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Neid PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 16. August 2010 um 10:16 Uhr
Lk 15, 11-32
Ps 139, 14

Liebe Gemeinde,

meine allerliebste Kaffeetasse hab ich von Sigrid Zimmermann bekommen.
Darauf steht: "Schön, dass es mich gibt."

Die Botschaft auf dieser Tasse kann ich oft gut gebrauchen.
Ich würde mir wünschen, dass jeder und jede von uns so einen Becher daheim hat und sich jeden Morgen beim Kaffee, auch nachmittags nochmal und abends beim Kamillentee vor dem Einschlafen ganz bewußt vor Augen hält: "es ist schön, dass es mich gibt."

Ich würde das nicht so unverkrampft behaupten, wenn ich das nicht auch in der Bibel finden würde: "Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin!", singt der Beter in Psalm 139, "wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele."

Diese Botschaft ist das wirksamste Gegengift gegen den Neid und hilft uns dabei, anderen das, was sie haben - und wir nicht - von Herzen zu gönnen.

Schreiben Sie sich das auf einen Zettel und machen Sie es zu einem festen Bestandteil Ihres Morgengebetes; denn Sie erkennen damit an, dass Sie Gottes Werk sind. Seine Schöpfung.

Dass Gott irgendeinen Plan verfolgt für Sie und für Ihr Leben - und dass er sich etwas dabei gedacht hat, dass er sie so erschaffen hat, wie Sie eben sind. Unverwechselbar. Und an jenem Platz, an dem Sie heute leben - und vielleicht ganz anders als die anderen.

Und drum sollen wir andere um deren Platz und um das, wo sie ganz anders sind als wir, auch nicht beneiden - und wir tun es doch. Ständig. Oder nicht?

Die Bibel ist voll von Geschichten über den Neid:
Das neunte und das zehnte Gebot.
Kain und Abel.
Josef und seine Brüder.
Jakob und Esau.
Lea und Rahel.
Jakobus und Johannes.
Martha und Maria.

Oder die vom verlorenen Sohn! Wer von uns hat nicht schonmal mit brennendem Herzen zugehört, wenn der ältere Bruder des reuigen Heimkehrers am Schluß starr vor Zorn vor der Tür steht und seinen Vater angiftet: Dieser da hat dein Hab und Gut mit Dirnen durchgebracht! Ich hingegen hab dir jetzt jahrelang tagein, tagaus treu gedient, und du hast mir nicht mal einen Ziegenbock geschenkt, dass ich mit meinen Freunden feiern könnte.
Aber wenn der abhaut und nach Jahren endlich autaucht, dann schlachtest du das Mastkalb und steckst ihm deinen goldenen Ring an den Finger!

Der Vater in der biblischen Geschichte steht für unseren Gott-Vater, und der sagt - in unseren Worten - zu seinem Sohn, "Menschenskind! Was mein ist, ist auch dein! - was willst du denn noch mehr? Mehr geht doch nicht. Und jetzt spar dir bitte deinen Neid und deine Eifersucht!"

Und die Botschaft der Bibel an vielen anderen Stellen ist die gleiche, denken Sie an die Gebote: du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Haus, Vieh, Magd noch alles, was sein ist.

Was ist eigentlich so schlimm am Neid, dass er zu den sieben Todsünden gezählt wird?
Neid ist ein Seelengift.
Neid zerfrisst das Selbstbewusstsein.
Neid belastet und zerstört Beziehungen.
Neid macht unglücklich.
Neid blockiert.
Dem Neidischen fehlt die Lebensfreude.
Neid macht einsam.
Neid kann nie befriedigt werden. Immer haben irgendwelche anderen größere Autos, mehr Erfolg oder sehen besser aus. Das Leben ist nicht gerecht.

Neid ist letztlich Undankbarkeit gegenüber Gott und seinem Plan für mein Leben.  Manchmal ballt man in Gedanken seine Faust und flüstert: „Gott, Du hast bei mir einen Fehler gemacht.“ Neidisch distanziert man sich von Gottes Lebensplan.

Das ist das Schlimme, das ist die Sünde am Neid. Sie trennt von Gott.

"Schön, dass es mich gibt!", tröstet mich statt dessen die Kaffeetasse.
Oder der Psalm.

Gott hat sich etwas dabei gedacht, als er Sie ins Leben rief. Sie sind einmalig, unverwechselbar, unvergleichlich gut. Darum ist es sinnlos sich mit anderen zu vergleichen.

Auch die anderen sind einmalig, unverwechselbar und unvergleichlich gut, auch mit denen hat Gott einen Plan - und vielleicht halt einen völlig anderen als mit Ihnen. Sie können nie so werden wie die anderen, Sie sollen es auch nicht.

Und versucht man es doch, so verbiegt man sich, verdirbt man sich, zerstört man, was Gott gut geplant und gut gemacht hat.

Liebe Brüder und Schwestern,
lassen Sie uns lieber überlegen, was uns hilft mit dem glücklich und zufrieden zu sein, was wir schon haben.

Wichtig scheint mir die Einsicht zu sein, dass das Leben nicht fair ist. Es gibt in dieser Welt keine Gerechtigkeit. So sehr wir uns auch um Gerechtigkeit bemühen, einige werden schon durch die Familie bevorzugt, in die sie hineingeboren werden.

Wir glauben immer, wir hätten ein Recht drauf, das gleiche zu bekommen wie manche andere. Vielleicht ist das gar nicht so. Vielleicht ist das Level, worauf wir alle, und zwar alle Menschen auf Erden, ein echtes Recht hätten, ganz woanders - und wir sind längst meilenweit drüber.

Bedenken Sie auch die „Kosten“ dessen, worauf Sie neidisch sind. Beim Bruder des verlorenen Sohnes sind es die Jahre bei den Schweinen. Die Demütigung, als die Saufkumpane nichts mehr von ihm wissen wollen, sobald das Geld weg war. Der Gedanke an zuhause, die brennende Scham beim Blick auf alles, was er weggeworfen hatte und auf das, was er seinem Vater angetan hatte.

Ob ihn der große Bruder auch um das alles beneidet? Auch bereit wäre, das auf sich zu nehmen, diesen Preis zu zahlen, damit ihn der Vater so schmerzlich vermisst?

Wenn Sie jemanden beneiden, überlegen Sie: welchen Preis zahlt der andere für das, worum ich ihn beneide? Wäre ich bereit, den Preis zu zahlen?

Meistens ist Erfolg mit Entbehrungen und Anstrengungen verknüpft.
Bestes Beispiel sind die Menschen an der Orgel - freilich könnt man neidisch werden, wenn man sie hier spielen hört. Aber wär man auch bereit, stundenlang zu üben, ganz allein in einer leeren Kirche, und hinter einem tropfts durchs Dach in einen Eimer?

Gehen Sie einen Monat in den Schuhen des anderen, entdecken Sie sein ganzes Leben und nicht nur die Glanzpunkte - vielleicht sind Sie dann weniger neidisch.

Ganz bestimmt ist ja die Werbung und das Fernsehen geeignet, einem das Herz schwer zu machen und manchmal auch zu vergiften mit Neid. Dabei muss man gar nicht aussehen wie Heidi Klum, muss nicht cool sein wie der Marlboro-Mann, muss nicht kochen wie Tim Mälzer, muss nicht das gleiche Bier trinken wie Til Schweiger. Mittelmäßigkeit ist keine Schande.

Und wenn Sie schon wissen, dass Sie regelmäßig von brennendem Neid zerfressen werden, wenn Sie sehen, welche teuren Pflanzen die Nachbarin auf das Grab ihrer Angehörigen pflanzen kann, wo es doch bei Ihnen nur zu Bodendeckern reicht und im November zu drei Stauden Erika -

dann gehen Sie Ihren Weg auf dem Friedhof in Zukunft andersrum und machen einen großen Bogen um das beneidete Grab.

Schauen nicht mehr über den Zaun in den Garten, wo die Gladiolen farbiger blühen und die Obstbäume reicher tragen.

Und wenn es Sie wurmt, zu sehen, dass eine andere nach fünfzig Jahren noch immer einen Ehemann hat, der gut zu ihr ist, und Sie sind schon Witwe oder ihre Frau lebt zwar, ist aber den ganzen Tag mürrisch -

dann gehen Sie mal ganz bewußt auf andere zu, die auch keinen Partner mehr haben oder nur eine Knurrige oder eine Zänkische. Mein Mann ist da sicher ganz offen dafür ;-)

Treffen Sie sich zum Kaffee und trinken Sie den aus Bechern, auf denen steht: "schön, dass es mich gibt."

Halten Sie sich die Maßstäbe Gottes vor Augen!
Machen Sie es vor allem ihm recht, als zweites dann vielleicht auch sich selbst - und das reicht.

vielleicht kann man anderen dann auch leichter gönnen.

Nicht die anderen sind Ihr Vorbild. Orientieren Sie sich  an Jesus. Holen Sie ihn in ihr Leben hinein; vielleicht braucht man dann auch manches andere nicht mehr so sehr.
Jesus führt zum Leben zurück. Er schenkt uns Lebensglück, denn er ist die Quelle des Lebens.

Gegen den Neid hilft auch einmal aufzuschreiben was Sie selbst alles können und alles haben. Wie viel Liebe und Anerkennung und Aufmerksamkeit Sie bekommen. Machen Sie sich eine Liste. Sie werden ein ganzes Heft brauchen, um alles notieren zu können.

So oft Sie die Seiten umblättern wird Ihr Selbstbewusstsein gestärkt - und nicht runtergedrückt wie beim Blick über Nachbars Gartenzaun. Auch wenn Sie nicht alles haben, was andere haben, so haben Sie doch alles Entscheidende zum Leben.

Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.

Freuen Sie sich darüber. Falten Sie die Hände, danken Sie Gott dafür, ausdrücklich, von Herzen, mit Worten, mit Liedern, vielleicht auch mal anderen gegenüber - vielleicht wird der Neid im Herzen verkümmern. Oder zumindest erträglicher werden.

"Der Vater redete dem Bruder zu: Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Was mein ist, ist auch dein."

Und wir beten mit Psalm 139: Gott, ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.

Amen
 

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