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Predigt Islam PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 11. Juni 2018 um 10:01 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

der Herr Cumani vom städtischen Integrationsbeirat hatte eingeladen zum Fastenbrechen.

Die CSU hatte abgesagt - Pfarrer Ljubisic hatte zugesagt.

Ich kenn mich mit dem Islam nicht aus;

Aber die Sure 4,34 kenn ich: der Mann steht über der Frau.

Und die Sure 4,11: ein Sohn erbt grundsätzlich doppelt so viel wie eine Tochter.

Ich weiß, dass der Koran Körperstrafen befürwortet, die Trennung von Kirche und Staat für sich ablehnt und eine neue Weltordnung unter muslimischer Führung für eine göttliche Verheißung hält.

Jetzt halt ich die Einladung in Händen zu einer Feier im Zusammenhang muslimischer Religionsausübung.

Geh ich da hin oder nicht?

Ich war fünf Jahre lang Pfarrerin in der Paul-Gerhardt-Gemeinde in München;

ein Teil der Gemeinde ist stolz drauf, evangelikale Richtungsgemeinde zu sein,

und diesem Teil der Gemeinde war ich entschieden zu liberal.

Immer wieder wurde von anderen drüber dikutiert und auch geurteilt, ob ich fromm genug bin.

Ob ich als Frau genauso würdig und wichtig bin wie ein Mann.

Ich wollt da drüber eigentlich nicht mehr diskutieren, nie wieder! - aber im Umgang mit dem Islam stellt sich diese Frage,

und wir haben viele muslimische Mitbürger, Menschen, die dem Islam angehören.

- Der Islam versteht sich als ausgestattet mit einem universellen politischen und moralischen Auftrag: eine neue Weltordnung unter islamischer Führung.

Eine Weltordnung unter Gottes Gesetz und Gebot, nicht unter Menschengesetz.

So verstanden kann sich der Islam der Demokratie gar nicht unterordnen:

Denn Demokratie ist von Menschen gemacht.

Sie möchte, sie braucht die Autonomie des Denkens der Bürger, braucht kritische, mündige Bürger,

die die Regierungsarbeit und auch die Religionssysteme aus kritischer Distanz zu hinterfragen in der Lage sein dürfen müssen.

Ich hab im Studium die Methoden der historisch-kritischen Exegese gelernt: wie untersucht man die biblischen Texte, so dass man die Inhalte in den Kontext ihrer Entstehungszeit einordnen, sie im Zusammenhang damit verstehen und damit auch angemessen übertragen kann in die heutige Zeit?

Geht das mit dem Koran auch? Er versteht sich als ein unantastbares Manifest.

Kann ich also sseine Gewaltpassagen, seine demokratiefeindliche Grundhaltung in den historischen Kontext setzen? sie deskriptiv verstehen statt normativ, sie eventuell relativieren, so wie das mit der Bibel gemacht wird, in größter Selbstverständlichkeit,

und nicht nur von den Kritikern, sondern von jedem ordentlich ausgebildeten, examinierten Theologen?

Wer entscheidet das, was gepredigt wird`?

der, der in der Moschee predigt, oder der, der den Prediger und den Moscheeverein finanziert? wo auch immer er im Ausland angesiedelt ist?

oder doch die freiheitlich-demokratische Grundordnung?

In welchem Verhältnis stehen die zueinander?

Mohamed war geistiges Oberhaupt der Gemeinde,

aber auch Staatslenker,

er war Finanzminister,

Feldherr,

Richter,

Gesetzgeber;

Religion und Ökonomie ist gemischt mit Legislative, Judikative und Exekutive, eine Säkularisierung ist gar nicht vorgesehen.

Mohamed ist religiöses, moralisches und politisches Vorbild.

Trennung von Religion und Staat? Demokratie? gar nicht wünschenswert, gar nicht denkbar

 - in Indonesien funktioniert es, wie machen die das?

Darf da eine muslimische Frau einen Christen heiraten, einen Juden, einen Nichtgläubigen? Darf man da - gesellschaftlich und politisch gesehen, nicht vom Standpunkt der Religion,

Sex haben, ohne Trauschein? Moslems mit Christen, mit Nichtreligiösen?

darf man Alkohol trinken? Kleidervorschriften nach eigenen Vorstellungen umsetzen? Ist dort das islamische Familienrecht außer Kraft gesetzt, wie etwa die eingangs zitierte Erbvorschrift, dass männliche Erben grundsätzlich doppelt so viel erben wie weibliche?

Oder gibt es eine Paralleljustiz für Muslime?, mit Friedensrichtern und mit Gesetzen, die nicht von Menschen, sondern von Gott gesetzt sind? und deshalb auch nicht verhandelt, verändert, außer Kraft gesetzt werden dürfen?

Als evangelische Christen hoffen wir auf Vollendung in Gott als Ziel des Lebens.

Wir unterscheiden zwischen dem religiösen Verhältnis des Menschen zu Gott und der politischen Verantwortung für die Welt.

Die Trennung bewahrt den Staat davor, hindert ihn geradezu daran, seinen Gesetzen religiöse Weihe zu verleihen. Denn dann lassen sich ja Irrtümer nicht korrigieren: weder Staat noch Kirche sind gefeit vor Irrtümern. Und weder Staat noch Kirche dürfen Herrschaft beanspruchen über das Gewissen des Menschen oder gar Unterwerfung fordern.

Ich weiß gar nicht, ob es wirklich immer handfeste theologische Argumente sind, die junge Leute grad auch hier in Deutschland am Islam anziehen. Junge Menschen aus Einwandererfamilien, die hier geboren sind und hier aufgewachsen; und die mit Recht hier ihre Heimat haben möchten.

Sie möchten die gleichen Chancen haben: in der Bildung, am Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche; sie möchten hier anerkannt sein, auch innere Heimat haben, sich entfalten und mit gestalten und Einfluss haben.

Das gelingt nicht immer.

Aus vielerlei Gründen, oft ist es die Sprache,

oft ist es die Auseinandersetzung mit der Leistungsgesellschaft, dem Kapitalismus;

suchen Sie doch die muslimischen Kinder in unseren Schulen.

Sie finden welche am Gymnasium, in der Realschule. Und Sie finden welche in der Mittelschule.

Und das hat keine genetischen Grüne, sondern ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.

Und wenn ich mich nicht willkommen fühle, mich benachteiligt fühle - kapsle ich mich ab.

Dann "will" ich auch nicht dazugehören.

Dann betone ich das, wo ich anders bin, betone es, übertreibe es vielleicht auch.

Ganz bestimmt betone ich dann nicht die Gemeinsamkeiten,

auch nicht in der Spiritualität oder in der Ethik, da gäbe es natürlich auch beim Islam und dem Christentum eine Menge.

Sondern ich betone das, was ich habe und die anderen nicht: ich bin deutsch, ja, ich bin Europäer, das auch, das sind die anderen auch, aber: ich bin Moslem, das sind die anderen nicht! Das zeichnet mich aus. Das macht mich besonders, und das ordnet mich einer Gemeinschaft zu.

Und ich bin vielleicht wirtschaftlich und politisch unterlegen, aber moralisch bin ich überlegen, denn der Koran sagt, die Muslime sind die beste Gemeinschaft, die Gott je unter der Menschheit hervorgebracht hat.

Dieses Verständnis verhindert natürlich Dialog und Reform.

Die Fremdheit in einer Gesellschaft kann - muss nicht, kann aber - im Gegenteil besonders konservativ machen und besonders empfindlich und empfänglich für Tradition, für Traditionelles und die Bewahrung.

Ich weiß nicht , wie es die unter Ihnen erlebt haben, die aus Rumänien nach Deutschland übergesiedelt sind; spielte das eine Rolle? Das Wir-Gefühl der Siebenbürger in der Gesellschaft hier?

ich bin Christ; Ich bin deutsch. Das sind die anderen auch.

Aber: ich bin aus Siebenbürgen. Das sind die anderen nicht, das verbindet uns als eine Gemeinschaft, die zusammengehört, innerhalb der Gesellschaft..?

Beim Islam ist die religiöse Deutungshoheit zentralisiert. Und zwar in politisch gesteuerten Institutionen - und die sind eingebettet in ein Unterdrückungssystem der staatlichen Religionsbehörden:

In Ägypten, in Saudi-Arabien, Marokko, in der Türkei, im Iran und in Pakistan;

der Islam fordert Unterwerfung, und jede Öffnung und Aufklärung bringt Despoten ins Wanken.

Da hilft noch so viel guter Wille vom Garchinger Integrationsbeirat nichts.

Sondern? was hilft?

* Es hilft, wenn Moscheevereine unabhängig werden vom Ausland, zuallererst wirtschaftlich und sprachlich und personell und von der Ausbildung und vom Ausbildungsstandard her;

* es hilft, wenn der Körperschaftsstatus nur dann verliehen wird, wenn der Verfassungsschutz keine Bedenken haben muss,

* es hilft, wenn Moscheevereine Lizenzen brauchen, die an staatliche Aufsicht gekoppelt sind, und

*wenn es keine Paralleljustiz geben darf: keine Friedensrichter und keine Gesetze, die für Moslems gelten und für andere nicht oder andersrum.

Mit einem Islam, der in Freiheit das Leben der Menschen auf Gott hin ausrichtet, feiere ich auch gemeinsam Fastenbrechen,

so wie übrigens, das wollt ich Herrn Gruchmann dringend ans Herz legen, und zwar als ökumenisch gesinnte evangelische Christin, meines Wissens noch nie der Verfassungsschutz alarmiert wurde anlässlich der Fronleichnamsprozession.

Keinen Millimeter bin ich bereit, abzugehen von der erreichten Gleichberechtigung zwischen den Menschen der verschiedenen Geschlechter und der Unantastbarkeit der Menschenwürde;

und da verläuft die Trennlinie nicht zwischen Moslems und Christen, sondern zwischen Demokraten und Demokratiefeinden.

Wir haben viel erreicht und viel zu verlieren, und ich möchte nicht in einer Weltordnung leben, die von der muslimischen Gemeinschaft geführt wird.

Auch dann nicht, wenn die Moslems glauben, dass Gott ihnen das versprochen hat.

Ich möchte in aller Freiheit und in Frieden mein Leben auf Gott ausrichten,

und ganz ganz viele Musliminnen und Muslime möchten das auch.

Und ob ich in den Himmel komme oder nicht - darüber befindet nicht der Imam, auch nicht Mohamed, sondern alleine Gott. Ich zitiere:

"Keiner kann entscheiden, wer in Gottes Glückseligkeit aufgenommen wird!"

Sure 22, Vers 17.

Amen.

 

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