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Jubiläum von evangelischer Kirchenmusik in Garching und Kirchweih PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 01. Oktober 2011 um 09:01 Uhr

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

Brot, Blumen, Gemüse, Getreide und Obst stehen am Altar, liebevoll dekoriert als Symbol für unseren Erntedank - den Ertrag der Felder, der Erde und der menschlichen Arbeit, von dem wir leben - und auch Symbol für all das andere, das wir im Leben ernten und für das wir dankbar sind.

 

Da ist eine Fülle, bei jedem und jeder von uns - Dinge, die aufgeblüht sind und heranreifen konnten, wo unser Leben Früchte trägt, die wir dankbar wahrnehmen und wo wir vielleicht auch auf etwas stolz sind.

 

Und zugleich ist der Herbst, die Erntedankzeit, noch mehr.

 

In die vielen Farben von reifen Äpfeln und Kürbissen mischen sich die Töne der Blätter; im Herbst wechseln die Farben, und unübersehbar leuchten neben den Früchten und der Ernte auch die Hinweise auf den Zerfall. Mancher denkt sicher mit Wehmut daran, dass die strahlenden Tage gezählt sind und wir auf die dunkle Jahreszeit zugehen,

 

wo wir heizen und Laub kehren und schließlich auch wieder Schnee räumen müssen.

 

Beides gehört zum Erntedank. Die reifen Früchte, die auf Ertrag und Ernte hinweisen - sie liegen sozusagen im Erntedankkorb unmittelbar neben den bunten Blättern, - und die weisen hin auf den Wechsel der Farben, der Jahreszeiten, das Ende des Kirchenjahres - auf Zerfall.

 

Wir feiern heute Chorjubiläum und Kirchweih.

Legen sozusagen 50 Jahre evangelische Kirchenmusik in Garching und 30 Jahre Laudatekirche mit in den Erntedankkorb.

 

Einer wäre besonders berufen, das für uns zu tun, Ihr Gründervater Klaus Rückert;

er kann heute nicht kommen,

aber er hat einen Gruß geschickt,

und den möchte ich Ihnen jetzt vorlesen.

 

Liebe Frau Frowein,

 

es tut mir sehr leid, dass ich am

2.Oktober nicht mit der Garchinger Gemeinde feiern kann.

 

Ich bitte Sie aber, auf diesem Weg die Garchinger Gemeinde sehr herzlich

von mir zu grüßen. Ich denke immer noch gerne an den tollen

partnerschaftlichen Prozess zwischen Kirchenvorstand, interessierten

Gemeindegliedern und Herrn Henzler, dem Architekten, zurück, in dessen

Verlauf die Laudatekirche so entstanden ist, dass sie nicht nur den

künstlerischen Ideen des Architekten, sondern auch den Wünschen und

Bedürfnissen unserer Gemeinde entsprach.

 

Das war damals - so viel ich

mich erinnere - ziemlich einmalig innerhalb der bayerischen Landeskirche.

Besonders gerne denke ich an unsere gemeindliche Aktion zurück, den

Kirchturm und die Vorhofmauer in Eigenregie zu bauen. Es war toll, dass

wir das mit der Planung von Lothar Scheske und dem enormen Einsatz von

Mathias Schuster samt vielen Helfern aus der Gemeinde innerhalb von 1

1/2 Jahren mit viel Wochenendarbeit geschafft haben. Die Laudatekirche

ist dadurch auch heute noch ein Schmuckstück, in dem ich immer wieder

gerne zu Gast bin.

 

Und dann gibt es ja noch das Jubiläum der Garchinger Kantorei, in der

ich von Anfang an mitsingen durfte. Sie ist Anfang der siebziger Jahre

aus kleinsten Anfängen entstanden. Als ich Garching 1983 verließ, war

aus dem kleinen Häufchen ein großer Chor mit mehr als 50 Sängerinnen und

Sängern geworden, dessen Qualität weit über Garching hinaus bekannt war.

 

Dass dies möglich war, ist das Verdienst von Erika Brüsch, unter deren

Leitung die Kantorei so aufblühte. Mit ihrer Musikalität und mit ihrer

herzlichen, gewinnenden Art lockte sie viele gute Sängerinnen und Sänger

an und steigerte ständig die musikalische Qualität des Chores.

 

Nicht zu

vergessen bei diesem Aufblühen sind aber Horst, ihr Mann, im Tenor und

ihre Kinder:  Elke im Sopran, Volker im Tenor und Hartmut im Bass. Mit

Ilse, ihrer Schwester im Alt, und mir als zusätzlichem Pseudo-Bass (weil

Bariton) stand damit bereits im Kern ein kleiner Chor. Und dann war da

ja noch der unvergessene Herr Pohl, der immer mit dabei war, und viele

andere, die heute sicher auch da sind ...

 

Ich will es nicht zu lang machen und breche deshalb ab. Ich gratuliere

der Garchinger Kirchengemeinde zu ihrer 30jährigen Laudatekirche und der

Kantorei zu ihrem Jubiläum. Ich wünsche, dass beide auch weiterhin zum

Wohl der Gemeinde stehen und bestehen.

 

Herzliche Grüße - auch von meiner Fau - an alle, die heute da sind und

feiern,

 

Ihr / Euer    Klaus Rückert

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

viele Menschen haben die Geschichte der Kantorei mitgeprägt;

Karl Lauss, Elhard Jacobs, Erika Brüsch, Hille Losekamm, Frank Müller, Markus Langer, Marcus Sterk, Franz Wagner; es gab Kooperationen mit anderen Chören, vor allem auch dem von St Severin, mit anderen Kantoreien, es gab Freizeiten, Kinderchor, Bläsergruppen, Instrumentalensembles, es gab Serenaden, Abendmusik, Festgottesdienste, Kammerkonzerte und vieles mehr.

 

Wer sich an Sternstunden im eignen Erleben mit der Kantorei zurückerinnert,

 

vielleicht aber auch an die Stimmung beim Kirchbau, beim Wochenendeinsatz draußen am Turm, wo man miteinander gemauert und geschwitzt hat, wo die Jugendlichen im Turm übernachtet haben, ehe die Glocken reinkamen,

an die Gründerzeiten dieser Gemeinde

 

- der erinnert sich an das dankbare Gefühl, vielleicht auch die Euphorie und die Bestärkung, ja, Gott meint es gut mit uns, wir sind im Aufwind, wir sind am richtigen Weg, es liegt Segen auf dem, was wir tun.

 

Auch in der Gegenwart gibt es solche Sternstunden,

wenn die Kirche so voll ist, beim Adventsansingen, bei Familiengottesdiensten und Konfirmationen, bei den Gemeindefreizeiten, bei der Grundsteinlegung für den neuen Kindergarten, wo demnächst Richtfest gefeiert wird, bei Konzerten draußen am Campus mit unserem Chor und dem der Studenten,

 

wenn die Kinder erfüllt und dreckig und müde vom Zeltlager kommen, wenn die Jugendlichen durchs Haus toben, sich im Advent früh um halb sieben schon viele in der dunklen Kirche versammeln zum Morgengebet oder wenn die Senioren den Saal drüben füllen bis auf den letzten Platz, um Dias zu sehen oder einen Vortrag zu hören;

 

wir denken an das Bibelwort, dass man den Menschen an seinen Früchten erkennen soll, und fühlen uns bestärkt und bestätigt. Und das darf auch sein, das ist ein wichtiges Element von Erntedank und dankbaren Leben aus Gottes Hand.

 

Aber das Evangelium sagt uns noch mehr.

 

Wir sind nicht nur eine Institution, die Erfolg haben soll, Zulauf, Zuspruch und ein volles Haus; wir sind nicht nur eine Schar von Menschen in den Blütejahren, den Sternstunden unseres Daseins. Wir leben vom Evangelium, vom Wort Gottes -

 

und Sie alle kennen seine Botschaft.

 

Jesus Christus kam und hat die Liebe gepredigt, auch vorgelebt und verschenkt,

und dazu hat er die Seinen beauftragt.

 

Jesus, auch Paulus später in seinen Briefen an die Gemeinde, hat nicht nur die Erfolgreichen bestätigt, nicht nur alle aufgefordert: jetzt strengt euch mal an, stellt etwas auf die Beine und zeigt, was ihr könnt! Dass wir die Besten sind. Dass wir unsere Kirche zum Wachsen und Blühen bringen.

 

Sondern Jesus und Paulus ging es um Gott und um den einzelnen Menschen.

Der Jesuit Ansgar Wiedenhaus hat es so formuliert:

 

"Gott möchte sein Lächeln auf möglichst vielen Gesichtern spazierentragen. Seine Trauer über das Leid braucht unsere Tränen; sein Versprechen von Nähe und Heil braucht unsere Stimmen. Seine Größe zeigt sich darin, dass er die Menschen lieben kann, wie sie sind, und nicht, wie sie vielleicht sein müssten."

 

Gott hat uns nicht versprochen, dass ewig Blütezeiten sind, dass immer Erntezeit ist und reiche Frucht; aber er hat uns versprochen, dass er seinen Bund hält und bei uns ist an allen Tagen.

 

Aus Blütezeit und Erntegaben leuchten Gottes Augen, das bestimmt,

 

- und sie leuchten auch aus den Zeiten, in denen sich die Farben ändern.

 

Und diese Momente kennt jede Phase der Kirchengeschichte, jede Phase auch der Geschichte dieser Gemeinde, jede Phase der Geschichte unseres Chores und der Gemeinschaft unserer Mitchristen:

 

Momente des Zerfalls, Momente des Scheiterns, des Unfriedens auch, Momente von Leid und von Misserfolg,

 

Momente am Friedhof wie die Beerdigung von Mathias Lang am vergangenen Donnerstag.

 

Und auch darin leuchten Gottes Augen über uns in Liebe und in der Verheißung von ewigem Leben:

 

aus den Tränen der Trauernden;

aus den alten Händen, die nicht mehr die Maurerkelle schwingen,

aus den offenen Händen derer, die kommen und um eine finanzielle Unterstützung zum Leben bitten,

aus den Inkubatoren, in denen ganz kleine Menschen um ihr Leben kämpfen,

 

und all den anderen schweren Stunden, die Sie durchgemacht haben und immer mal wieder durchleiden müssen.

 

Im großen Erntedankkorb Gottes liegen diese Stunden mitten unter allen Früchten,

 

liegen diese schweren Stunden direkt neben den Blütezeiten,

 

und aus Gottes Händen nehmen Menschen beides

 

und wir sind Gott im einen ganz genauso nah wie im anderen.

 

Das ist der große, der eigentliche Trost des Erntedankfestes und auch des Bibelwortes für den heutigen Tag aus den Klageliedern des Jeremia.

 

Ein wunderbares, großes Trostwort, gesprochen mitten aus den Trümmern der Stadt Jerusalem und im Angesicht der großen Katastrophe des Volkes Israel,

 

gesprochen aber eben auch im dankbaren Bewusstsein, dass Gott dieses Volk erwählt hat und ihm die Treue hält, ganz egal was kommt.

 

Dieses Trostwort stellen wir über unseren Jubiläumssonntag heute und über die Geschichte von Kirchbau und Kantorei, in den letzten 30, 50, 100 Jahren und für alle Zukunft bis zum Ende dieser Erde:

 

Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Und der Friede Gottes...Amen.

 

 

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