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Predigt zur Konfirmation: Süsser die Glocken nie Klingen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 12. Oktober 2017 um 14:11 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

die Sonne lacht über dem Luegsteinsee; achtzehn Jugendliche aus Garching verbringen dort mit ihren Leitern eine Konfirmandenfreizeit; eben räkelt sich Katja in einer Fensternische und traktiert ihre Freundin Finja mit Bibel-Quiz-Fragen, während ihr Finja gleichzeitig die Haare macht und ihr kleine Plastikspinnen in die Frisur hinein fummelt.

Simon schreitet, ein buntes Handtuch lässig um die Hüften geschwungen, durch den Matsch vor dem Haus zum Ufer, um dort hinter Amelie und Denise elegant ins eiskalte Wasser zu hechten, wo bereits Alina mit zwei anderen auf dem Board paddelt und überlegt, ob sie Timo retten sollen, der mitten im See auf seiner winzigen Plattform steht und erbärmlich friert - da

durchschneidet der helle Klang einer Glocke die freundliche Herbstluft.

Sie ruft die Konfis zur nächsten Unterrichtsstunde.

Typisch Glocke, sie kann gar nichts dafür.

Dazu sind Glocken da, die kleine - genauso wie ihre riesengroßen Schwestern am Kirchturm;

sie unterbrechen, sie stören oft auch (- wohnt hier jemand in der Schleißheimer Straße?...ich hatte schonmal Anwohner, da haben Jugendliche die Kirchenglocken mit Bauschaum zugesprüht, damit endlich Ruhe war...);

Glocken alarmieren; (alte Dörfer haben ja oft noch eine Feuerglocke);

Glocken rufen die Gemeinde zusammen, zum Gottesdienst in die Kirche, sie rufen zum Gebet, und

sie symbolisieren ganz allgemein durch den lauten, klaren, aufsteigenden Klang über unseren Köpfen die Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Und das sollt ihr mitnehmen von dieser Festpredigt heute zu eurer Konfirmation:

Wann immer ihr in Zukunft Kirchenglocken hört, hier in Garching oder sonst irgendwo auf der Welt - dann soll euch eure Konfirmandenzeit einfallen.

Die Sonntage, die beiden Freizeiten (eine am Anfang, eine am Höhepunkt), und nicht zuletzt die Einsegnung heute, wenn wir euch die Hände auflegen:

Gott drückt euch fest an sein Herz, und die Glocke läutet und symbolisiert die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch.

Wann immer ihr eine Glocke läuten hört, sollt ihr kurz diese Erinnerung herholen und spüren, wie Gott euch durch diese Erinnerung an sich drückt, wie eine gute Freundin, ein guter Freund, beiläufig, liebevoll, herzlich, und euch den Rücken stärkt.

Und wie ich euch mit der kleinen Glocke gerufen hab, gesammelt habe, um mit euch und für euch über den Glauben zu reden, oder um Gottesdienst mit euch zu feiern -

so sollen euch auch in Zukunft die Kirchenglocken rufen:

zum Gottesdienst, oder dass ihr immerhin, da, wo ihr gerade seid, einen Moment über euren Glauben nachdenkt - und damit die Verbindung haltet zwischen Himmel und Erde.

Gott möchte beraten und möchte Orientierung geben und Halt;

dazu müssen wir Menschen auch hinhören und die Ohren spitzen, ob wir in dem Glockenklang außer Lärm und Ruhestörung noch etwas anderes erlauschen:

die Stimme Gottes?

eine Warnung vielleicht vor einer falschen Entscheidung?

eine Mahnung, nicht nur auf der Erde zu leben, sondern auch an den Himmel zu denken,

an Liebe und Treue, an höhere Werte, an den tieferen Sinn unseres Lebens?

Die Glocken oben im Turm oder da am Altar sind aus Metall.

Menschen sind nicht aus Metall, und trotzdem:

auch wir Menschen selbst haben was gemeinsam mit Glocken.

(Eins liegt auf der Hand:)

Auch so ein Haufen Konfirmanden kann wahnsinnig laut sein;

sie können gscheit in Schwingung geraten;

und so ist es doch auch, ihr habt eingeladen, eure Familie und eure Freunde,

wie Glocken mit ihren Läuten,

und viele sind daraufhin gekommen:

eure Familien nehmen ja ganz offensichtlich euer Fest heute zum Anlass, sich zu versammeln, als eure persönliche Festgemeinde - und Verbindung aufzunehmen zwischen Himmel und Erde. Zu singen und zu beten, für euch zu beten, vielleicht aber auch für sich selbst und andere,

über den Glauben nachzudenken, ganz ähnlich, wie wir es auch in den Gesprächen im Konfirmandenunterricht getan haben.

Das habt ihr mit eurer Einladung bewirkt. Ihr wart sozusagen menschliche Glocken.

Eine Glocke kann immer nur ein und denselben Klang von sich geben, ist gestimmt auf eine Tonhöhe, das ist bei Menschen natürlich anders; mal

seid ihr eher schrill und penetrant wie eine chinesische Fahrradglocke,

mal klingt ihr eher klein und verzagt wie das Glöckchen am Schokoladennikolaus - in der Konfiprüfung vielleicht oder beim ersten Date mit der großen Liebe?

Manchmal klingt ihr auch ganz klar und rein und fast warnend und drohend, wie die Anna-Lena, wenn jemand ihren kleinen Bruder in der Schule blöd anredet,

oder wie der Xaver, wenn er hier vorne steht und den Wochenspruch vorliest, so souverän, als tät der den ganzen Tag nichts anderes.

Ihr habt wunderbar zusammengeklungen, als ihr auf der Freizeit beim Gottesdienst auf dem Steg am See mit der großen Anna und der Franzi und der Sarah gesungen habt;

ihr klingt hoffentlich wunderbar zusammen, wenn ihr nachher das Glaubensbekenntnis miteinander sprecht, und ihr habt hoffentlich immer wieder mal Lust, mit eurem ganz unverwechselbaren Klang einzustimmen in das Glockenkonzert eurer Kirchengemeinde.

An Weihnachten - bei der Konfirmation von Geschwistern vielleicht - bei eurer Hochzeit - bei der Taufe eurer eigenen Kinder - und vielleicht auch zwischendrin immer wieder mal, einfach so.

Erich Kästner dichtet:

Wenn im Turm de Glocken läuten, kann das vielerlei bedeuten,

erstens: dass ein Festtag ist. Dann, dass du geboren bist; drittens, dass dich jemand liebt, viertens, dass es dich nicht mehr gibt...

Wenn Glocken klingen sollen, müssen sie angeschlagen werden und ins Schwingen kommen.

Am Ende der Freizeitwoche haben mir alle Konfis einen Brief schreiben müssen, warum sie sich konfirmieren lassen, was sie ins Schwingen bringt, so dass sie heute hier feiern möchten.

Jetzt könnte man spotten und sagen, mei, klar, süßer die Kassen nie klingeln,

und ich find das auch legitim, wenn man sich freut, dass man Geschenke kriegt;

jetzt seid ihr keine kleinen Kinder mehr,

jetzt traut man euch zu, auch mit größeren Geldbeträgen und teuren Geschenken umzugehen und verantwortungsvoll und bewusst zu handeln. Auch das sieht man an den Geschenken. Dass man euch etwas zutraut und euch vertraut.

Die allermeisten schreiben aber genauso, dass sie auch ihren Glauben stärken möchten durch den Segen heute und dadurch, dass andere miteinander gezielt und konkret für sie beten;

und: Alle (!) freuen sich, dass sie von ihren Familien gefeiert und geliebt werden.

Das möcht man manchmal vielleicht gar nicht glauben, jedenfalls nicht immer,

angesichts dieser coolen jungen Erwachsenen,

angesichts mancher Debatten und Konflikte vielleicht,

sie alle hängen mit zärtlicher Liebe und Dankbarkeit an ihren Eltern, an ihren Geschwistern;

und auch wenn sie es nicht immer zugeben würden:

sie sind unglaublich froh, dass sie Sie haben.

Auch das schwingt am heutigen Festtag mit,

auch das ist ein wichtiger Klang im Glockenkonzert des heutigen Festes.

Legen Sie als Familien, wir als Gemeinde deshalb das Leben dieser jungen Menschen, eure Zukunft und alle Wege, die vor euch liegen, voller Vertrauen in Gottes Hände.

Er hat euch geschaffen, hat euch wunderbar geschaffen.

Er ist treu.

Er wird zu euch stehen,

und das Gute, das er begonnen hat, vollenden.

Er segne euch. Amen.

Und der Friede Gottes....

 

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