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Der Heilige Geist macht handlungsfähig PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 22. Mai 2010 um 10:05 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

wir haben am Anfang eine Kerze angezündet für einen Mann, der in Garching auf der Straße gestorben ist. Am Rewe, auf dem Seitenweg zu den Studentenwohnheimen lag er wohl, und er lag dort schon länger.

 

Umringt von Menschen; die hatten wohl den Notarzt gerufen, ansonsten aber nichts getan, Pulskontrolle, Atmung, stabile Seitenlage - nichts davon. Sie standen da nur, wie festgefroren, wie ein Bild, und haben ihn angeschaut.

 

Irgendwann kam jemand neu dazu, ist beherzt niedergekniet neben dem Mann, hat den Puls kontrolliert, hat gemerkt, der Mann schnauft nicht mehr, hat das Hemd aufgemacht, den Mund des Verletzten, hat begonnen zu beatmen und mit Herzdruckmassage, bis dann der Notarzt kam.

 

Da war aber offensichtlich schon alles zu spät. Anderthalb Stunden lang haben sie wohl noch um dieses Leben gekämpft, reanimiert, dann haben sie aufgegeben und der Bestatter hat ihn abgeholt.

 

Was war passiert?

Bei dem Mann, es war wohl ein Bauarbeiter der Firma, die direkt dahinter arbeitet - da wissen wir es nicht.

 

Aber was ist vorgegangen in den Köpfen und in den Herzen der Menschen, die den Mann wahrscheinlich zusammenbrechen gesehen haben - und weitergegangen sind? Denn eine Stunde, nachdem er das letzte Mal auf der Baustelle gesehen worden war, da lag er immer noch da am Weg, wie er gefallen war,

 

irgendwer hatte ihn wohl vom Bauch auf den Rücken gedreht - aber keiner hat ihn auch nur in die stabile Seitenlage gebracht, von einer Decke oder sonst einer Hilfeleistung ganz zu schweigen, die Leute sind wohl teilweise einfach weitergegangen oder sie standen nur außenrum - wie gelähmt.

 

Was ist passiert?

Ich glaube nicht, dass man der Sache gerecht wird, wenn man einfach schimpft auf die Zuschauer.

So eine Szene spricht ja, sie sendet ganz viele Botschaften aus, und ich nehme an, die vielen Botschaften schrien in den Köpfen und Herzen der Menschen durcheinander.

 

Die haben sicher gehört:

da ist einer hilflos, du mußt ihm helfen!

Ein anderer Impuls war sicher, um Himmels willen, da ist was passiert, du mußt fliehen!

Eine dritte Botschaft: was kann der haben? am Ende was Schlimmes, steck dich nicht an!

und mach nichts falsch, am Ende langst du hin und machst die Sache schlimmer, als sie schon ist!

eine weitere Botschaft so einer Situation ist doch sicher, bring dich nicht selbst in Gefahr, denk an deine Familie, die Kinder, du hast Verantwortung!

und ganz wichtiger Impuls ist sicher auch: es stehen doch so viele andere rum, da ist sicher mindestens einer dabei, der kann das besser als ich, der soll helfen!

und so weiter!

 

Die Situation löst solche und vielleicht noch viel mehr Impulse aus bei dem, der sie sieht, und die Impulse widersprechen sich gegenseitig, das Herz schlägt schneller, der Mensch ist im Stress, und deshalb tut er am Ende vielleicht einfach gar nichts, geht weiter und bleibt wie gelähmt stehen und starrt, unternimmt aber nichts.

Einer hat immerhin noch den Notarzt gerufen.

 

Für einen anderen dagegen war die Situation überhaupt nicht un-eindeutig und mißverständlich. Für ihn war ganz klar: es gab nur den einen Impuls, hinzugehen und den Puls, die Atmung zu kontrollieren, und als beides fehlte, mit der Beatmung anzufangen.

 

Oder vielleicht war dieser eine Impuls einfach stärker als alle anderen und hat sich deshalb durchgesetzt. Und wenn es nur einen Impuls gibt, weiß der Mensch, was er machen soll, und kann handeln.

 

Lehrer kennen das aus der Schule: wenn ich unklare Anweisungen gebe, am Ende noch welche, die sich gegenseitig aufheben und widersprechen, dann wissen die Schüler nicht, was sie tun sollen.

 

Entweder tun sie gar nichts; oder sie werden unruhig, zwangsläufig, sind unsicher und vielleicht sogar ärgerlich, fangen an nachzufragen, vielleicht auch alle durcheinander.

 

Was sie aber auf jeden Fall nicht tun, ist: sinnvoll arbeiten. Können sie gar nicht.

 

Wenn bei uns klar abgespeichert ist, was so ein Anblick bedeutet: Mensch hilflos am Boden - Pulskontrolle - Atmungskontrolle - dann entweder stabile Seitenlage, wenn er Puls hat und atmet, andernfalls Herzdruckmassage, Beatmung, Notruf! -

 

wenn das klar besetzt ist und man diese drei Dinge immerhin drauf hat, dann spricht so ein Bild eine ganz klare Sprache und wir sind handlungsfähig.

 

Andernfalls hat so ein Notfall tausenderlei Subbotschaften. Die machen die Situation unklar und mißverständlich und lähmen.

 

Wir haben vorhin ein Experiment gemacht zur Verständigung unter Menschen.

An dieses Experiment muß ich denken, wenns Ärger gibt; im Büro, in der Schule, in der Ökumene, in irgendwelchen Besprechungen -

 

eigentlich kann in der Kommunikation unter Menschen so viel schiefgehen, dass es erstaunlich ist, wie oft sie gelingt.

 

Gelingende Verständigung, dass ist das Wunder der Pfingstgeschichte. Die Freunde von Jesus predigen, und die Menschen hören sie, aus aller Herren Länder - und sie hören nicht Sprachwirrwarr und Durcheinander, sondern sie hören jeder und jede in seiner und ihrer Sprache.

 

Sie sind alle verschieden, und trotzdem versteht jeder und hört die eindeutig frohe Botschaft von Jesus, dass Gott uns liebt und uns erlöst hat in Jesus Christus, und dass Jesus Christus lebt.

 

Jeder hört es, jeder versteht es - da ist der Heilige Geist am Werk.

Er bewirkt es, dass die Sätze so ankommen, wie sie gemeint sind, wie sie gemeint sein sollen, weil Gott will, dass und wie sie verstanden werden.

 

Der Heilige Geist bewirkt, dass die mißverständliche Szene auf dem Marktplatz mit den predigenden Männern so verstanden wird, wie sie verstanden werden soll, dass sie den richtigen Impuls setzt, einen, der stärker ist als alle anderen, der klar ist und eindeutig und die Menschen handlungsfähig macht.

 

Der Geist schenkt Eindeutigkeit.

 

Das ist ein toller Geist. Ein Heiliger Geist, und wir brauchen ihn dringend.

 

Gott sei Dank hat ihn Jesus geschickt, nach seiner Himmelfahrt.

 

Das gehört zu seinem Heilswerk dringend noch dazu, damit wir mit dem Tod am Kreuz und er Auferstehung, damit wir mit Taufe und Abendmahl überhaupt etwas anfangen können.

 

Jeder von uns weiß ganz viel über Jesus und über die Kirche und kennt Geschichten aus der Bibel und hat schon ganz viele Predigten gehört; aber da schwirrt im Kopf doch vieles durcheinander, widerspricht sich vielleicht sogar, und am Ende lähmt das mehr als dass es hilft und uns klarmachen würde, was wir tun sollen, wie wir leben sollen.

 

Wir brauchen alle den heiligen Geist. Der übersetzt für uns, der schenkt Eindeutigkeit.

 

Er sorgt dafür, dass Impulse eindeutig bei mir ankommen. Dass ich andere so verstehe, wie sie verstanden werden sollten, so wie Gott will, dass wir andere verstehen - und nicht eine von den tausenderlei Subbotschaften hörbar wird, die vielleicht auch da sind, die in der Situation aber nicht weiterhelfen.

 

Der Heilige Geist bewirkt es, dass ich mich angesprochen fühle. Von einer Situation, einer Predigt, von einem Mitmenschen, einer Botschaft; Pfingsten heißt, ich höre die Welt in meiner Sprache reden und ich erfasse, was der andere wirklich meint, ohne dass ich mich - oder er sich - verbiegen muß.

 

Ich bin am Freitag noch zum Rewe gefahren und habe die Stelle gesucht, wo der Bauarbeiter gestorben ist. Jemand hat ein kleines Holzkreuz zwischen zwei Pflastersteine geklemmt, eine Kerze dazugestellt und ein Blumentöpfchen. Er hat ein Zeichen gesetzt, ein Denk-mal.

 

Dann war ich einkaufen. Und als ich zum Auto zurückkomme, biegt grad eine ältere Dame mit ihrem Golf mit Schwung in den Parkplatz neben mir ein und fährt mit dem Vorderreifen über den Randstein, der den Parkplatz am vorderen Ende begrenzt. Das Vorderrad fällt dann in den Grünstreifen und das Auto sitzt auf und hängt hilflos mit der Vorderachse auf der Begrenzung fest.

 

Ich hab das schonmal verfolgt. Damals konnt ich nicht helfen. Jedenfalls hab ich mir damals gedacht. Das war damals mein Impuls, der sich durchgesetzt hatte: ich hatte die Kinder dabei, war in Eile; da sind dann Mitarbeiter vom Autohaus Baudisch geholt worden, die haben das Auto aus dem Grünstreifen gehoben und damit wieder flott gemacht.

 

Diesmal hatte ich noch das kleine Kreuz und die Kerze vor Augen. Ich hatte diesmal auch die Kinder dabei und war natürlich auch in Eile. Aber die Situation ist für mich beschämend eindeutig geworden.

 

Eh ich michs versah, standen zwei Männer und zwei andere Frauen um mich rum an der Motorhaube von diesem Auto, einer der Herren hat die Dame auf Englisch freundlich vom Fahrersitz wegkomplimentiert, keine dreissig Sekunden später stand das Auto wieder auf festem Boden und der Mann hat der Dame mit einer freundlichen Verbeugung den Zündschlüssel zurücküberreicht.

 

Ob hier der Heilige Geist am Werk war? Ich hoffe es, und ich bete, dass er ganz oft hilft, dass jeder von uns Situationen richtig deuten und verstehen kann und den Impuls am deutlichsten spürt, der uns so handeln läßt, wie es Gott gefällt.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

 

 

 

 

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