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Diagnose: Geschöpf Gottes PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Freitag, den 19. August 2011 um 12:20 Uhr

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

erst hat Gott die Israeliten gerettet, aus Ägypten.

Dann hat er ihnen eröffnet:

 

ICH hab euch herausgeführt;

und wenn ihr jetzt und in Zukunft meine Gebote haltet -

dann sollt ihr mein Eigentum sein.

Ein Königreich von Priestern - ein heiliges Volk.

 

Was ist das für ein Szenario?

 

Es ist kein Vertragsangebot.

Auch kein Antrag.

 

Es ist eine Ansage, eine Verkündung -

 

Gott gibt einen feierlichen Beschluss bekannt.

Er sagt:

 

so ist es, so wird es sein;

ich BIN euer Gott,

ihr seid meine Geschöpfe.

 

Und wenn ihr das ernstnehmt und entsprechend handelt, -

 

dann trifft euch mein Zorn nicht.

 

In der Bibel wird diese Aussage, diese Ansage als Bund bezeichnet; das deutsche Wort entspricht dem nicht ganz. Wir stellen uns unter Bund eine Abmachung vor, wie einen Kaufvertrag zum Beispiel, bei dem man frei entscheiden kann, unterschreibe ich? dann muss ich den Kaufpreis zahlen und der Gegenstand gehört mir. Unterschreibe ich nicht? Dann ist gar nichts passiert.

 

So stellt sich der moderne Mensch oft auch das mit der Religion vor. Das kann man haben. Man muß aber nicht. Man kann sich frei entscheiden, kann gläubig sein und kann es genausogut lassen - wir sind ja freie Menschen.

 

Der Bund zwischen Gott und dem Menschen ist aber anders.

Keine beliebige Ansichtssache - hier geht es um die Wahrheit.

 

Gott offenbart sich als Schöpfer.

Und er ist in jedem Falle der Schöpfer, ob der Mensch das glaubt oder nicht.

Ob er unterschreibt oder nicht.

 

Gott offenbart dem Menschen, wer er ist und was der Mensch ist - und er offenbart ihm, was von ihm als Geschöpf erwartet wird. Völlig unabhängig davon, ob das dem modernen, demokratischen aufgeklärten Menschen passt oder nicht.

 

Ich vergleiche das nochmal mit einem Bild aus der Medizin:

es ist ein Gespräch wie zwischen Arzt und Patient.

 

Er eröffnet beispielsweise dem Patienten: du hast die Zuckerkrankheit.

Du solltest dich an diese und jene Vorschriften halten.

 

Aber er zwingt den Patienten nicht.

 

Sie werden nun sagen: ein Geschöpf Gottes zu sein ist keine Krankheit.

 

Natürlich nicht, aber ein Geschöpf Gottes zu sein heißt, nicht selbst Gott zu sein.

 

Geschöpf Gottes zu sein heisst Gott Rechenschaft schuldig zu sein für das eigene Leben - am Ende der Tage, aber auch jetzt schon, in jedem Augenblick eines Lebens.

 

Wir machen die Regeln nicht,

wir sind ihnen aber unterworfen,

 

und dass wir nicht göttlich sind, zeigt sich hauptsächlich darin, dass wir unseren Nächsten nicht so lieben wie uns selbst und dass wir Gott nicht genug lieben, nicht mit all unserer Seele, von ganzem Herzen und mit all unseren Kräften.

 

Deshalb brauchen wir Gottes Gebote.

 

Sie sind die Therapie, wie das Insulin für den Zuckerkranken.

 

Vor einigen Wochen hab ich eine Tafel Ritter Sport Alpenvollmilch dabeigehabt und ein Medikament. Nicht nur Aspirin oder sonstwas harmloses, sondern eins mit einem langen Beipackzettel.

 

Da steht die Indikation, wann dieses Medikament angezeigt ist, und die Dosierung, wie man es nehmen soll, und die Nebenwirkungen und dass man nicht autofahren darf, wenn man es nimmt, und keinen Alkohol dazu trinken.

 

Und ich habe Gott mit so einem Medikament verglichen.

 

Wir alle brauchen das Medikament, denn unsere Diagnose lautet:

wir sind alle Geschöpfe Gottes.

Wir brauchen ihn.

Wir sind von ihm abhängig,

sind auf sein Wohlwollen angewiesen.

 

Gott ist für uns wie ein hochwirksames Medikament für einen schwerkranken Menschen; zur Not mit meterlangem Beipackzettel, die ganze Bibel ist wie ein langer Beipackzettel zu unserem Schöpfer, wo genau drinsteht, wie man sich zu verhalten hat und was man darf und was nicht und welche Nebenwirkungen es gibt.

 

Das klingt ganz bestimmt nicht immer verlockend.

 

Ritter Sport Alpenvollmilch ist viel verlockender, hat überhaupt keinen Beipackzettel.

Da brauchts auch keine Indikation und keine Diagnose - die geht immer, auch wenn man schon satt ist.

 

So ist es auch mit vielen modernen Weltanschauungen.

Sie versprechen Entspannung oder dass man reich damit wird oder glücklich; das klingt verlockend. Aber in Bezug auf die Diagnose, dass wir Gottes Geschöpfe sind, sind sie bestenfalls unschädlich und schlimmstenfalls kontraindiziert, wie die Schokolade beim Diabetes.

 

Das Medikament dagegen klingt nicht halb so verlockend - aber: es hilft.

 

Gott hat Israel erwählt zu seinem priesterlichen Volk.

 

Und Gott hat die christliche Kirche erwählt, zu einem Raum der Gottesliebe und der Nächstenliebe. Nach dem Gottesdienst haben mich immer mal wieder Menschen angesprochen und gesagt, der Sowieso, der fehlt jetzt schon eine ganze Zeitlang, er kommt nicht mehr. Wissen Sie was von dem? Ist der krank?

 

Das ist für mich "Gemeinde". Das hat Gott, denke ich, gemeint, als er uns auftrug, den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

 

Das hat Jesus gemeint, als er gesagt hat, ihr seid meine Freunde, wenn ihr meine Gebote achtet.

 

Wenn Menschen aufeinander achten.

Wenn einer dem anderen abgeht, wenn er nicht kommt;

wenn einer dem anderen nachgeht,

nachfragt,

sich kümmert.

 

Eine andere hat mir dieser Tage erzählt, sie kümmert sich immer um eine Bekannte, besucht sie immer wieder, macht ihr Besorgungen; und der Ehemann spottet drüber.

 

Er sagt: "wer wird sich wohl um dich mal sorgen, wenn du nicht mehr kannst? Meinst du, dass sich dann einer kümmert?" Liebe Brüder und Schwestern, so soll aus Laudate keiner fragen müssen.

 

Wenigstens wir paar Menschen hier sollen einander Brüder und Schwestern sein, sollen tun, was Gottes Gebot uns auferlegt: nämlich Gott lieben und den Nächsten wie sich selber.

 

Schauen Sie rechts und links von sich in der Bank, schauen Sie nach vorne und hinten. Wen sehen Sie da? Kennen Sie den und die, der da sitzt? Mit Namen?

Prägen Sie sich die paar Gesichter ein. Erkundigen Sie sich freundlich: "Darf ich Sie fragen, wie Sie heißen? Wir sehen uns immer in der Kirche; irgendwie gehören wir doch zusammen."

 

Würde der oder die Ihnen fehlen, wenn er mal nicht mehr kommt? Würden Sie nachfragen? Anrufen, hingehen, nach dem Rechten sehen? Unter uns sollte das selbstverständlich sein;

 

noch viel besser würde ich es finden, wenn wir in Gruppen uns jede Woche auch unter der Woche mal treffen würden, um in der Bibel zu lesen wie in der Spurensuche oder im Hauskreis, und dabei nebenbei und doch mit der gleichen Wichtigkeit und Bedeutung aufeinander achten, sich ein bißchen umeinander sorgen und füreinander da sein,

 

ganz wie das Doppelgebot der Liebe es verlangt: du sollst Gott lieben mit all deinen Kräften, von ganzem Herzen und mit all deiner Vernunft, und deinen Nächsten wie dich selbst.

 

Füreinander da sein und sich lieben bedeutet zunächst mal einander kennen, aufeinander zu achten und zu ahnen, was der andere gerade am sehnlichsten wünscht und am meisten braucht.

 

Drum können wir so unendlich dankbar sein, dass Gott sich uns zu erkennen gibt und uns kennt, dass er auf uns achtet und uns möglich macht, ihn zu achten; dass er weiß, was wir uns jeweils grade am sehnlichsten wünschen, was wir am dringendsten brauchen, dass er sich kümmert und dass er uns offenbart, was wir für ihn tun und lassen sollen.

 

Denn so spricht der Herr:

 

Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe, und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht; werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Amen.

 

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