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Predigten
Verkauf alles was du hast und folge mir nach PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 16. Oktober 2017 um 07:12 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

meine erste Stelle nach der Ausbildung hatte ich bei den Böhmischen Brüdern; das war eine kleine tschechische Gemeinde in einer tschechischen Stadt; ich hab auf Tschechisch gepredigt, Gottesdienste gehalten, die Tschechen sind mir ans Herz gewachsen

- aber die tschechische Sprache - die blieb mir fremd.

Ich hab schon was dafür getan: ich hab Vokabeln gelernt, über Grammatikbüchern gebrütet, ich hab Sprachkurse mitgemacht; ich hatte einen furchtbar netten jungen Mann als Kollegen, der konnte wunderbar deutsch und hat trotzdem tschechisch mit mir gesprochen, damit ich es lerne;

aber geantwortet hab ich fast immer - auf Deutsch.

Dabei hatte ich ihn durchaus verstanden.

Aber selbst Tschechisch reden - das war eine schier unüberwindbare Hürde.

Warum?

Ich bin Pfarrerin. War ich auch damals schon.

Die Sprache - das ist mein Handwerkszeug, und damit kann ich gut umgehen!

Ich beherrsche sie gut, ich kann mich so ausdrücken, dass ich genau das sag, was ich meine;

ich kann mit der Sprache spielen, ich fühl mich darin zuhause.

Ich kann mich auch damit schützen.

Mich hinter viel Gescheit Daherreden verstecken, mich überlegen fühlen.

Die Worte als Waffe benutzen.

Auf Tschechisch dagegen - da war und da blieb ich ein stammelnder Anfänger.

Ich konnt von Glück reden, wenn der andere erraten hat, was ich vielleicht sagen möchte; ich konnte mich nicht wehren, nicht scherzen oder gescheit daherreden,

und so blieb ich oft lieber stumm;

für meine Tschechischlehrer war ich, denk ich, ein hoffnungsloser Fall; denn das Ziel des Spracherwerbs ist ja nicht das Beherrschen von Grammatikregeln, sondern die lebendige Kommunikation.

Daran muss ich denken bei unserem Evangelium von dem reichen Jüngling: alle Regeln kennt er.

Er hält die zehn Gebote,

aber er sorgt sich trotzdem ums ewige Leben.

Deshalb wirft er sich Jesus zu Füßen und fragt, was muss ich tun, was muss ich noch tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

Jesus sagt, geh über diese letzte innere Hürde.

Gib deine Sicherheit auf.

Lass dich ganz auf mich ein.

Folge mir nach.

Und da wendet sich dieser Jüngling traurig ab und geht weg.

Da ist eine innere Hürde. Er hat viel zu verlieren, und das alles aufzugeben - das schafft er nicht.

Und ich denke, ganz viele von uns können es gut verstehen.

Alles aufgeben und sich wirklich ganz auf den Herrn einlassen, auf Gott, Vater, Sohn und den Heiligen Geist - stammelnder Anfänger, Anfängerin des Gottvertrauens werden statt souveräner Herr im eigenen Haus und im eigenen Leben - das ist eine gewaltige Hürde.

Unsere Herzen sind doch gebunden.

Durch die Partnerschaft, die Familie, durch Freundschaften, durch den Beruf... So wie Teenager (und ich selber) manchmal kaum den Blick lösen können vom Handybildschirm, so können wir alle manchmal kaum den Blick lösen von unseren Sorgen und Freuden, unseren Aufgaben und Angelegenheiten;

und dann kommt in der Abendmahlsliturgie, ganz am Anfang schon, die Stelle, da sagt der Pfarrer: "Die Herzen in die Höhe!"

"Löst euch von eurem irdischen Leben und schaut auf Gott."

Hier kommt ein - für mich - wichtiger Unterschied zwischen den Konfessionen: bei den Katholiken antwortet die Gemeinde auf diese Aufforderung, die Herzen in die Höhe: "Wir haben sie beim Herrn!"

- glaub ich nicht. Hab ich als Kind schon ganz oft ehrlicherweise feststellen müssen: bei allem möglichen hab ich in dem Moment mein Herz gehabt, aber nicht beim Herrn und nicht bei der Abendmahlsliturgie....

Die evangelische Antwort von der Gemeinde gefällt mir besser. Bei uns antwortet man "Wir erheben sie zum Herren!" - Wenn schon bisher nicht, dann immerhin spätestens jetzt....better now than never...

Immerhin einen Moment lang löse ich meinen hypnotisierten Blick von mir und von meinem Leben und erhebe mein Herz zum Herrn...

Wenn es doch nur dort bliebe... Dauerhaft.

Und das IST auch wahrhaftig viel verlangt; Sie kennen alle diese Geschichte von Abraham, der meint, dass ihn Gott auf die Probe stellt und wissen will, ob er wirklich bereit wäre, seinen Sohn zu

opfern, wenn Gott das von ihm verlangt. Wo hast du dein Herz, Abraham, bei Gott? oder doch bei deinem Sohn?

Winken Sie nicht ab! Das ist nicht nur finsteres Altes Testament,

von dem heute keiner mehr etwas wissen will;

wann haben Sie zuletzt diese protestantische Hymne gesungen, "ein feste Burg ist unser Gott!"? Lesen Sie dort, EG 362, Strophe vier: "...Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib? lass fahren dahin! Sie habens kein Gewinn! das Reich muss uns doch bleiben..."

(Passen Sie auf, was Sie singen...)

Wir alle kennen das höchste Gebot, du sollst Gott über alles lieben, mit ganzer Seele, von ganzem Herzen und mit all deinem Verstand, und den nächsten wie dich selbst.

Ein deutsch-iranischer Schriftsteller (Navid Kermani) sagte mal in einem Interview, "Dieses protestantische Christentum, das ich auf einem Forum des Kirchentags höre oder das mir in der evangelischen Beilage der Zeitung begegnet, mag ja sympathisch sein, aber es lässt mich kalt. Es kommt mir oft wie eine Doppelung dessen vor, was uns der gesunde Menschenverstand ohnehin sagt."

Davon erbt keiner das ewige Leben.

Das Ziel des Lebens ist nicht das Halten der zehn Gebote. Ist nicht die Moral, das lässt einen kalt! und auch nicht die Lehre Jesu. Jesus sagt nicht, "sprich mir nach!"

Jesus sagt: "folge mir nach!" Gib alles auf, was du hast, und dann komm und folge mir nach, schließ dich den Meinen an!

Und diese Aufforderung gilt uns genauso:

belassen wir es nicht bei einer Lehre, nicht bei gewissen Werten und bei Moral,

bei dem, was der gesunde Menschenverstand einem sowieso sagt,

sondern überwinden wir diese Hürde - und gehen eine Beziehung ein - zum Lebendigen Gott und in Folge dessen auch zur Gemeinde und den Brüdern und Schwestern.

Ich hab mich nicht getraut, Tschechisch zu reden, weil ich meine Souveränität aufgegeben hätte, meinen Schutz auch, den ich in der Muttersprache, auf Deutsch habe, durch die Sprachgewandtheit.

Und genauso zögert der Jüngling im Evangelium, seine Souveränität aufzugeben, aufzugeben, was ihn schützt und stark macht und unverletzlich: sein Vermögen.

Und wer sich auf seinen Nächsten wirklich einlässt, wer wirklich liebt - der gibt auch viel Schutz auf, der wird verletzbarer, angreifbarer, der verlässt seine feste Burg.

Aber er gewinnt das wirkliche Leben.

Wenn ich meine Gemeide, die Brüder und Schwestern, wirklich liebe,

dann ist es mir nicht wurscht, ob die Jugendlichen wiederkommen nach der Konfirmandenzeit, und ob der Glaube wirklich etwas für ihr Leben bedeutet. Deshalb investieren wir so viel in die Jugendarbeit. Nicht weil sich die Jugendlichen so gut machen unter den Erwachsenen. Sondern um ihretwillen, weil wir sie lieben.

Dann ist es mir ein Herzensanliegen, dass die Eltern der Täuflinge sie wirklich hinführen zum Glauben, dass sie die Kinder beten lehren, ihnen vormachen, dass man auf Gott vertrauen kann.

Nicht nur drauf verlassen, "das soll er oder sie später mal selber entscheiden!";

denn man sagt zwar, Not lehrt beten, aber viele von Ihnen sind doch schon selber in Not geraten und froh gewesen, dass Sie das Beten dann nicht erst lernen mussten, sondern sich bergen konnten in etwas Vertrautem, bei einem vertrauten Gott, einem liebgewordenen Retter und Helfer.

Wenn mir meine Gemeinde wirklich etwas bedeutet, dann ist mir das wichtig, dass hier jeden Sonntag Kindergottesdienst ist; - und wenn ich ihn selber halten muss, so gut oder wenig gut ich es eben kann, Hauptsache, die Kinder erfahren von Gott und spüren, da gibt es Menschen, die wirklich glauben und auf diesen Gott hoffen! - wo sollen sie es denn sonst erfahren, wenn nicht von uns?

Das persönliche Beten ist wichtig.

Das Bibelstudium zuhause.

Die Stille mit Gott,

und auch das persönliche Gespräch mit ihm hier im Gottesdienst, nur in Ihrem Herzen und unhörbar für alle anderen. Aber: geistliches Wachstum kann nicht unabhängig von Gemeinschaft stattfinden.

Darum werbe ich, dass Sie alle möglichst oft in die Kirche gehen! Nicht wegen der Sonntagspflicht, und auch nicht, weil der liebe Gott unseren Besuch brauchen würde wie der Onkel im Altersheim.

Sondern unseretwegen.

Wir riskieren unsere geistige Urteilsfähigkeit,

wir riskieren unseren inneren Frieden mit Gott,

wir sind das Risiko in der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen,

wir brauchen diesen Schnittpunkt zwischen der Wahrheit und unserem Leben,

und dass wir uns miteinander und mit Gott auseinandersetzen.

Im Petrusbrief lesen wir, was zu tun ist: (Lesung 2. Petrus 1, 3-13)

*

Was ist zu tun? - "jeder soll sehen, dass ihr Gott kennt:"

- am Halten der zehn Gebote

- an eurer Selbstbeherrschung

- an eurer Ausdauer, die zur Liebe zu Gott hinführt;

- an eurer Liebe zu Gott, die hinführt zur Liebe für Brüder und Schwestern;

- an eurer Liebe zu den Brüdern und Schwestern, die hinführt zur Liebe für alle Menschen.

Da ist ein Weg, ein "ongoing process", der Weg der Berufung und der Erwählung;

und das ist ganz bestimmt keine reine Verdoppelung dessen, was einem eh der Verstand sagt...

Und wir sollen nicht nur so tun, als ob uns die anderen wichtig wären;

nicht nur die Regeln kennen und dann doch nicht "das Herz erheben"; sondern die letzte innere Hürde überwinden und wirklich lieben.

Nicht Tschechisch verstehen und die Regeln kennen und an Haufen Vokabeln können - und dann doch auf Deutsch antworten. Sondern uns trauen. Uns unseren Mitmenschen zeigen und uns auf sie und aufs Leben einlassen.

Abraham wurde gefragt: was ist dir wichtiger, dein Gott? oder dein einziger Sohn?

Abraham wär imstand gewesen und hätt sein Kind geschlachtet; Gott höchstpersönlich fällt ihm in den Arm und hält ihn zurück.

- Keiner von uns muss für Gott seinen Sohn opfern!

Das hat statt dessen Gott schon für uns getan, seinen einen, einzigen, heiß geliebten Sohn geopfert, so dass wir alle nie mehr opfern müssen.

Aber deshalb soll Gott uns genauso, mindestens ebenso wichtig sein:

nicht als Regel und Vorschrift, nicht als trockene Lehre,

sondern als lebendige Freundschaft und

als Liebe,

zu Gott und zu unserem Nächsten,

wie zu uns selbst. Amen.

 
Predigt zur Konfirmation: Süsser die Glocken nie Klingen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 12. Oktober 2017 um 14:11 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

die Sonne lacht über dem Luegsteinsee; achtzehn Jugendliche aus Garching verbringen dort mit ihren Leitern eine Konfirmandenfreizeit; eben räkelt sich Katja in einer Fensternische und traktiert ihre Freundin Finja mit Bibel-Quiz-Fragen, während ihr Finja gleichzeitig die Haare macht und ihr kleine Plastikspinnen in die Frisur hinein fummelt.

Simon schreitet, ein buntes Handtuch lässig um die Hüften geschwungen, durch den Matsch vor dem Haus zum Ufer, um dort hinter Amelie und Denise elegant ins eiskalte Wasser zu hechten, wo bereits Alina mit zwei anderen auf dem Board paddelt und überlegt, ob sie Timo retten sollen, der mitten im See auf seiner winzigen Plattform steht und erbärmlich friert - da

durchschneidet der helle Klang einer Glocke die freundliche Herbstluft.

Sie ruft die Konfis zur nächsten Unterrichtsstunde.

Typisch Glocke, sie kann gar nichts dafür.

Dazu sind Glocken da, die kleine - genauso wie ihre riesengroßen Schwestern am Kirchturm;

sie unterbrechen, sie stören oft auch (- wohnt hier jemand in der Schleißheimer Straße?...ich hatte schonmal Anwohner, da haben Jugendliche die Kirchenglocken mit Bauschaum zugesprüht, damit endlich Ruhe war...);

Glocken alarmieren; (alte Dörfer haben ja oft noch eine Feuerglocke);

Glocken rufen die Gemeinde zusammen, zum Gottesdienst in die Kirche, sie rufen zum Gebet, und

sie symbolisieren ganz allgemein durch den lauten, klaren, aufsteigenden Klang über unseren Köpfen die Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Und das sollt ihr mitnehmen von dieser Festpredigt heute zu eurer Konfirmation:

Wann immer ihr in Zukunft Kirchenglocken hört, hier in Garching oder sonst irgendwo auf der Welt - dann soll euch eure Konfirmandenzeit einfallen.

Die Sonntage, die beiden Freizeiten (eine am Anfang, eine am Höhepunkt), und nicht zuletzt die Einsegnung heute, wenn wir euch die Hände auflegen:

Gott drückt euch fest an sein Herz, und die Glocke läutet und symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch.

Wann immer ihr eine Glocke läuten hört, sollt ihr kurz diese Erinnerung herholen und spüren, wie Gott euch durch diese Erinnerung an sich drückt, wie eine gute Freundin, ein guter Freund, beiläufig, liebevoll, herzlich, und euch den Rücken stärkt.

Und wie ich euch mit der kleinen Glocke gerufen hab, gesammelt habe, um mit euch und für euch über den Glauben zu reden, oder um Gottesdienst mit euch zu feiern -

so sollen euch auch in Zukunft die Kirchenglocken rufen:

zum Gottesdienst, oder dass ihr immerhin, da, wo ihr gerade seid, einen Moment über euren Glauben nachdenkt - und damit die Verbindung haltet zwischen Himmel und Erde.

Gott möchte beraten und möchte Orientierung geben und Halt;

dazu müssen wir Menschen auch hinhören und die Ohren spitzen, ob wir in dem Glockenklang außer Lärm und Ruhestörung noch etwas anderes erlauschen:

die Stimme Gottes?

eine Warnung vielleicht vor einer falschen Entscheidung?

eine Mahnung, nicht nur auf der Erde zu leben, sondern auch an den Himmel zu denken,

an Liebe und Treue, an höhere Werte, an den tieferen Sinn unseres Lebens?

Die Glocken oben im Turm oder da am Altar sind aus Metall.

Menschen sind nicht aus Metall, und trotzdem:

auch wir Menschen selbst haben was gemeinsam mit Glocken.

(Eins liegt auf der Hand:)

Auch so ein Haufen Konfirmanden kann wahnsinnig laut sein;

sie können gscheit in Schwingung geraten;

und so ist es doch auch, ihr habt eingeladen, eure Familie und eure Freunde,

wie Glocken mit ihren Läuten,

und viele sind daraufhin gekommen:

eure Familien nehmen ja ganz offensichtlich euer Fest heute zum Anlass, sich zu versammeln, als eure persönliche Festgemeinde - und Verbindung aufzunehmen zwischen Himmel und Erde. Zu singen und zu beten, für euch zu beten, vielleicht aber auch für sich selbst und andere,

über den Glauben nachzudenken, ganz ähnlich, wie wir es auch in den Gesprächen im Konfirmandenunterricht getan haben.

Das habt ihr mit eurer Einladung bewirkt. Ihr wart sozusagen menschliche Glocken.

Eine Glocke kann immer nur ein und denselben Klang von sich geben, ist gestimmt auf eine Tonhöhe, das ist bei Menschen natürlich anders; mal

seid ihr eher schrill und penetrant wie eine chinesische Fahrradglocke,

mal klingt ihr eher klein und verzagt wie das Glöckchen am Schokoladennikolaus - in der Konfiprüfung vielleicht oder beim ersten Date mit der großen Liebe?

Manchmal klingt ihr auch ganz klar und rein und fast warnend und drohend, wie die Anna-Lena, wenn jemand ihren kleinen Bruder in der Schule blöd anredet,

oder wie der Xaver, wenn er hier vorne steht und den Wochenspruch vorliest, so souverän, als tät der den ganzen Tag nichts anderes.

Ihr habt wunderbar zusammengeklungen, als ihr auf der Freizeit beim Gottesdienst auf dem Steg am See mit der großen Anna und der Franzi und der Sarah gesungen habt;

ihr klingt hoffentlich wunderbar zusammen, wenn ihr nachher das Glaubensbekenntnis miteinander sprecht, und ihr habt hoffentlich immer wieder mal Lust, mit eurem ganz unverwechselbaren Klang einzustimmen in das Glockenkonzert eurer Kirchengemeinde.

An Weihnachten - bei der Konfirmation von Geschwistern vielleicht - bei eurer Hochzeit - bei der Taufe eurer eigenen Kinder - und vielleicht auch zwischendrin immer wieder mal, einfach so.

Erich Kästner dichtet:

Wenn im Turm de Glocken läuten, kann das vielerlei bedeuten,

erstens: dass ein Festtag ist. Dann, dass du geboren bist; drittens, dass dich jemand liebt, viertens, dass es dich nicht mehr gibt...

Wenn Glocken klingen sollen, müssen sie angeschlagen werden und ins Schwingen kommen.

Am Ende der Freizeitwoche haben mir alle Konfis einen Brief schreiben müssen, warum sie sich konfirmieren lassen, was sie ins Schwingen bringt, so dass sie heute hier feiern möchten.

Jetzt könnte man spotten und sagen, mei, klar, süßer die Kassen nie klingeln,

und ich find das auch legitim, wenn man sich freut, dass man Geschenke kriegt;

jetzt seid ihr keine kleinen Kinder mehr,

jetzt traut man euch zu, auch mit größeren Geldbeträgen und teuren Geschenken umzugehen und verantwortungsvoll und bewusst zu handeln. Auch das sieht man an den Geschenken. Dass man euch etwas zutraut und euch vertraut.

Die allermeisten schreiben aber genauso, dass sie auch ihren Glauben stärken möchten durch den Segen heute und dadurch, dass andere miteinander gezielt und konkret für sie beten;

und: Alle (!) freuen sich, dass sie von ihren Familien gefeiert und geliebt werden.

Das möcht man manchmal vielleicht gar nicht glauben, jedenfalls nicht immer,

angesichts dieser coolen jungen Erwachsenen,

angesichts mancher Debatten und Konflikte vielleicht,

sie alle hängen mit zärtlicher Liebe und Dankbarkeit an ihren Eltern, an ihren Geschwistern;

und auch wenn sie es nicht immer zugeben würden:

sie sind unglaublich froh, dass sie Sie haben.

Auch das schwingt am heutigen Festtag mit,

auch das ist ein wichtiger Klang im Glockenkonzert des heutigen Festes.

Legen Sie als Familien, wir als Gemeinde deshalb das Leben dieser jungen Menschen, eure Zukunft und alle Wege, die vor euch liegen, voller Vertrauen in Gottes Hände.

Er hat euch geschaffen, hat euch wunderbar geschaffen.

Er ist treu.

Er wird zu euch stehen,

und das Gute, das er begonnen hat, vollenden.

Er segne euch. Amen.

Und der Friede Gottes....

 
Ehe für alle PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 17. Juli 2017 um 06:51 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

als ich klein war, fuhr mein Vater einen weinroten Ford Granada.

Er war überzeugt vom Preis-Leistungs-Verhältnis, vom Verbrauch, von der Ausstattung und so weiter; für mich als kleines Mädchen war also klar: das ist das einzig wahre Auto.

...und wenn uns ein anderer Ford Granada begegnet ist, dann hab ich gewinkt und gerufen: "ein Bruder-Auto, ein Bruder-Auto! Noch einer, der das einzig wahre Auto fährt!"

Ich hab mich nur immer gewundert:

Wenn der Ford Granada das einzig wahre Auto ist - warum fahren dann nicht alle Menschen Ford Granada?

Gibt es nicht genug Ford Granada für alle?

Oder dürfen die anderen nicht?

Stimmt mit denen was nicht?

Später hat mein Vater dann mal einen VW-Bus gefahren;

eine Zeitlang war ein Fiat 500 unsere Familienkutsche,

ein VW Käfer, danach ein Audi,

und mir dämmerte irgendwann: die Menschen sind verschieden

und ihre Bedürfnisse

und Möglichkeiten auch,

also fahren sie auch verschiedene Fahrzeuge.

Nur die Verkehrsregeln, die sind für alle gleich. Jeder, der autofahren will, muss lernen, wie Rechte und Pflichten verteilt sind. Jeder muss die Prüfung ablegen, jeder muss sich dran halten - sie schützen den Einzelnen, machen es einfacher, miteinander zurecht zu kommen.

Gabe - und Aufgabe.

Daran muss ich denken, wenn die Debatte hochkocht um die "Ehe für alle".

Müssen wirklich alle Ford Granada fahren?

Ist die klassische Ehe zwischen Mann und Frau die einzig wahre Lebensform?

warum gibt es dann so viele andere?

Dürfen Schwule und Lesben wirklich heiraten?

Dürfen sie wirklich vor den Altar treten und Gott um seinen Segen bitten für ihre Partnerschaft?

Die katholische Kirche hat eine Lehrmeinung dazu, die ist eindeutig. Nein.

Die evangelische Kirche hat keine Lehrmeinung, keine einheitliche theologische Haltung.

Ich schon, und ich will Ihnen meine gerne erklären; aber das ist dann nur meine Meinung. Nicht die der ganzen evangelischen Kirche.

Ich persönlich bin überzeugt, Ja, Gott segnet auch Ehen aus zwei Männern oder zwei Frauen.

Und ich hoffe, ich darf Ihnen das erklären:

Gott hat die Menschen auf Beziehung hin geschaffen,

keiner* von uns kann allein überleben, so wie wir alle auch ohne Gott nicht leben können.

Der Ford Granada, der Fiat 500, das Moped, das sind die Beziehungen:

völlig unterschiedlich, wie die Menschen und ihre Bedürfnisse.

Und genau wie für den Straßenverkehr gibt es für die Beziehung der Menschen auch sowas wie Verkehrsregeln:

Die Beziehungen unter uns Menschen sollen gekennzeichnet sein von 1. Treue, 2. Dauer und von 3. Respekt - so wie halt Gott auch selbst mit uns Menschen umgeht:

lebenslang, treu und respektvoll.

An der Ehe bildet sich exemplarisch die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen ab.

Hingebungsvolle, lebenslange Liebe in Treue und Respekt,

das sind die Verkehrsregeln, die für die Beziehungen unter uns Menschen gelten, für die ganzheitlichen Beziehungen, die wir Menschen brauchen und die unter besonderem Schutz stehen;

Rechtsform dafür ist die Ehe, sie hat eine gesellschaftlich tragende Funktion für die Erhaltung des Gemeinwesens und die Weitergabe des Lebens.

Die Ehe ist eine dauerhafte, umfassende, verbindliche und monogame Form der Lebensgemeinschaft. Eine im Vertrauen auf Gottes Hilfe eingegangene, freiwillige Selbstbindung aus geschenkter Freiheit heraus.

"Die beiden werden ein Fleisch sein", und so sind sie nun nicht mehr zwei, sondern eins -

zum Einswerden braucht es neben der körperlich-sexuellen auch eine geistig-seelische Beziehung zwischen den Partnern, die im anderen ein Gegenüber mit eigener Würde und eigenem Empfinden sieht.

Dazu ist die Ehe da.

Sie bietet Geborgenheit für Sexualität. Glück und Unglück werden geteilt. Eigene Interessen und Ziele werden nicht auf Kosten des anderen verfolgt. Sie schafft verlässliche Bedingungen für das Heranwachsen der nächsten Generation. Der Lebensraum der Ehe schützt die Liebe.

Für die Ehe gibt es bestimmte Rechtsformen - zB etwa wie das ist mit der Über- und Unterordnung der Eheleute zueinander

oder wie das funktioniert mit der Scheidung;

diese Rechtsformen und -normen sind zeitbedingt. Jesus hat die Rechtsform der Ehe zu seiner Zeit heftig kritisiert. Er hat sie massiv verschärft, dass das Verfahren zur Scheidung unfair ist.

Paulus hat dann später kritisiert, dass nur die Frauen die Männer lieben sollen; das hat er umgedreht, hat gesagt, ihr Männer, liebt eure Frauen genauso wie andersrum!

Das kam den Verheirateten damals vielleicht genauso schräg vor wie unsere Vorstellung heute, dass natürlich auch Frauen Frauen heiraten können und Männer Männer. Die "Ehe für alle", für alle Erwachsenen, wohlgemerkt.

Ich kenne die Bibelstellen wie etwa das Gebot "der Mann soll nicht beim Manne liegen" (Lev 18,22)

Aber das Wort Gottes ist doch nicht zeitlos. 

"Das Wort Gottes ist nicht zeitlos. Sondern es ist ewig. Wenn es aber ewig ist, dann muss es in jeder Zeit, in der wir Menschen es hören, unserer Zeit angemessen ausgelegt werden.

Das hat das Christentum immer getan – mit den Methoden der jeweiligen Zeit, mit den Themen der jeweiligen Zeit und mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten der jeweiligen Zeit.

In der Frühzeit des Christentums waren familiäre Bande ein großes Hindernis auf dem Weg zum wahren Glauben. Drum sagt Jesus: wer ist meine Mutter, wer sind meine Geschwister? - die, die den Willen meines Vaters tun, die sind mir Bruder und Schwester und Mutter.

Im Mittelalter waren Frauen Gefäße des Teufels, weil sie Männer zu verführen in der Lage waren, und was tut der Teufel anderes, als Menschen zu verführen?

Diese Haltung führ dazu, dass sich in manchen Familien Frauen verschleiern müssen.

Im Jahr 2017, hier in Garching,

Brüder und Schwestern, das ist für mich ein Skandal - nicht die Ehe für alle.

Mitten unter uns leben Familien, die ihren Mitgliedern die Rechte aus der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vorenthalten und tun, als wären wir im Mittelalter!

Sie nehmen die Töchter aus dem Sportunterricht, sie lassen sie nicht auf Klassenfahrten mitfahren und verbieten den Aufklärungsunterricht, vom Jungfräulichkeitswahn und der Zwangsehe ganz zu schweigen; das verstößt gegen das Gebot der Nächstenliebe und gegen die Gottebenbildlichkeit.

Nicht die Ehe für alle.

Das Christentum hat gleich nach seiner Entstehung damit angefangen, biblische Vorschriften so auszulegen, dass sie mit dem eigenen Leben vereinbar sind, und: das Christentum ist durch die Aufklärung gegangen.

Und der Geist, der für diese Auslegungen in Anspruch genommen wurde, war nicht etwa der Zeitgeist, sondern der Heilige Geist!

Wenn ich jetzt die Ein-Eltern-Familie, die Homo-Ehe, die Patchworkfamilie gleichwertig neben die Familie des 19. Jahrhunderts stelle - dann tut es den einen weh, und die anderen jubilieren.

Aber die Kräfte der Beharrung sind naturgemäß immer erstmal stärker als die der Erneuerung - deshalb müssen sie aber nicht recht haben.

Als am 1. September 1958 Elisabeth Haseloffals erste Frau Deutschlands zur Pfarrerin ordiniert wurde, war es wohl ähnlich:

Auf der einen Seite eine große Freude, dass dieser Schritt nun endlich vollzogen wurde -

auf der anderen Seite eine große Empörung, weil die Frau in der Gemeinde doch nach wörtlicher Interpretation der Bibel zu schweigen habe (1. Kor 14,34).

Ich kann mir gut vorstellen, dass 1958 Fragen gestellt wurden wie diese:

"Seit wann gilt denn Gottes Wort nicht mehr?"

Mittlerweile ist es für uns evangelische Christinnen und Christen in Deutschland selbstverständlich, dass wir Frauen nicht nur ordinieren, sondern auch zu Bischöfinnen wählen. (Frank Muchlinsky)

Ihrem historischen Kontext entsprechend lehnt die Bibel gleichgeschlechtliche Sexualpraktiken als Ausdruck einer gestörten Gottesbeziehung ab;

aber die natürlich-organische Basis des Lebens wird mehr und mehr entziffert.

Wir sind durch die Aufklärung gegangen.

Deshalb verändert sich unser Bild vom Menschen, unsere Vorstellung, was normal ist.

Die heterosexuell liebenden Menschen, die klassischen Ehepaare aus Mann und Frau sind, denke ich, in der Mehrheit.

Erst, wenn sie etwa 40% einer Gruppe bilden, werden "die anderen", die Homosexuellen, nicht mehr als Außenseiter oder Fremdkörper wahrgenommen , sondern als Teil des Ganzen;

Denn Menschen mögen Menschen, die ihnen ähnlich sind. Denn wir haben dann das Gefühl, den anderen gut einschätzen zu können. Außerdem gibt mir ein ähnlich gestricktes Gegenüber das beruhigende Gefühl, selbst ganz okay zu sein.

Aber führen wir uns vor Augen, wozu die Ehe da ist!

Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung (Art 6 GG), weil sie wichtige Aufgaben und Lasten für die Gemeinschaft übernehmen,

zB in der Kindererziehung oder bei der Pflege alter, kranker und behinderter Menschen,

und weil sie (=Ehe und Familie) die zwischenmenschlichen Beziehungen ordnen, schützen und stabilisieren.

Keine Silbe muss man ändern, wenn da zwei Männer die Ehe schließen möchten oder zwei Frauen.

Gott, der Schöpfer, vertraut uns das Leben der ungeborenen und geborenen Kinder an. Sie sollen geschützt aufwachsen und sich entfalten, und in Zukunft selbst Verantwortung für das Leben der nachfolgenden Generationen übernehmen:

das gilt auch für Homosexuelle.

Es entspricht doch garantiert Gottes Willen, dass auch ihre Sexualität im Rahmen einer ganzheitlichen, liebe- und respektvollen, treuen, monogamen und lebenslangen Beziehung gelebt wird - statt im rechtsfreien Raum.

Dadurch, dass auch Homosexuelle die Ehe eingehen dürfen, werden die anderen Ehen, die heterosexuellen Ehen, doch nicht in Frage gestellt. Sie nehmen ihnen nichts weg.

Sie kennen die Geschichte von den Arbeitern im Weinberg: die, die am frühen Morgen schon engagiert worden waren und den ganzen Tag schon im Weinberg geschwitzt haben, sie sind neidig auf die, die später kommen. Sie hoffen, dass sie dann mehr kriegen.

Aber der Weinbergbesitzer steht dazu: ich entlohne diese Neuen jetzt mit derselben Silbermünze wie bisher euch. Und er fragt: was siehst du so scheel drein, weil ich so gütig bin?

Kann ich nicht mit meinem Geld machen, was ich will?

Das gilt auch für seinen Segen!

- den Trau-Segen für zwei Menschen, die sich lieben und achten und treu sein wollen, bis der Tod sie scheidet.

Er verliert kein kleines bisschen an Wert, weil jetzt eine Lebensform dazukommt, die auch um Gottes Hilfe bittet für ein Leben in Treue, auf Dauer und in Respekt.

Und selbst wenn Gott was gegen Homosexuelle hätte: denken Sie doch an Jakob und Isaak! Jakob hat sich den Erstgeburtssegen erschlichen, er stand ihm überhaupt gar nicht zu! - drum war Jakob auch unsicher, ob der jetzt gilt oder nicht, und ist vorsichtshalber vor seinem Bruder geflohen.

Und Gott erschien ihm im Traum, und er sah die Leiter zwischen Himmel und Erde, an der die Engel auf- und abstiegen. Jakob hat sich den Segen ergaunert - und Gott hat ihn bestätigt.

Isaak war blind und hat versehentlich den falschen gesegnet, und trotzdem ist sein Segen gültig gewesen - denn nicht der Mensch segnet. Sondern Gott.

Ich kann und muss auch die heterosexuellen Paare nicht prüfen vor ihrer Trauung, ob auch nichts Kritisches meinen wachsamen Augen entgangen ist; im Gegenteil, ich kann blind sein und versehentlich die falschen segnen - trotzdem wird der Segen gültig sein, denn nicht der Mensch segnet, sondern Gott!

Ist es meine Aufgabe als Christin, Segen für liebevolle Beziehungen unter erwachsenen Menschen von dieser Welt fernzuhalten? Menschen wegzuschicken, die Gott um seinen Segen bitten und sich die Treue versprechen wollen?

Ist Sexualität nur untergeordnet unter den Wunsch der Fortpflanzung eine Gabe Gottes - und sonst ein Gräuel? Ich kann das nicht glauben.

Warum fahren nicht alle Menschen Ford Granada?

Weil ein Fahrzeugtyp nicht für alle passt!

Ich fahr heute Moped, und die Jutta fährt Fiat 500 und der Christian Mazda und der Radko Mercedes.

Die Menschen und die Bedürfnisse sind verschieden.

Die einen leben allein, die zweiten als Ein-Eltern-Familie, die dritten in kinderloser Partnerschaft oder Ehe, die nächsten in Fortsetzungsfamilien, die vierten in Wohngemeinschaften, und etliche leben in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, mal mit und mal ohne sexuelle Beziehung, mal gewollt, mal ungewollt.

Gott will nicht Gleichförmigkeit.

Gott will Gottebenbildlichkeit.

auch für unsere Beziehungen, unsere Ehen:

in Treue, in Respekt und auf Dauer, in guten und schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod sie scheidet. Amen.

 
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