auf einen Esel, signalisiert damit den Gebildeten, dass er sich für den Messias hält.

Er hat gewusst, was er tut.

Offensichtlich fand er, es ist Zeit:

Zeit für die Konfrontation,

Zeit für die Provokation,

Zeit für die Eskalation.

Er wusste, was ihm droht, da bin ich mir sicher;

er wusste aber auch, was Gott letztendlich von ihm erwartet, und er fand offensichtlich, jetzt ist es an der Zeit: Es ist Zeit, ernst zu machen.

Es ist Zeit, zu sterben.

Er beendet die Zeit seiner Wanderschaft mit den Jüngern. Bestimmt nicht leichten Herzens; die haben gute Zeiten miteinander gehabt. Lange Spaziergänge, tiefsinnige Gespräche, immer wieder Wunderheilungen, sicher hat Jesus diese freundschaftliche Verbundenheit und den Erfolg genießen können. Wir hatten das jetzt in der Langau auch, nicht nur eine hat mir gesagt, schade, dass das schon vorbei ist. Warum nur ein Wochenende? Warum nicht länger?

Vielleicht hätte Jesus gern noch ein Jahr drangehängt - Wanderungen mit seinen Freunden, Predigen, heilen, Wasser zu Wein machen, feiern, Brot vermehren... Es hätte ihn vermutlich niemand gehindert.

Aber er zieht in Jerusalem ein. Begibt sich - aus dem geschützten Bereich des Privaten - ins Zentrum der Aufmerksamkeit,

über den Roten Teppich!

Er zeigt sich. Er steht zu sich selber.

Zieht die Blicke auf sich und nimmt den Jubel entgegen. Er lässt sich huldigen, er badet in der Menge und im Applaus. Ich stell mir das sehr würdevoll vor, trotz oder gerade wegen dieses Eselchens:

Jesus hält sich für den Sohn Gottes, für den Erlöser; und dafür steht er jetzt auch ein.

Privat und für sich kann sich ja jeder halten, wofür er will;

diese Selbsteinschätzung bewährt sich ja erst, wenn sie auch unter Beschuss gerät, und das riskiert Jesus jetzt, in der festen Überzeugung: den Rummel und die Bewunderung der Menschen bin ich auch wert. Ich bin hier, auf dem roten Teppich, im Zentrum des Jubels, und ich bin hier genau richtig! Das strahlt der auch aus.

Herrmann Hesse schreibt: "Jeder, der das wirklich tut und lebt, wozu er fähig ist, ist ein Held!" - drum ist Jesus am Palmsonntag ein Held, und das spüren die Menschen.

Menschen jubeln immer gern einem Ideal zu;

aber auch Jesus kann dieses Gefühl von Würde, diese Haltung, nicht aus sich selbst raus entwickeln. Er braucht dazu die Resonanz von anderen, und das passiert bei diesem Einzug in Jerusalem: er wird gewürdigt und erfährt die Wertschätzung von anderen.

Was sind Sie sich wert?

Wie nehmen Sie Ihren eigenen Wert wahr,

wann fühlen Sie sich gewürdigt?

Woran merken Sie es, dass Sie respektiert werden?

Was Sie sich wert sind, das können Sie nicht nur aus sich selbst heraus erschließen. Der Wert, den sich ein Mensch selbst zuspricht, ist ein Gefühl, ein Gefühl der Würde,

Vielleicht hat Jesus an diesem Palmsonntag sein Bewußtsein für seinen eigenen Wert gestärkt. Die eigentliche Aufgabe unseres Lebens besteht darin, der (oder die) zu sein, der/die wir selber eigentlich sind, und vielleicht hat Jesus den Roten Teppich, den Palmsonntag, gebraucht, um alles danach durchzuhalten: Den Prozess. Die Erniedrigung und die Demütigung, sein Sterben, den Tod.

Er hat vorher nochmal richtig Zuspruch und moralische Unterstützung aufgeladen und aufgetankt.

Dass die dieselben Menschen, die heute jubeln, ihn morgen verurteilen werden, das dürfte Jesus gewusst haben, aber mit ihrer Zustimmung am Palmsonntag haben sie ja trotzdem recht gehabt. Auch wenn sie bei dieser Zustimmung nicht bleiben und dann nicht mehr recht haben.

Aber am Palmsonntag schon. (Wären sie nur dabei geblieben!)

Jesus weiß - Jesus nimmt es hin, dass auf den Jubel der Niedergang folgen wird, dass das Blatt sich wenden wird. Der Ruhm ist vergänglich,

der Platz auf dem Roten Teppich nur vorläufig;

das geht uns allen so -

und es ist weise, wenn wir uns das immer mal wieder vor Augen halten:

- unser guter Stand, unser Ruf ist allenfalls vorläufig, nur geliehen.

- Unser Hab und Gut ist vergänglich,

- unsere Partnerschaften sind zerbrechlich - spätestens mit dem Tod;

- unsere Kinder gehören uns nicht,

- unsere Heimat bleibt uns eventuell nicht,

alles wird uns geliehen, maximal bis zu unserem eigenen Tod;

und vielleicht badet Jesus im Jubel des Palmsonntags auch, um sich emotional drauf vorzubereiten, dass er alles verliert.

Er hat nur noch wenige Tage zu leben.

Aber Jesus weiß, wofür er lebt. Und für wen er lebt.

Jesus lebt für Gott.

Wofür leben Sie?

Es ist gut, wenn Sie das wissen: für was oder wen brennt im Letzten Ihr Herz, wofür stehen Sie ein, wenn Ihnen alles genommen wird? Was ist das Entscheidende, was Ihnen keiner nehmen kann?

Jesus weiß: ich bin Gottes Sohn und erlöse die Welt. Das kann ihm keiner nehmen,

und damit geht er mitten hinein - erst hinein nach Jerusalem, und dann hinein in die Welt.

Jesus ist nicht bescheiden.

Nicht "moralisch perfekt, politisch korrekt und irgendwo fern von dieser Welt".

Das ist der Dalai Lama. Der möchte seine eigenen Wünsche abtöten, der zieht sich zurück und hält sich raus, und das Ziel ist es, sich das Nirwana zu verdienen: aus dieser Welt zu verschwinden.

Aber Jesus will sich nicht das Nirwana verdienen. Nicht aus der Welt verschwinden.

Der will die Welt erlösen, und drum flüchtet er nicht aus dieser Welt hinaus, sondern geht über den Roten Teppich mitten in diese Welt hinein: und als allererstes hinein in den Konflikt, in die Verhaftung und den Prozess.

Denn nicht in dem, was wir Menschen tun, begründet sich unser Christsein, sondern in dem, was er tut, Gott, Jesus, darin begründet sich unser Christsein. Es gibt keinen Sieg über das Böse ohne diese Hingabe, ohne das Scheitern und den Schmerz, und bevor Jesus uns an die Welt verliert, opfert er lieber sich selbst.

Er hat nur noch ein paar Tage zu leben.

Wenn Sie - sagen wir, nur noch ein paar Monate zu leben hätten, und Sie wüssten es:

was wäre Ihnen das wichtigste?

Was würden Sie tun, damit es die besten Monate sind, die Sie je erlebt haben?

Was wäre das Schwierigste für Sie?

In welcher Haltung, in welcher Stimmung möchten Sie diese Monate erleben, und

welchen letzten, größten Wunsch haben Sie?

Wie werden Sie ihn verwirklichen?

Wir haben in den letzten Monaten einige Sterbefälle gehabt von eher jungen Menschen, Frau Puchert war 45, Herr Kraus 38; die Jahre allein sagen nichts aus, welchen Wert dieses Leben hatte. Wir haben auch schon Babies beerdigt.

Und der Sinn des Lebens ist nicht erst wichtig, wenn es ans Sterben geht; der Himmel ist nicht nur für die Sterbenden da, er steht jedem von uns offen. Jetzt.

Herrmann Hesse schreibt: "Euer Leben hat genau so viel Sinn, als ihr selbst ihm zu geben vermögt!" Ich meine, Sinn ist das, was sich lohnt - es ist wichtig, einen Sinn zu haben für das ganz eigene, die eigene innere Festung, ein bisschen Eigen-sinn.

Vielleicht hätte mancher Jünger oder die Mutter von Jesus, Maria, ihn gerne abgehalten von dieser Aktion am Palmsonntag:

Geh nicht ausgerechnet jetzt nach Jerusalem!

Und wenn, dann bitte nicht über die Hauptstraße,

nicht mitten durch die Menge! lass dich abschirmen von der Öffentlichkeit!

und lass um Himmels willen das mit dem Esel und geh zu Fuß wie jeder andere! Du provozierst sie doch bloss!

Seine Mutter dürfte über ihn die Haare gerauft haben, wie sich Teenagermütter manchmal die Haare raufen über ihre Söhne und Töchter.

Und wenn Jesus heute unter uns leben würde, würden wir uns auch über ihn die Haare raufen.

Wir uns über ihn, er sich über uns; wir könnten uns unglaublich übereinander aufregen, genau wie die Jesus und die Menschen damals.

Denn Leben und Glauben sind eine Sache der Leidenschaft, und unser Gott kennt das ganze Repertoire der Gefühle, auch Wut und auch Trauer und Liebe und Zorn. Unsere Emotionalität ist Teil unserer Gottebenbildlichkeit;

wir haben Gefühle, weil wir Gott ähnlich sind, und Jesus hat Gefühle, weil er Gott ist und zugleich Mensch.

Lassen Sie Jesus am Roten Teppich einziehen in das Zentrum Ihres Lebens, Ihres Fühlens und Denkens und Ihrer ganzen Existenz;

bejubeln Sie ihn, auch wenn Sie ihn immer wieder auch mal verraten und verleugnen, aber kehren Sie immer wieder zu ihm zurück und lassen Sie ihn Ihrem Leben Sinn schenken.

Denn (Joh 12, 19): Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet: siehe, alle Welt läuft ihm nach.

 

 
Brot des Lebens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sabine Brand-Lehmann   
Dienstag, den 02. April 2019 um 10:02 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

kleine Kinder stecken alles in den Mund.

Später werden sie dann wählerischer; auf der Konfifreizeit haben wir die Vegetarier und die Veganer, die Laktoseintoleranten und die Glutenfreien, aber essen müssen sie alle!

Und schon im Alten Testament wird das Wort Gottes mit Essen und Trinken verglichen, um deutlich zu machen, wie dringend wir alle Gottes Wort brauchen. Das muss man wissen - dann versteht man, was Jesus meint, wenn er sagt, "ich bin das Brot des Lebens": das soll heißen,

ich, Jesus, bin jetzt dieses Wort Gottes. Nicht als Buch oder als Sendschreiben,

sondern als Person Jesus Christus.

Nicht das Brot wird am Altar auf geheimnisvolle Weise Leib Christi - (die Hostie verwandelt sich in Fleisch) - sondern in Jesus Christus ist das Wort Mensch geworden, ein Mensch aus Fleisch und Blut nährt uns, füttert uns mit Gottes Wort. Nicht Brot wird zu Fleisch, sondern Fleisch wird zu Brot.

Durch dieses Bild mit dem Brot spricht uns Jesus auf unsere Bedürftigkeit an. Auf unsere menschliche Natur, unsere menschlichen Bedürfnisse. Wir sind alle immer wieder traurig, brauchen alle immer wieder mal Trost. Wir sind alle immer wieder mal krank, brauchen alle immer wieder mal einen Arzt. Wir machen alle immer wieder mal Fehler, brauchen Nachsicht, und wir sind alle immer wieder hungrig und brauchen was zu essen,

und genauso brauchen wir alle Gott, immer wieder, lebensnotwendig, und von Jesus kriegen wir das, was wir von Gott brauchen.

Wir brauchen Gott zum Leben genauso notwendig wie Nahrung.

Ums Essen machen sich ja viele unglaublich Gedanken. Bio oder nicht, Palmöl, Farbstoffe, Glutamat, Allergien, Vollkorn, Kalorien, Gelatine, Süßstoff, auf was man nicht alles achten soll! Da stehen die Leute im Supermarkt und studieren die Zutatenliste, und wenn man jemanden drauf anspricht, hat man ein Gesprächsthema für die nächste Viertelstunde. Mindestens.

Pfarrer dürfen über alles predigen, nur nicht über zehn Minuten! Ich bin a bisserl neidisch auf den Eifer, mit dem sich die Leute Gedanken ums Essen machen. Ob die sich genauso viel Gedanken um Gott machen?

Verlassen wir in Gedanken den Supermarkt, gehen wir in die heimische Küche. Viele kennen diese Hemmschwelle beim Aufräumen von Essensresten: Essensreste wirft man nicht weg! Ein Kanten Brot, auch wenn er schon hart ist, den schmeisst man nicht einfach weg, schon gar nicht, wenn man selber Zeiten im eigenen Leben durchgemacht hat, wo es nichts zum Essen gegeben hat und wo man gehungert hat.

Mindestens genauso respektvoll sollten wir mit dem Glauben umgehen: den wirft man nicht weg. Den lässt man auch nicht einfach alt werden. Und selbst wenn da nur noch ein Rest ist, trocken und hart und man beisst sich die Zähne dran aus - einfach in den Müll? kommt nicht in Frage.

"Ich bin das Brot des Lebens!", sagt Jesus, Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

Nächstes Wochenende fahren wir in die Langau; da wird viel gesungen und mit den Kindern gespielt, spazierengehen und miteinander essen werden wir auch, aber wir setzen uns auch zusammen und befassen uns mit unserem Glauben. Mehrfach täglich. Wir lesen ein paar Verse aus der Bibel, wir tauschen uns drüber aus, ringen um das rechte Verständnis, erweitern den eigenen Horizont um die Sichtweise eines anderen -

das ist eine Beschäftigung wie mit dem täglichen Brot, das man ja auch miteinander teilt, es bricht, den Duft genießt, es zerbeisst und zerkaut, es sich einverleibt, daraus Kraft zieht - man lebt davon. Und man besorgt sich immer wieder Nachschub.

Ich denke, auch daran hat Jesus gedacht, als er seinen Jüngern gesagt hat, sie sollen Abendmahl miteinander feiern. Ich glaube, damit war mehr gemeint als nur das Sakrament am Altar. Ich denke, damit war ein komplettes Gemeindeleben gemeint, wo man sich umeinander bemüht, sich umeinander sorgt, sich bemüht, einander zu verstehen, wo man einander hilft, miteinander teilt und füreinander da ist. Im Alltag - und im Bezug auf den Glauben.

Nie war es leichter, an die Geschichten und Worte aus der Bibel zu kommen. Man muss sie noch nicht mal kaufen und aufschlagen, ich brauch mit den Konfirmanden nicht mehr das komplizierte System aus Buchangabe, Kapitelzahlen und Verszahlen zu üben: Man findet alles im Internet, es gibt sogar eine App! und ganz viele kennen die simpelsten Jesus-Geschichten nicht.

Ganz viele könnten mir nicht erklären, warum etwa der Zwang zum Kopftuch mit dem evangelischen Glauben ganz sicher nicht zusammenpasst. Oder warum es für uns undenkbar ist, dass ein Mensch, nur weil er besonders fromm ist und besonders viel Theologie studiert hat, angeblich näher am lieben Gott dran ist oder besser geeignet ist, die Messe zu halten oder das Abendmahl einzusetzen:

und zwar ganz einfach, weil unser Glaube Brot des Lebens ist. Schwarzbrot. Wenn man ein Mensch ist, wird man immer wieder hungrig, und man isst das Brot des Lebens und wird davon aber nichts besonderes oder etwas heiligeres, sondern man tut das, was ein Mensch eben tut: seinen Glauben mit Leib und Seele genießen, sich das Wort Gottes einverleiben und sich mit dem stärken, was uns unser Schöpfer eben zum Leben gibt.

Jesus sagt dieses "Ich bin das Brot des Lebens" nicht nur beim letzten Abendmahl, sondern er sagt es nach der Brotvermehrung, als er gerade fünftausend Leute satt gemacht hat. Satt werden wollen und glauben wollen, das gehört zusammen,

und wenn wir uns nur um gesunde Ernährung Gedanken machen und nicht mehr ums Ewige Leben, dann verpassen wir was. Dann lassen wir uns das Beste entgehen.

Mit demselben Eifer, mit dem wir uns in Ernährungsgrundsätze vertiefen und in Kochrezepte und in die richtige Auswahl der Läden, wo wir die Zutaten einkaufen, mit demselben Eifer sollten wir uns auch drum kümmern, was wir wissen von Gott, was Jesus gesagt und getan hat und was sich unser Schöpfer gedacht hat, als er uns Menschen erschaffen hat.

Und: alles zu meiden, was Gott nicht will, ist mindestens so wichtig wie Palmöl zu meiden und künstliche Zusatzstoffe. Das eine gefährdet unsere Gesundheit und das Ökosystem der Erde, das andere gefährdet das ewige Leben.

Und noch aus einem zweiten Grund sagt Jesus von sich, dass er das Brot des Lebens ist, im Zusammenhang mit diesem Speisungswunder... Sie kennen die Geschichte, wo sich die Menschen in Gruppen hinsetzen und miteinander essen sollen. Jeder kennt den Effekt von Gruppen: sobald man sich zusammentut, wird es übersichtlicher, und es wird auch verbindlicher. Man wendet sich einander zu - und wenn es sein soll, kümmert man sich auch umeinander, und man teilt.

Dieser Aspekt spielt beim Glauben eine ganz wichtige Rolle, vor allem auch in der Familie. Reden Sie miteinander. Teilen Sie nicht nur Tisch und Bett - teilen Sie auch Ihren Glauben. Tauschen Sie sich aus, was Sie glauben, auch, was Sie hoffen; regelmäßig frag ich bei Trauergesprächen, ob der Verstorbene/die Verstorbene eine Hoffnung gehabt hat über den Tod hinaus, und regelmäßig krieg ich zur Antwort: darüber haben wir nie geredet.

Unsere Gottesdienstpraxis verleitet da auch dazu: ich rede, Sie hören zu.

Beim Abendmahl teilen wir aus, Sie empfangen.

Vielleicht sollten wir das wieder regelmäßiger anders machen. Das Brot einfach dem ersten geben, und Sie reichen es untereinander weiter. Den Kelch dem ersten reichen, und der gibt ihm dem Nachbarn, der Nachbarin: Kelch des Heils, für dich.

So wie wir einander beim Feierabendmahl, aber auch bei jeder gemeinsamen Mahlzeit selbstverständlich die Schüssel und Platten reichen und drauf schauen, dass jeder hat, was er braucht - so müssen wir auch einander zureden und von Gott erzählen und Mut machen, wirklich zu glauben.

Da gibt es eine große Scheu, das weiß ich schon. Sonst wären wir Pfarrerinnen und Pfarrer ja arbeitslos. Man traut sich nicht, man meint, man müsse erst alles wissen und alles verstanden haben, bevor man vom Glauben reden darf.

Aber das stimmt nicht, der Schwimmlehrer muss das Wasser auch nicht physikalisch erklären können, bevor er die Schwimmschüler reinschickt. Der Schwimmlehrer muss nur sicher sein, dass das Wasser trägt, den Rest merken die Schüler beim Schwimmenlernen ganz von allein.

Suchen Sie Ihre Lieblingsgeschichte, Ihr liebstes Bibelwort raus und sorgen Sie dafür, dass Ihre Lieben davon erfahren. Indem es aufgeschlagen am Tisch liegt oder auf einem Zettel steht - und dann erzählen Sie, was Ihnen dran gefällt, und fragen Sie, ob ein anderer auch eine Lieblingsgeschichte hat. Lassen Sie sich vom Enkel am Handy die App installieren. Stecken Sie den Enkeln nicht nur einen Zehneuroschein zu, sondern auch einen Vers aus der Bibel.

Ein Diakon hat mir mal aus seiner Kinderzeit erzählt, dass die Mutter zum Pausenbrot immer einen Bibelspruch in die Brotzeit gesteckt hat.

Teilen Sie Ihre Hoffnung miteinander, wie Sie das Brot teilen, und kümmern Sie sich um Ihren Glauben, wie Sie sich auch um das tägliche Brot und die gesunde Ernährung kümmern:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

 

 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 1 von 56

Sie befinden sich hier:

Startseite > Predigten

Transfair-Verkauf

Verkauf von Waren aus fairem Handel
Kaffee, Tee, Schokolade...

... (fast) immer beim Kirchenkaffee am letzten Sonntag des Monats, oder bei mir zu Hause - rufen Sie einfach an, wenn Sie zwischendurch etwas brauchen oder am betreffenden Sonntag verhindert sind!

Verantwortlich: Gabriele Chmel, (Tel.: 089 / 320 71 60)