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Das Leben hassen? das Leben lieben? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 31. Juli 2010 um 07:40 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

warum hat uns Gott in diese Welt gesetzt?

Warum mutet er uns ein Leben auf der Erde zu?

Wozu schenkt er uns das Leben, wenn er doch nichts anderes will, als dass wirs hassen, das wirs aufgeben seinetwillen?

 

"Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird es erhalten zum ewigen Leben."

 

Wir leben hier auf Erden in Gottes Schöpfung, leben unter seinen Augen. Diese Welt hat Gott den Menschen anvertraut. Und wir lieben diese Welt, jetzt im Sommer, wenn wir rausgehen können und die Sonne das Gesicht wärmt und die Tage leuchten. Da meint man doch, man kann Gottes Atem durch die Blätter wehen sehen, man kann ihn mit Händen greifen und im Sonnenschein wärmt er selber unsre Herzen.

Diese Welt hat Gott erschaffen, und in manchen Augenblicken meinen wir, Gott ist uns ganz nah.

 

Aber manchmal ist er scheinbar auch unendlich weit weg von uns und unserer Welt.

Wenn wir im Fernsehen Häuser brennen sehen; wenn wir Kinderbilder sehen wo die Kleinen Hungerbäuche haben; wenn wir an einem Krankenbett sitzen und der Mensch hängt an vielen Schläuchen und die Apparate piepen über unsern Köpfen; wenn wir an Gräbern stehen.

 

Manchmal meinen Menschen, dass sie spüren, wie Gott hilft; manchmal nehmen Dinge einen Lauf, dass wir denken, hier kann nur Gott persönlich eingegriffen haben, anders läßt sich diese Wendung nicht erklären. Aber manchmal raufen wir uns die Haare: wie kann Gott das zulassen? warum läßt er uns alleine, warum greift er nicht ein und nimmt die Herrschaft über den Planeten in seine Hände?

 

"Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird es erhalten zum ewigen Leben."

 

Manche von Ihnen wissen das, ich hab Familie, wir leben zu fünft zusammen, mein Mann, die drei Kinder; es rührt sich immer was bei uns, und sobald ich zur Haustür reinkomme von der Arbeit, fallen sie über mich her und wollen erzählen oder spielen oder schmusen oder was zeigen. Ich bin eigentlich nie so richtig alleine, und eigentlich immer muß man sich irgendwie nach den anderen richten, Rücksicht nehmen, sich abstimmen.

 

Hin und wieder, ganz selten, schnappt sich aber mein Mann die Gören und sie setzen sich in den Zug, fahren ein paar Tage zu Freunden. Himmlisch. Diese Ruhe! Die ganze Wohnung gehört mir - ich kann mich in einen Sessel setzen, ohne dass sofort jemand auf mir herumsteigt; ich kann mir ein Wurstbrot machen, ohne dass jemand abbeißen will; ich kann den Fernseher anmachen, und muß nicht Teletubbies anschauen; ich kann ein Buch lesen und keiner quatscht mir dazwischen oder muß mit klebrigen Fingern das Umblättern üben. Ein ganzes Wochenende voller himmlischen Frieden liegt vor mir, und ich finds wunderbar. Ich lese, esse, schlafe, sehe fern, ich bin alleine und finds wunderbar. Aber nicht lang.

 

Dann wandere ich durch die Zimmer. Bück mich nach ein paar Spielsachen, setz die Puppe am Bett richtig hin; ich mach einen Filzstift zu und blättere das Malbuch durch. Julias Teddybär liegt am Boden und ich drück ihn an mich. Es ist so still im Haus. Wie es ihnen wohl geht? wo sie wohl grad sind? Ob sie auch aufpassen aufeinander? Ob sie vorsichtig sind? Hoffentlich kommen sie gut wieder heim. Ich hab Sehnsucht.

 

Und was mach ich jetzt damit?

 

- das ist verschieden. Manchmal krieg ich die Kurve nicht, und ich sitze da mit meiner Sehnsucht und mir fällt nichts besseres ein, als sie zu betäuben. Ich ess dann zu viel, ich langweile mich, hänge rum; ich vertu meine Zeit.

 

Aber manchmal krieg ich die Kurve schon. Dann stell ich mich meiner Sehnsucht und sag, gut, ich mach jetzt das Beste aus dieser Freiheit. Entweder zieh ich los und erhol mich bewußt, Schwimmbad, Ausflug, Freunde treffen, Kino - oder ich nehm mal alles in Angriff, was ich schon längst mal machen wollte. Kinderzimmer aufräumen, damit sich die Mädchen und mein Mann freuen, wenn sie heimkommen - Fahrräder flicken, damit wir bald mal wieder einen Ausflug machen können. Julias alten Teddybären richten, dem die Katja mal den Kopf abgerissen hat und der deshalb seit Monaten im Nähkörbchen schlafen muß statt in Julias Bett.

Und wenn mir nichts mehr einfällt und ich immer noch Sehnsucht habe, schreib ich meinem Mann einen Liebesbrief und mal den Kindern ein Bild oder ich räum meinen eigenen Schreibtisch auf, damit ich am nächsten freien Nachmittag für die Kinder Zeit hab.

 

Und genauso ist es auch mit Gott.

Gott hat uns die Welt überlassen. Gott hat uns in seine Schöpfung gesetzt - und wir finden das wunderbar. Endlich können wir tun was wir wollen. Die Freiheit ruft! Menschen können alles tun, was in ihrer Macht steht; wir müssen uns nicht nach Gott richten. Niemand fällt uns in den Arm, wenn wir Unrecht tun; niemand mischt sich ein, wenn wir mit anderen reden, wenn wir unsere Entscheidungen treffen. Wir sind selbst Bestimmer über unser Leben, können wählen, können einen Beruf ergreifen, einen Partner, eine Partnerin suchen, unsere Freizeit gestalten - wunderbar. Wir sind freie Menschen. Und das hat schon was. - aber - nicht lang.

 

So wie ich am kinderfreien Wochenende durch die Wohnung schleiche, schleichen Menschen durch die Schöpfung Gottes. Pflücken hier eine Blume, streicheln dort eine Katze; kriegen mit, wie gut es tut, wenn sich Menschen mögen, wenn sie sich umeinander kümmern und sich Gutes tun, kriegen mit, wieviel besser diese Erde sein könnte, wenn nicht wir die Herrscher wären, sondern wenn Gott aufstehen und das Regiment in seine Hände nehmen würde.

Und die Menschen - haben Sehnsucht.

 

Sehnen sich nach Gott, sehnen sich nach seiner Nähe - und was tun sie dann damit?

 

Das ist verschieden.

Manchmal kriegen sie die Kurve nicht. Dann sitzen sie da mit ihrer Sehnsucht, und es fällt ihnen nichts besseres ein, als sie zu betäuben. Essen zu viel, langweilen sich, hängen rum; lassen den Fernseher laufen, vertun ihre Zeit, schlagen sie tot. Das muß nicht unbedingt langweilig sein - man kann sich ablenken, kann sich tolle Hobbies suchen, kann sich immer neue Partner angeln, kann das Leben vollstopfen mit Vergnügen oder auch mit Arbeit - nur damit man diese Sehnsucht nicht mehr spürt.

 

Man kann auch mit aller Kraft drum kämpfen, dass man sich wohlfühlt in einer Welt, die fern ist von Gott - dazu räumt man am besten jeden Hinweis auf Gott beiseite. Hängt die Kreuze ab in den Schulen und zuhause, schaut weg, wenn es um Leid geht und um Not; vor jedem Krankenbesuch drückt man sich, den Tod verbannt man in die Altenheime und auf die Intensivstationen und an erster Stelle steht alles mögliche, nur nicht Gott.

 

Das ist gemeint, wenns bei Johannes heißt, das Leben lieben. Wer das Leben liebt, der wird es verlieren - wer das Leben ohne Gott liebt, wer es prima findet, ohne Gott zurechtzukommen, der wird sein Leben verfehlen - der wird es auf Dauer verlieren.

 

Manchmal kriegen wir Menschen die Kurve aber auch.

Und dann nutzen wir die Zeit, nutzen unser Leben hier auf Erden - um bewußt ganz vieles möglichst so hinzukriegen, wie es Gott gefallen könnte. Kümmern uns um unsere Nächsten, denken mit an die, die schwächer sind, orientieren uns danach, was richtig ist, und nicht nur danach, was uns wahrscheinlich am meisten bringt.

 

Manchmal gelingt es uns, dass wir uns unserer Sehnsucht stellen. Wir spüren, dass wir uns nach Gott sehnen, und wir halten das bewußt aus - wir lesen in der Bibel, und damit schüren wir die Sehnsucht ja noch, damit machen wir uns ja erst recht bewußt, dass Gottes Wille so oft nicht passiert in dieser Welt - aber wir suchen dort auch nach Orientierung.

 

Wir wollen Gott mit einbeziehen, wenn wir Entscheidungen treffen müssen, wir gestalten unser Leben ganz bewußt so gut es geht so, dass es Gott gefällt, wenn er wiederkommt. Dabei bleibts nicht aus, dass man da und dort mal schweren Herzens auf irgendetwas verzichtet - aber das hält man aus, weil man hofft, dass es richtig ist.

 

"Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird es erhalten zum ewigen Leben."

 

Sein Leben lieb haben, damit ist gemeint: wer sich in dieser Welt, so weit entfernt von Gott, so richtig wohlfühlt, wer die Sehnsucht nach Gott betäubt, verdrängt und sich ablenken möchte - der verliert den Sinn des Lebens aus den Augen. Wir haben uns ganz am Anfang gefragt: Warum mutet Gott uns unser Dasein hier auf Erden zu? Warum hat uns Gott in diese Welt gesetzt, wo er uns manchmal so weit weg erscheint, wo wir uns oft so hilflos fühlen und uns fragen, warum greifst du denn nicht ein?

 

Denken Sie nocheinmal an das kinderfreie Wochenende in einer jungen Familie. Das ist gut, wenn man sich hin und wieder trennt - wenn man für begrenzte Zeit auch einmal getrennte Wege geht, damit man die Sehnsucht nacheinander wieder spürt. Damit man wieder ganz mit Leib und Seele merkt, was man aneinander hat - und wie sehr man einander doch braucht und einander liebt.

 

Vielleicht steckt hier auch die Antwort auf die Frage: Warum leben wir in einer Welt, wo nicht Gott regiert, sondern Menschen. Wo an allen Ecken und Enden wahrhaftig nicht sein Wort zählt und nicht sein Wille geschieht - sondern Menschen das Sagen haben.

 

Vielleicht hat Gott uns diese Erde anvertraut und uns in diese Welt hineingestellt, damit wir Sehnsucht kriegen - damit wir uns mit Leib und Seele nach ihm sehnen und spüren, was wir an ihm haben - wie sehr wir ihn brauchen und wie sehr wir ihn lieben. "Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird es erhalten zum ewigen Leben."

 

Amen.

 

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