Zur Navigation | Zum Inhalt
FVCML0208 10
Den Durchblick kriegen - neu geboren werden PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Freitag, den 23. Juli 2010 um 08:43 Uhr

Joh 3, 8-15

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

ich hab im Fernsehen einen Mann reden gehört - der gab völlig unverständliches Zeug von sich. Also nicht wirres Zeug wie mancher Politiker, auch keine fremde Sprache - angeblich war das Deutsch, und ich hab keine Silbe verstanden.

 

Des Rätsels Lösung: ein Techniker hat die Laute auf Tonband aufgenommen und hat das Band dann rückwärts abgespielt. Und siehe da, eindeutig, deutsche Sätze, klar verständlich.

 

So einen ähnlichen Vorschlag hören wir heute im Evangelium. Jesus sagt, nur wer von neuem geboren wird, der sieht das Reich Gottes. Und Nikodemus ist platt und malt sich das aus, wie sich ein alter Mensch zurückentwickelt und wieder in den Bauch seiner Mutter schlüpft.

Unmöglich.

Mit dem Moment der Zeugung ist dem Leben die Richtung vorgegeben - der Mensch wächst und entwickelt sich, und vom ersten Augenblick an läuft sein Leben unaufhaltsam auf seinen Endpunkt hin zu, auf den Tod. Die Geburt ist nur eine Etappe auf diesem Weg, und sie ist nicht umkehrbar - wer mal draußen ist, der bleibt auch draußen.

außer, so sagt uns Jesus im Evangelium - wer von neuem geboren wird aus Wasser und Geist.

 

Das Baby macht sich mit der Zeugung auf den Weg - von der Wiege bis zur Bahre. Am Anfang steht die totale Geborgenheit im Mutterleib; dann kommt die Geburtsanzeige, und am Schluß die Todesanzeige mit dem großen schwarzen Kreuz neben dem Namen. Christus dreht diese Lebensrichtung um! Wiedergeborene im Sinne Jesu Christi - die sind auf dem Weg vom Tod zum Leben! Und bei ihnen steht das Kreuz am Anfang - wiedergeboren durch den Erlösertod Jesu Christi am Kreuz - und am Schluß steht die totale Geborgenheit bei Gott.

 

Jetzt schauen alle an sich runter und stellen fest, ich bin aber doch seit gestern wieder einen Tag älter geworden - offenbar bin ich immer noch auf dem Weg von der Wiege zur Bahre. Ja sicher, aber ihr sollt nicht auf die Altersflecken auf den Händen schauen, nicht auf die grauen Haare und auf die Fältchen um die Augen - ihr sollt nach vorne schauen auf das Kreuz, denn das ist das Zeichen eurer Wiedergeburt!

 

Deshalb hats auch keinen Sinn, dass wir hektisch unser Leben absuchen nach dem Augenblick der Wiedergeburt. Manche Menschen quälen sich mit Zweifeln, und sie zerbrechen sich den Kopf, bin ich wiedergeboren oder bin ich es nicht? Woran sieht man das? Antwort: hier! am Kreuz! da ist jeder und jede von uns wiedergeboren.

Denn die Wiedergeburt durch Jesus Christus ändert nicht nur die Richtung des Lebens vom Kreuz, von der Sünde, vom Tod hin zum Leben - sondern die Wiedergeburt ändert außerdem noch die Abstammung. Im Evangelium steht, was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Was heißt denn das?

 

Es kann ja keiner in den Bauch einer anderen Mutter schlüpfen und sagen, meine Mutter gefällt mir nicht, ich möchte lieber von dir geboren werden. Ich möchte lieber von dir abstammen! - das geht nicht, und deshalb ist die Abstammung von der Mutter auch eine der ganz wenigen Gewißheiten für einen Menschen. In der Rechtsprechung heißt es, mater certa, pater semper incertus - wer die Mutter eines Kindes ist, das steht fest, beim vater kann man da nie so ganz sicher sein. Jesus weiß, wovon er redet - die Mutter Gottes kennt jeder, aber viele Menschen sind sich bis heute nicht einig, wer denn eigentlich sein Vater war.

 

Neu geboren werden aus dem Geist, das heißt, dass ich nicht länger nur ein Kind meiner Eltern bin, ein Menschenkind - sondern ein Kind Gottes.

 

"Wir sind Gottes Kinder", wir haben das schon so oft gehört und auch gesagt, gedacht, dass uns gar nicht mehr bewußt ist, was das heißt - Gottes Kinder! Keiner kann doch Gottes Kind sein, keiner kann von ihm abstammen - wir sind Sünder, und als Sünder stammen wir ganz sicher nicht von Gott ab.

 

Schließlich gabs das auch noch nie, dass eine Frau in die Klinik kommt mit Wehen und dann bringt sie eine Schlange auf die Welt. Gott und Sünder sind ja noch viel weiter voneinander weg, noch viel unterschiedlicher als ein Mensch und eine Schlange. Gott und Menschen können nicht zusammen kommen. Aber Gott sei Dank haben wir Jesus Christus.

 

Er vermittelt. Er hat sich zwischen Gott und die Menschen geschoben und vertritt uns. Übernimmt für uns die Sünde, stirbt für uns am Kreuz. Christus stirbt am Kreuz und schreit, es ist vollbracht! - ja, was? es ist vollbracht, unsere Sünden wegzunehmen, dass wir Gottes Kinder werden können. Dass wir unsere Abstammung ändern können.

 

Christi Tod am Kreuz machts möglich, dass wir Gottes Kinder sind - und drum ist auch dieser Tod am Kreuz der Moment, wo wir alle wiedergeboren werden. Der Tod am Kreuz - nicht die persönliche Bekehrung, nicht etwas, was wir tun - sondern etwas, was Christus tut. Hier am Kreuz ändert sich unser aller Abstammung, hier am Kreuz vertauschen wir unsere Herkunft von den Menschen, von der Mutter, Christus sagt: "vom Fleisch" - gegen eine Herkunft von Gott.

 

Und was bringt mir das?

 

Manchmal mein ich ja, ich spüre es förmlich, wie der Geist Gottes durch mein Leben bläst und dies und jenes tut und manches paßt plötzlich zusammen und macht scheinbar einen Sinn - aber dann gibt’s wieder Lebensstufen, wo wir meinen dass wir zuschauen können wie die Haare grauer werden und die Fältchen sich vertiefen - weil wir Kummer haben, Sorgen um die Welt, oder Krankheiten und Schmerzen machen uns das Leben zur Qual. Da fällt es dann schwer, zu glauben, dass hier Gott am Werk ist und dass Gottes Geist durch unser Leben weht.

 

Aber denkt an diesen Mann, der so seltsame Laute von sich gibt, kein Mensch versteht den Sinn - bis das Tonband seine Richtung ändert und wir merken, dieser Mensch hat rückwärts gesprochen und erst jetzt gibt seine Rede einen Sinn. So ist es mit unserm Leben auch. Erst wenn Jesus eingreift und die Richtung ändert, dann machts Sinn, oder besser, dann erkennen wir den Sinn, den wir vorher nicht gesehen haben.

 

Fragt sich nur, wann dreht denn Jesus diese Richtung unseres Lebens um?

 

Darum bitten wir zwar täglich im Vaterunser: Dein Reich komme! Darauf hoffen wir. Darum beten wir. Darauf verlassen wir uns. Aber noch ist sein Reich nicht gekommen.

 

Wir sind alle Gottes Erben - und anders als Erben hier unter Menschen treten wir unser Erbe nicht an, wenn der Erblasser stirbt - sondern wenn wir selber sterben. Denn ein paar Sätze nach dem Abschnitt für die Predigt heute sagt uns Jesus, wofür er auf Erden war: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben." Darum geht es bei allen Hoffnungen, darum geht’s unser ganzes Leben lang: Dass wir das ewige Leben haben.

 

Freilich hoffen wir, dass uns Gott auch jetzt in diesem Leben hilft. Dass er unsre Krankheiten heilt, unsere Lieben beschützt, unsere Beziehungen ordnet. Aber zuallererst geht es nicht um die paar Jahre, die die Menschen hier auf Erden leben, noch dazu in eine falsche Richtung leben! Gott und Jesus Christus geht es um das ewige Leben, und drum schreibt uns Paulus auch im Römerbrief,

 

"ich bin sicher, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - doch auf Hoffnung. Denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes."

 

"Glaube bedeutet nicht, von etwas Gutem in mir zu schließen, dass ich gerettet werde, sondern gegen den Anschein (...) zu glauben. (...) Als Heiliger zu Jesus Christus zu kommen, ist sehr leicht. Einem Arzt zu vertrauen, dass er dir hilft, wenn du merkst, dass es dir schon wieder besser geht, ist sehr leicht. Aber dem Arzt zu vertrauen, wenn du dich fühlst, als ob du zum Tode verurteilt wärst, es mit Fassung zu tragen, wenn die Krankheit erst ausbricht und das Geschwür noch größer wird, sogar dann noch an die Wirkung der Medikamente zu glauben - das ist Glaube."

 

Wenn euch wieder einmal euer Leben vor Gottes Augen vorkommt wie ein wirres Band von Sinnlosigkeit, von Kummer und Ungereimtheiten - dann denkt an diesen Menschen, der rückwärts spricht. Ihn versteht kein Mensch. Aber mit dem Hifsmittel eines Tonbands kann man die Richtung ändern, wird es klar, was er sagen will. So ist unser Leben - und der Helfer

Jesus Christus dreht die Richtung um, stellt es rückwärts ein, vom Tod zum Leben, vom Kreuz zur Geborgenheit bei Gott. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Amen.

 

Sie befinden sich hier:

Startseite > Predigten > Den Durchblick kriegen - neu geboren werden

Transfair-Verkauf

Verkauf von Waren aus fairem Handel
Kaffee, Tee, Schokolade...

... (fast) immer beim Kirchenkaffee am letzten Sonntag des Monats, oder bei mir zu Hause - rufen Sie einfach an, wenn Sie zwischendurch etwas brauchen oder am betreffenden Sonntag verhindert sind!

Verantwortlich: Gabriele Chmel, (Tel.: 089 / 320 71 60)