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Brot des Lebens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sabine Brand-Lehmann   
Dienstag, den 02. April 2019 um 10:02 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

kleine Kinder stecken alles in den Mund.

Später werden sie dann wählerischer; auf der Konfifreizeit haben wir die Vegetarier und die Veganer, die Laktoseintoleranten und die Glutenfreien, aber essen müssen sie alle!

Und schon im Alten Testament wird das Wort Gottes mit Essen und Trinken verglichen, um deutlich zu machen, wie dringend wir alle Gottes Wort brauchen. Das muss man wissen - dann versteht man, was Jesus meint, wenn er sagt, "ich bin das Brot des Lebens": das soll heißen,

ich, Jesus, bin jetzt dieses Wort Gottes. Nicht als Buch oder als Sendschreiben,

sondern als Person Jesus Christus.

Nicht das Brot wird am Altar auf geheimnisvolle Weise Leib Christi - (die Hostie verwandelt sich in Fleisch) - sondern in Jesus Christus ist das Wort Mensch geworden, ein Mensch aus Fleisch und Blut nährt uns, füttert uns mit Gottes Wort. Nicht Brot wird zu Fleisch, sondern Fleisch wird zu Brot.

Durch dieses Bild mit dem Brot spricht uns Jesus auf unsere Bedürftigkeit an. Auf unsere menschliche Natur, unsere menschlichen Bedürfnisse. Wir sind alle immer wieder traurig, brauchen alle immer wieder mal Trost. Wir sind alle immer wieder mal krank, brauchen alle immer wieder mal einen Arzt. Wir machen alle immer wieder mal Fehler, brauchen Nachsicht, und wir sind alle immer wieder hungrig und brauchen was zu essen,

und genauso brauchen wir alle Gott, immer wieder, lebensnotwendig, und von Jesus kriegen wir das, was wir von Gott brauchen.

Wir brauchen Gott zum Leben genauso notwendig wie Nahrung.

Ums Essen machen sich ja viele unglaublich Gedanken. Bio oder nicht, Palmöl, Farbstoffe, Glutamat, Allergien, Vollkorn, Kalorien, Gelatine, Süßstoff, auf was man nicht alles achten soll! Da stehen die Leute im Supermarkt und studieren die Zutatenliste, und wenn man jemanden drauf anspricht, hat man ein Gesprächsthema für die nächste Viertelstunde. Mindestens.

Pfarrer dürfen über alles predigen, nur nicht über zehn Minuten! Ich bin a bisserl neidisch auf den Eifer, mit dem sich die Leute Gedanken ums Essen machen. Ob die sich genauso viel Gedanken um Gott machen?

Verlassen wir in Gedanken den Supermarkt, gehen wir in die heimische Küche. Viele kennen diese Hemmschwelle beim Aufräumen von Essensresten: Essensreste wirft man nicht weg! Ein Kanten Brot, auch wenn er schon hart ist, den schmeisst man nicht einfach weg, schon gar nicht, wenn man selber Zeiten im eigenen Leben durchgemacht hat, wo es nichts zum Essen gegeben hat und wo man gehungert hat.

Mindestens genauso respektvoll sollten wir mit dem Glauben umgehen: den wirft man nicht weg. Den lässt man auch nicht einfach alt werden. Und selbst wenn da nur noch ein Rest ist, trocken und hart und man beisst sich die Zähne dran aus - einfach in den Müll? kommt nicht in Frage.

"Ich bin das Brot des Lebens!", sagt Jesus, Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

Nächstes Wochenende fahren wir in die Langau; da wird viel gesungen und mit den Kindern gespielt, spazierengehen und miteinander essen werden wir auch, aber wir setzen uns auch zusammen und befassen uns mit unserem Glauben. Mehrfach täglich. Wir lesen ein paar Verse aus der Bibel, wir tauschen uns drüber aus, ringen um das rechte Verständnis, erweitern den eigenen Horizont um die Sichtweise eines anderen -

das ist eine Beschäftigung wie mit dem täglichen Brot, das man ja auch miteinander teilt, es bricht, den Duft genießt, es zerbeisst und zerkaut, es sich einverleibt, daraus Kraft zieht - man lebt davon. Und man besorgt sich immer wieder Nachschub.

Ich denke, auch daran hat Jesus gedacht, als er seinen Jüngern gesagt hat, sie sollen Abendmahl miteinander feiern. Ich glaube, damit war mehr gemeint als nur das Sakrament am Altar. Ich denke, damit war ein komplettes Gemeindeleben gemeint, wo man sich umeinander bemüht, sich umeinander sorgt, sich bemüht, einander zu verstehen, wo man einander hilft, miteinander teilt und füreinander da ist. Im Alltag - und im Bezug auf den Glauben.

Nie war es leichter, an die Geschichten und Worte aus der Bibel zu kommen. Man muss sie noch nicht mal kaufen und aufschlagen, ich brauch mit den Konfirmanden nicht mehr das komplizierte System aus Buchangabe, Kapitelzahlen und Verszahlen zu üben: Man findet alles im Internet, es gibt sogar eine App! und ganz viele kennen die simpelsten Jesus-Geschichten nicht.

Ganz viele könnten mir nicht erklären, warum etwa der Zwang zum Kopftuch mit dem evangelischen Glauben ganz sicher nicht zusammenpasst. Oder warum es für uns undenkbar ist, dass ein Mensch, nur weil er besonders fromm ist und besonders viel Theologie studiert hat, angeblich näher am lieben Gott dran ist oder besser geeignet ist, die Messe zu halten oder das Abendmahl einzusetzen:

und zwar ganz einfach, weil unser Glaube Brot des Lebens ist. Schwarzbrot. Wenn man ein Mensch ist, wird man immer wieder hungrig, und man isst das Brot des Lebens und wird davon aber nichts besonderes oder etwas heiligeres, sondern man tut das, was ein Mensch eben tut: seinen Glauben mit Leib und Seele genießen, sich das Wort Gottes einverleiben und sich mit dem stärken, was uns unser Schöpfer eben zum Leben gibt.

Jesus sagt dieses "Ich bin das Brot des Lebens" nicht nur beim letzten Abendmahl, sondern er sagt es nach der Brotvermehrung, als er gerade fünftausend Leute satt gemacht hat. Satt werden wollen und glauben wollen, das gehört zusammen,

und wenn wir uns nur um gesunde Ernährung Gedanken machen und nicht mehr ums Ewige Leben, dann verpassen wir was. Dann lassen wir uns das Beste entgehen.

Mit demselben Eifer, mit dem wir uns in Ernährungsgrundsätze vertiefen und in Kochrezepte und in die richtige Auswahl der Läden, wo wir die Zutaten einkaufen, mit demselben Eifer sollten wir uns auch drum kümmern, was wir wissen von Gott, was Jesus gesagt und getan hat und was sich unser Schöpfer gedacht hat, als er uns Menschen erschaffen hat.

Und: alles zu meiden, was Gott nicht will, ist mindestens so wichtig wie Palmöl zu meiden und künstliche Zusatzstoffe. Das eine gefährdet unsere Gesundheit und das Ökosystem der Erde, das andere gefährdet das ewige Leben.

Und noch aus einem zweiten Grund sagt Jesus von sich, dass er das Brot des Lebens ist, im Zusammenhang mit diesem Speisungswunder... Sie kennen die Geschichte, wo sich die Menschen in Gruppen hinsetzen und miteinander essen sollen. Jeder kennt den Effekt von Gruppen: sobald man sich zusammentut, wird es übersichtlicher, und es wird auch verbindlicher. Man wendet sich einander zu - und wenn es sein soll, kümmert man sich auch umeinander, und man teilt.

Dieser Aspekt spielt beim Glauben eine ganz wichtige Rolle, vor allem auch in der Familie. Reden Sie miteinander. Teilen Sie nicht nur Tisch und Bett - teilen Sie auch Ihren Glauben. Tauschen Sie sich aus, was Sie glauben, auch, was Sie hoffen; regelmäßig frag ich bei Trauergesprächen, ob der Verstorbene/die Verstorbene eine Hoffnung gehabt hat über den Tod hinaus, und regelmäßig krieg ich zur Antwort: darüber haben wir nie geredet.

Unsere Gottesdienstpraxis verleitet da auch dazu: ich rede, Sie hören zu.

Beim Abendmahl teilen wir aus, Sie empfangen.

Vielleicht sollten wir das wieder regelmäßiger anders machen. Das Brot einfach dem ersten geben, und Sie reichen es untereinander weiter. Den Kelch dem ersten reichen, und der gibt ihm dem Nachbarn, der Nachbarin: Kelch des Heils, für dich.

So wie wir einander beim Feierabendmahl, aber auch bei jeder gemeinsamen Mahlzeit selbstverständlich die Schüssel und Platten reichen und drauf schauen, dass jeder hat, was er braucht - so müssen wir auch einander zureden und von Gott erzählen und Mut machen, wirklich zu glauben.

Da gibt es eine große Scheu, das weiß ich schon. Sonst wären wir Pfarrerinnen und Pfarrer ja arbeitslos. Man traut sich nicht, man meint, man müsse erst alles wissen und alles verstanden haben, bevor man vom Glauben reden darf.

Aber das stimmt nicht, der Schwimmlehrer muss das Wasser auch nicht physikalisch erklären können, bevor er die Schwimmschüler reinschickt. Der Schwimmlehrer muss nur sicher sein, dass das Wasser trägt, den Rest merken die Schüler beim Schwimmenlernen ganz von allein.

Suchen Sie Ihre Lieblingsgeschichte, Ihr liebstes Bibelwort raus und sorgen Sie dafür, dass Ihre Lieben davon erfahren. Indem es aufgeschlagen am Tisch liegt oder auf einem Zettel steht - und dann erzählen Sie, was Ihnen dran gefällt, und fragen Sie, ob ein anderer auch eine Lieblingsgeschichte hat. Lassen Sie sich vom Enkel am Handy die App installieren. Stecken Sie den Enkeln nicht nur einen Zehneuroschein zu, sondern auch einen Vers aus der Bibel.

Ein Diakon hat mir mal aus seiner Kinderzeit erzählt, dass die Mutter zum Pausenbrot immer einen Bibelspruch in die Brotzeit gesteckt hat.

Teilen Sie Ihre Hoffnung miteinander, wie Sie das Brot teilen, und kümmern Sie sich um Ihren Glauben, wie Sie sich auch um das tägliche Brot und die gesunde Ernährung kümmern:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

 

 

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