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Predigten
Pfingsten 2016 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Dienstag, den 17. Mai 2016 um 07:20 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

unseren Taufstein hat die Laudatekirche zur Kirchweih von der katholischen Schwestergemeinde bekommen.

Die Taufe ist das einzige Sakrament, das wir gemeinsam haben, das wir wechselseitig anerkennen; eine evangelische Kirche mit einem katholischen Taufstein ist ein starkes Zeichen ökumenischer Verbundenheit.

Ich hab das neulich einer Gruppe von Gästen erzählt, hab außerdem auch von der Kinderbibelwoche gesprochen, den gemeinsamen Gemeindebriefen, von unserem gemeinsamen Garchinger Gebetbuch, den vielen gemeinsamen Schulgottesdiensten, dem gemeinsamen Biergarten hinter der Kirche beim Straßenfest;

die Gäste sagten ganz beeindruckt: hier in Garching wird die Ökumene offensichtlich großgeschrieben.

Manche von Ihnen wissen das, ich bin katholisch aufgewachsen - ich fühl mich sehr zuhause in der katholischen Kirche.

(ich weiß gar nicht, ob das den Katholiken recht ist? -)

aber ich selbst möchte uns allen genau das wünschen: dass wir uns vertraut und zuhause fühlen in der jeweils anderen Konfession, der jeweils anderen Kirche, hier in Garching oder woanders.

Dass wir bei den jeweils anderen keine "Gottesdienstbesucher" sind, sondern Gottesdienstteilnehmer -

dass wir keine Gäste sind, sondern Brüder und Schwestern;

dass der Gottesdienst keine Veranstaltung ist, sondern ein gemeinsames Fest mit Jesus als Gastgeber.

Evangelische dürfen nach katholischer Lehre nicht an der Eucharistie teilnehmen, die Kommunion nicht mitfeiern.

Bei großen Festen wie Firmung und Erstkommunion wurde in Steverin schon eigens drauf hingewiesen.

Ich kenne die theologischen Überlegungen, die da dahinterstehen, kann sie auch teilweise nachvollziehen.

Trotzdem befremdet es mich.

Der ökumenische Gottesdienst zur Eröffnung der Bürgerwoche ersetzt bei den Evangelischen voll gültig den konfessionellen Zehn-Uhr- Gottesdienst;

die Katholiken dagegen feiern ihn immer zusätzlich, im Anschluss an die heilige Messe.

Auch das befremdet mich, es kränkt mich ein wenig, alle Jahre wieder, obwohl ich die theologischen Begründungen kenne und auch irgendwo verstehen kann.

Unabhängig von Lehrmeinungen spricht mein Amtsbruder Ljubisic hier in Garching von der evangelischen "Kirche";

er führt Gespräche mit Evangelischen, auch mit mir, durchaus auf Augenhöhe -

das ist mein Eindruck, und das entlastet und erleichtert das ökumenische Miteinander sehr.

Und auch auf der Ebene der Amtskirchen gibt es Grund zum Freuen und Hoffen im Ringen um Gemeinsamkeit zwischen katholisch und evangelisch:

2017 ist das Jubiläumsjahr der Reformation, und erstaunlicherweise feiern das tatsächlich die Christen, auch die katholischen, in ökumenischer Gemeinsamkeit:

den Eröffnungsgottesdienst jetzt im Herbst feiert der Lutherische Weltbund in Schweden und zwar - mit dem Papst!

(wenn das Martin Luther hören würde!?)

Die Reformation wird eben nicht mehr in erster Linie als Kirchenspaltung gesehen,

sondern sie hat im Gegenteil eine ökumenische wie auch eine internationale Dimension.

Zusammenkommen zu wollen mit der katholischen Kirche,

das ist keine Kür neben den Pflichten der eigenen Konfession;

Für die Evangelischen ist die Ökumene eine Pflichtaufgabe.

Nach unserem Verständnis ist das kein beliebiges Hobby von Einzelnen, sondern Jesus Christus selber hat uns aufgetragen: bemüht euch um die Einheit und die Einigkeit -

auch wenn ihr dazu Kompromisse schließen und immer wieder auch nachgeben müsst.

Denn wir werden nur gemeinsam zum Ziel kommen.

Das Pfingstfest ist das Hochfest des Heiligen Geistes, das Hochfest für gegenseitige Verstehen;

Den Bibelfesten unter uns fällt die Geschichte vom Turmbau zu Babel ein -

die Menschen wollten einen Turm bauen bis in den Himmel, und das hat genau so lange funktioniert, wie sie miteinander haben reden können. Nachdem ihnen Gott die gemeinsame Sprache genommen, ihre Sprachen verwirrt hatte,

war´s vorbei mit der Verständigung und der Kooperation, und das Bauprojekt musste auf Eis gelegt werden.

Die Geschichte von Pfingsten wird gern als die Gegengeschichte zum Turmbau von Babel angesehen -

hier die Sprachverwirrung, da das große Verstehen:

zum Wallfahrtsfest fünfzig Tage nach der Auferstehung waren die verschiedensten Nationalitäten beinander:

Italiener, Griechen, Türken,Kurden, Syrer, Libanesen, Palästinenser, Israelis, Araber, Ägypter, Libyer.

Die Apostel haben gepredigt, und all die Wallfahrer "hörten sie in ihren eigenen Sprachen reden."

DieApostel haben in ihrer eigenen Sprache gepredigt -

und die Zuhörer haben die Rede in je ihrer eigenen Sprache gehört und verstanden.

Da wurde gerade nicht ein christliches Esparanto erfunden,

nicht die Einheitssprache für alle.

Die vielen Ausländer mussten sich nicht erstmal alle anpassen

und die Sprache lernen

und die Kultur

und die liturgischen Gewohnheiten.

Sie wurden nicht erstmal an die Sache äußerlich herangeführt,

so wie die Konfirmanden erstmal das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis lernen

und die Psalmen singen können und wissen, wie man sich in der Kirche benimmt -

dabei hat doch nichts davon mit dem Kern von Tod und Auferstehung zu tun.

Das sind alles nur äußere Formen der Botschaft.

Pfingsten ist gerade nicht das Fest, an dem alle gleich werden.

Der Heilige Geist wirkte nicht nur bei den Aposteln, an ihren Sprachfertigkeiten,

sondern der Heilige Geist wirkte auch in den Ohren, in den Köpfen der Hörer,

und jeder verstand in der eigenen Sprache.

Bei Bildern über Pfingsten werden gern Feuerzungen über die Köpfe gemalt: und die müssten über alle Köpfe gemalt werden, nicht nur über die Apostel.

Der Heilige Geist wirft eben nicht alle in den selben Topf,

schert nicht alle über den gleichen Kamm,

versorgt nicht alle mit denselben Worten und der selben Predigt,

sondern die Sprachenvielfalt darf sein.

Und das lässt sich ausweiten:

auch sonst darf die Vielfalt sein,

dürfen Lehrmeinungen und Predigten in verschiedenen Sprachen nebeneinander stehen,

verschiedenen Landessprachen und auch verschiedenen Glaubenssprachen.

Verschiedenen Konfessionen.

Verschiedenen Frömmigkeiten.

Verschiedenen Altersgruppen,

verschiedenen Nationen und Kulturen.

Und nicht nur in den Kirchen.

Auch im Alltag.

Garching ist deutlich bunter geworden.

Oft begegnet man Menschen verschiedenster Hautfarbe;

man hört die verschiedensten Sprachen, in den Straßen, auch in den öfftl. Verkehrsmitteln, in den Geschäften;

wenn Sie das hören - vielleicht auch angesprochen werden, in gebrochenem Deutsch oder auch auf Englisch,

was geht dann in Ihrem Inneren vor?

Fühlen Sie tiefen Respekt vor Menschen einer anderen Kultur

und bemühen sich, zu kommunizieren -

oder gibt es doch da und dort eine leise innere Stimme, die flüstert,

"lern doch du erstmal Deutsch..!"?

Regt sich leise Sorge, die bisher Fremden könnten den jetzt-schon-Einheimischen etwas wegnehmen?

oder eine Gefahr darstellen?

Wie schauen die Siebenbürger auf Mitmenschen, die jemanden aus Rumänien geheiratet haben,

schwingt da nicht manchmal ein Hauch Herablassung mit?

Und die Neu Angekommenen, wie schauen sie auf die, die sie hier vorgefunden haben?

Mit tiefem Respekt vor denen, die hier schon verwurzelt sind, die den Ort, das Land geprägt haben?

oder gibt es vielleicht auch hier Ressentiments, Vorurteile und Vorbehalte?

Haben wir sie schon mal gefragt? Reden wir überhaupt miteinander,

die Jetzt-schon-Einheimischen mit denen,

die eigentlich vielleicht gar nicht heimisch werden wollen,

sondern am liebsten zurückwollen in die Heimat,

nur ohne dort bekriegt zu werden und zu verarmen.

An Pfingsten in Jerusalem waren verschiedenste Nationalitäten beisammen,

und alle hörten die Pfingstpredigt in ihrer eigenen Sprache.

Sie mussten nicht "erstmal eine bestimmte Sprache lernen", sich nicht "erstmal anpassen" und nicht erst eine gemeinsame Kultur pflegen. Sie mussten auch nicht erstmal eine gemeinsame Bekenntniserklärung unterzeichnen.

Sie mussten einfach nur die Ohren aufsperren und zuhören:

Dass Jesus für uns gestorben und auferstanden ist,

das darf jeder in seiner eigenen Sprache hören, und die Unterschiedlichkeiten dürfen einfach nebeneinander existieren.

Also dürfen vielleicht auch katholische und evangelische Kirche gemeinsam, nebeneinander und miteinander existieren.

Denken Sie an das Pfingstfest, das Hochfest der Sprachenvielfalt und der Verständigung,

wenn Sie wieder mal "fremdeln", unter ganz vielen Katholiken,

oder in der Fußgängerzone unter ganz vielen dunkelhäutigen jungen Männern.

Die Apostel haben in ihrer Muttersprache gepredigt,

und jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache.

Also sollten die Evangelischen ruhig auch zuhören, wenn der Papst predigt.

vielleicht ist ja auch was in Ihrer Herzenssprache, in Ihrer Glaubenssprache dabei.

Und die Katholiken hören zu, wenn sie auf einer evangelischen Beerdigung sind -

auch da weht der Heilige Geist, auch da kann was dabeisein von der einen, wahren christlichen frohen Botschaft.

Über die Köpfe und in die Herzen der anderen ist derselbe Heilige Geist ausgegossen wie über uns,

und eine Menge Verschiedenheit lässt sich gut ertragen, wenn wir nur glauben:

Jesus Christus starb für uns alle,

ist für uns alle auferstanden

und lebt und regiert

mit dem Vater und dem Heiligen Geist, jetzt und in Ewigkeit.

 
Das Abendmahl PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Dienstag, den 03. Mai 2016 um 09:29 Uhr

Liebe Brüder und und Schwestern,

wenn es harte Eier gibt - bunte harte Eier - und Schokohasen -

dann ist Ostern.

Und zum Osterfest gehört eine Geschichte aus der Bibel dazu! - die Auferstehung.

Wenn es Lebkuchen gibt und Spekulatius und Plätzchen und Mandarinen -

dann ist Weihnachten.

Und auch zum Weihnachsfest gehört eine Geschichte aus der Bibel dazu!

- die Geburt von Jesus im Stall von Betlehem.

Wenn es Hostien und Saft oder Wein in der Kirche gibt -

dann ist Abendmahl.

Und auch da gibt es Geschichten aus der Bibel dazu.

Vielleicht wissen da ja auch die Großen noch Beispiele:

Geschichten aus der Bibel über das Essen.

Apfel bei Adam und Eva/ Passahmahl beim Auszug aus Ägypten/ Speisungswunder / Mahle von Jesus mit Zöllnern, Sündern, mit seinen Freunden... auch nach der Auferstehung..

und eine, die vom Abendmahl, ist besonders eng mit Jesus Christus verbunden.

Ich erzähle sie euch:

Jesus ist mit seinen Freunden laaaaaaaaaaange gewandert.

Ihnen haben die Füße weh getan.

Endlich hat Jesus gesagt, hier können wir einkehren und Pause machen und essen.

Endlich hinsetzen...

alle zwölf ziehen genüßlich die Schuhe aus...

Wahrscheinlich hat man das gerochen.

Die Männer haben sich umgeschaut: wo kann man sich denn hier die Füße waschen? weil nachher beim Essen sitzen ja alle barfuß am Boden, die Füße beim Essen...

Da schleppte Jesus einen Eimer herbei. Er stellt ihn vor Petrus auf den Boden und hockt sich daneben, mit einem Waschlappen, komm, ich wasch deine Füße!

Petrus weicht zurück: um Himmels willen, kommt ja nicht in Frage. Is ja peinlich.

Meine Stinkefüße wasch ich mir selber - warum willst du das denn machen?

Jesus schaut ihn an und lächelt und sagt: weil du mein Freund bist.

Und weil ich dein Freund bin. Wir gehören zusammen.

Drum möcht ich dir gerade was Gutes tun.

Dem Petrus wird es ganz warm ums Herz, als ob er ein Geschenk bekommen hätte. Sowas liebes! Na gut, dann läßt er sich eben von Jesus die Füße waschen - und danach alle anderen Jünger auch.

Jetzt duften sie alle.

Im Wohnzimmer sitzen sie dann im Kreis auf dem Boden; sie zünden Kerzen an, viele Kerzen, damit es festlich und feierlich aussieht.

Es gibt Braten und Brot und Wein... vielleicht haben sie miteinander gesungen, und Petrus schaut in die Kerzenflammen. Sie flackern und leuchten; vorhin war´s dem Petrus schon warm ums Herz, und jetzt, mit vollem Bauch und im Kreis der Freunde, da ist er innerlich glücklich und spürt, wir alle und Jesus, wir gehören zusammen.

So wie heute abend, so soll es immer sein.

Wir vertragen uns alle, wir lachen, wir ruhen uns aus und feiern miteinander.

Jesus nimmt das Brot in beide Hände,

so ein Fladenbrot. Und er sagt:

schaut mal, dieses Brot ist aus Mehl. Das waren mal ganz viele einzelne Getreidekörner - und jetzt sind sie zusammen, ein einziges Brot ist draus geworden.

Und so sollt ihr auch sein: ihr seid viele Einzelne und ihr sollt fest zusammenhalten.

Und Jesus bricht das Brot auseinander.

Er teilt es seinen Freunden aus und sagt:

So sollt ihr auch miteinander teilen.

Ihr braucht nicht zu streiten.

Ihr braucht auch um mich nicht zu streiten.

Es ist genug da für jeden.

Dann greift er einen Kelch und hält ihn hoch:

schaut mal. Aus vielen einzelnen Weintrauben ist Saft geworden.

Dieser Kelch ist nicht einfach nur ein Getränk.

Das ist ein Siegerpokal.

Und ihr dürft alle draus trinken und dürft euch als Sieger fühlen.

Denn ich (Jesus), ich opfere mich

für euch

am Kreuz.

Damit nie mehr irgendjemand geopfert wird.

Ich werde getötet werden.

Ich werde mein Blut vergießen,

und ihr sollt nie mehr Blut vergießen und Kriege führen.

Ihr gehört zusammen.

Wir, ihr und ich, wir gehören zusammen.

Und immer, wenn ihr euer Brot teilt, so wie heute abend,

und wenn ihr miteinander Saft oder Wein trinkt

und an mich denkt,

dann bin ich euch genauso nahe wie heute abend. Für immer.

******

Deshalb gibt es in der Kirche manchmal was zu essen:

ein besonders Brot, nicht weil Goldstaub drauf wäre -

aber ein heiliges Brot.

Weil wir zusammengehören - und weil wir zu Jesus gehören.

Und dazu gibt es immer auch was zu trinken,

Traubensaft oder Wein - heiliger Saft, heiliger Wein:

weil sich Jesus geopfert hat,

weil wir niemanden mehr opfern sollen

und weil wir kein Blut vergießen sollen.

Und deshalb - nun wende ich mich besonders auch an die erwachsenen Gottesdienstteilnehmer:

wenn Sie zum Gottesdienst kommen

und Ihr Stammplatz ist belegt.

Da sitzt schon wer. Am Ende - ein Fremder.

Freuen Sie sich! ein Gottesdienstteilnehmer!

Verscheuchen Sie ihn nicht - auch nicht, wenn es Ihr Stammplatz ist.

Überlassen Sie ihm freundlich den besten Platz,

rutschen Sie eins weiter.

Vielleicht stellen Sie sich sogar vor, fragen auch den anderen nach seinem Namen, sagen, herzlich willkommen!

Denn wir gehören zusammen.

Und wenn dann der Gottesdienst anfängt -

und der Mensch an der Kanzel nuschelt.

Sie verstehen den Wochenspruch nicht

oder den Taufspruch

oder die Fürbitten.

Schimpfen Sie nicht.

Suchen Sie selber Bibelverse in Ihrem Herzen.

Freuen Sie sich, dass sich da jemand traut und mitmacht im Gottesdienst und dadurch seinen Glauben stärkt.

Wir gehören zusammen.

Und wenn wir Abendmahl feiern

und es geht nicht ganz reibungslos:

Jemand drängelt.

Jemand hat ein unruhiges Kind dabei.

Jemand kennt sich nicht aus,

und sagt „Danke!“ statt „Amen“

oder jemand trinkt den halben Kelch leer.

Oder jemand flüstert

jemand kichert...:

Freuen Sie sich.

Wir stehen nicht allein am Altar.

Wir haben eine Gemeinde zum Feiern.

Wir haben lebendige Menschen um uns herum.

Eine bunte Gesellschaft ist das, die da in der Kirche zusammenkommt:

ordentliche Herrschaften im Sonntagsstaat,

tief vertraut mit der Liturgie, alle Lieder können sie auswendig mitsingen...

Und andere, im Kapuzenpulli vielleicht

oder im Sommer mit kurzen Hosen,

vielleicht vor fünf Jahren das letzte mal in der Kirche gewesen-

jetzt kämpft er oder sie mit dem Gesangbuch, kann allenfalls mitbrummen und weiß nicht, wann man aufstehen und wann man sich hinsetzen muss.

Schön, dass sie alle zusammenkommen.

Schön, dass bei uns so viele zusammenkommen.

Wir gehören zusammen.

Zumindest in diesem einen Moment am Altar;

alle kriegen das gleiche, heilige Brot,

den gleichen heiligen Saft;

alle brauchen das gleiche:

alle brauchen wir Gott und unsere Mitmenschen,

keiner ist besser, keiner ist schlechter,

keiner muss draussen bleiben,

und zumindest für diesen Moment

wollen wir allen Streit vergessen,

das Kriegsbeil begraben

und Gott herzlich bitten,

dass er bei uns bleibt und dass er uns Frieden schenkt.

- Zum Osterei gehört eine Geschichte von Jesus: welche?

- Zu Plätzchen und Spekulatius gehört eine Geschichte von Jesus: welche?

- und zu Brot und Saft oder Wein in der Kirche gehört eine Geschichte.

Eine ganz wichtige Geschichte:

wir müssen sie nochmal zusammentragen,

ich will sehen, wer hier aufgepasst hat.

Ich hab hier vorne vier Suppenschüsseln umgedreht auf dem Boden.

Da drunter versteckt sich immer ein Hinweis,

ein Gegenstand, der zur Geschichte von Brot und Saft mit Jesus dazugehört.

Immer EIN Kind darf mit der Ines EINE der Schüsseln lüpfen -

und dann schauen wir, welcher Teil der Geschichte euch da wieder einfällt...

******** Stiefel/Waschlappen; Kerze; Hostien; Kelch.

Ihr habt toll mitgemacht. Danke.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft...

 
Sara und Hagar PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sabine Brand-Lehmann   
Dienstag, den 19. April 2016 um 08:57 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

die Geschichten von Abraham, Sara und Hagar haben einen kummervollen Beigeschmack. Zwar haben viele, viele Kindergottesdienstkinder schon den Sternenhimmel gemalt, unter dem Abraham von Gott versprochen wird, so viel Nachkommen sollst du haben...

Aber dann gehen Jahr um Jahr ins Land, Abraham und Sara werden immer älter, und der versprochene Nachwuchs bleibt aus.

Vielleicht will die Episode jetzt von Hagar und Ismael nur aus viel späterer Sicht plausibel machen, warum die Nachkommen Ismaels so am Rande stehen, so nachgeordnet sind im Kreis der Völker, warum Ismael und die Ismaeliter „die Verstoßenen“ heißen, obwohl doch auch sie Nachkommen sind von Abraham.

Ich möchte die Geschichte heute ganz anders auslegen -

im Zusammenhang der hohen Kunst, sich selbst auszuhalten.

Eigentlich scheint Hagar nämlich das herumgestoßene Opfer, das Objekt der Interessen von anderen zu sein. Sie ist Magd,

sie wird als Leihmutter benutzt und ich geh nicht davon aus, dass sie da vorher gefragt worden ist.

Sie soll herhalten, um eine Verheißung wahr werden zu lassen, die eigentlich einer anderen galt.

Und obendrein, zu allem anderen, soll sie sich auch noch schlecht behandeln lassen. „Deine Magd ist in deiner Gewalt. Tu mit ihr, wie es dir gefällt!“, sagt Abraham zu Sara,

und das hört sich ganz bestimmt nicht nach innerer Freiheit an.

Aber genau das ist Hagar gelungen:

sie hat unter widrigsten Umständen neu die innere Freiheit gewonnen, selbstbestimmt zu handeln, statt sich vereinnahmen und beherrschen zu lassen.

Führen wir uns vor Augen, was bisher geschah:

Abraham war grau geworden und niedergeschlagen.

Gott hatte seine Verheißung noch nicht erfüllt,

so kennt Abraham seinen treuen Gott gar nicht;

an seiner Seite Sara, auch sie grau und gebeugt;

einerseits hadert sie mit Gott, weil sie nie schwanger geworden ist,

und andererseits fühlt sie sich mitschuldig daran, dass ihr Mann so depressiv ist: denn wenn sie nicht unfruchtbar wäre, dann hätte er seinen versprochenen Stammhalter vermutlich schon.

Ihm eine Leihmutterschaft vorzuschlagen -

Hagar als vielleicht wesentlich jüngere Mutter eines potentiellen Sohnes -

das schlug zwei Fliegen mit einer Klappe.

Abraham kriegt seinen versprochenen Nachkommen doch -

und Sara hat wieder einen wohlgelaunten Gatten.

Die Lösung scheint genial.

Aber viel verlangt von Sara, denke ich.

Mit brennendem Herzen ließ sie zu,

dass ihr Mann mit der Magd zusammen war und die ihm dann das möglich machen konnte, was sie, Sara, so gern gegeben hätte - und aber nicht konnte.

Der Hammer war die ganze Geschichte aber für Hagar.

Was ist wohl in ihr vorgegangen?

Gefragt hat sie vermutlich keiner - sie war Magd. Viele Rechte, viel Selbstbestimmung wird sie nicht gehabt haben.

Sie ist scheinbar die letzte Hoffnung für die beiden alten Herrschaften; und dadurch und dann erst recht durch einen Nachkommen wird sie ja enorm aufgewertet in ihrer Bedeutung:

Sie würde Abrahams Sohn austragen, würde wohl unverhofft aufsteigen von der Dienstmagd zur heimlichen Stammesmutter.

Viel verlangt - aber auch nicht ganz ohne Reiz.

Mit spürbar gemischten Gefühlen wird sie zunächst die Begegnung mit diesem Sechsundachtzigjährigen erlebt haben,

und dann stellte sich prompt eine Schwangerschaft ein.

Jetzt sieht sie sich vermutlich schon irgendwo als Siegerin: Sie wird Abrahams Kind zur Welt bringen!

Die Machtverhältnisse zwischen Sara und ihr werden sich umkehren, hofft sie. Sara wird ihr dienen müssen!

Sie schaut triumphierend auf Sara herunter und lässt sie das spüren, wie überlegen sie sich fühlt.

Als Sara grantig wird und zu Abraham ins Zelt verschwindet, um sich zu beklagen, da grinst Hagar noch hämisch, weil sie sich jetzt ihrer Stellung sicher ist und ganz klar davon ausgeht, dass Abraham zu ihr halten wird, zur Mutter seines Kindes.

Aber da täuscht sie sich.

Abraham ist seine Frau wichtiger als der verheißene Nachwuchs.

Er hat vielleicht sowieso schon Zweifel gehabt, ob das hinhauen wird mit dem Kind von der Magd, ob das Gott gefällt und sich darin wirklich Gottes Versprechen erfüllt. Und jetzt ärgert die schwangere Magd auch noch seine Frau.

Das ist dem Abraham Indiz genug: das mit Hagar ist nicht ganz koscher.

Sara, sagt er zu seiner Frau, mach mit ihr, was du willst, ihr Schicksal ist ganz in deinen Händen.

Sara triumphiert.

Sie tritt aus dem Zelt - und mit einem Blick sieht ihr Hagar an, Sara ist durchaus nicht geschlagen, nicht geknickt, hier kommt keine Besiegte! Hocherhobenen Hauptes verlässt sie das Zelt:

sie wird weiterhin Frau Nummer eins sein in der Hierarchie, die Herzensfrau Abrahams, ganz egal, ob sie schwanger werden kann oder nicht.

Hagars Träume und ihre Giegesgewissheit platzen wie Seifenblasen.

Eine Welle von Hass und Neid überschwemmt sie, auf diese Sara,

die die Loyalität des Stammvaters auf ihrer Seite hat. Die wird immer die Haupt-Frau des Abraham bleiben, schwanger hin oder her!

Und damit ist für Hagar sonnenklar: „dann könnt ihr schauen, wie ihr an einen Stammhalter kommt: mein Baby kriegt ihr nicht!“

Sie weiß gar nicht recht, wie ihr geschieht;

wie in Trance, wie ferngesteuert und ohne nachzudenken gibt sie dem ersten Impuls ihres Herzens nach, weg, nur weg!

Sie rennt davon,

entzieht dem Abraham und der Sara den ungeborenen Sohn,

um jeden Preis, auch um den, dass sie beide in der Wüste verdursten.

Mancher von uns kennt möglicherweise solche Momente.

Da ist ein innerer Impuls unglaublich,

wie unter Zwang lässt man sich hinreissen, ihm zu folgen, ihm nachzugeben,

man hält diesem Druck keine Sekunde stand - weil man so unter Strom steht, dass man meint, dass es einen sonst zerreisst.

Vermutlich - wahrscheinlich - möglicherweise ist das, was man da aus dem ersten Impuls heraus tut, nicht unbedingt die beste Lösung. Die naheliegendste vielleicht. Aber vielleicht durchaus nicht die geschickteste, die überlegteste sowieso nicht - und vor allem ist es keine Lösung, die man aus innerer Freiheit heraus für die richtige erkannt hätte.

Es ist einfach nur die erstbeste.

Stellen wir uns vor, Hagar wäre also halb blind vor Tränen aus dem Lager gestürmt, und dabei einer älteren Magd in die Arme gelaufen;

und die hätte streng gesagt, „so geht´s aber nicht! Die Sara ist deine Herrin, also darf sie mit dir tun, was sie will, das ist halt so!

Jeder hat sein Päckchen zu tragen!

Beiss die Zähne zusammen!

Ans Weglaufen darfst du noch nicht mal denken,

wütend werden, überhaupt irgendwelche Gefühle zu haben ist nicht vorgesehen, die interessieren keinen, eigene Gefühle sind gar nicht erlaubt!

Ob du, Hagar, am Ende eifersüchtig bist auf die Sara, das interessiert hier keinen, schlag dir das aus dem Kopf!

füg du dich in dein Schicksal.“

Vielleicht wäre Hagar gesenkten Hauptes zurück ins Lager geschlichen.

Mit gebrochenem Herzen, mit gebrochenem Willen und einem Haufen weggedrückter Gefühle im Bauch. Vielleicht hätte sie diese Gefühle betäubt -

ich weiß nicht, welche Mittel man damals hatte, um die Aufruhr im eigenen Herzen nicht so spüren zu müssen;

heutzutage gelingt das vielleicht mit Sport, mit Alkohol, Drogen, mit Essen, Zigaretten, Medikamenten oder auch mit Musik.

Hagar hätte mit zusammengebissenen Zähnen und runtergeschluckten Gefühlen im Alltag weitergemacht, und sie hätte sich immer, ihr Leben lang, als Opfer dieser Dreiergeschichte mit Abraham und Sara gesehen.

Meisterin der Selbstdisziplin und Beherrschung -

aber gleichzeitig Opfer, Objekt, willenlos, fremdbestimmt.

Wir glauben aber an einen Gott der Freiheit.

Der inneren Freiheit, und deshalb verläuft die Geschichte anders:

Deshalb lässt Gott Hagar wegrennen in die Wüste,

lässt sie sich austoben und zur Ruhe kommen an einer Wasserstelle -

und dann erscheint der Engel des Herrn.

Und statt sie, wie die ältere Magd, zu zwingen, dass sie den Blick senkt, die Augen niederschlägt und die Herzensregungen unterdrückt,

statt dessen öffnet ihr der Engel die Augen für ihr eigenes Herz.

Er beschwichtigt nicht, sondern er hilft ihr dabei, zu verstehen, was da alles in ihrem Inneren tobt.

Was ihre Seele schreit.

Der Engel hält ihr die Hand und hilft ihr auszuhalten, sich anzuhören und anzusehen, was in ihr los ist:

die Eifersucht auf Sara,

die Sehnsucht danach, selbst im eigenen Leben bedeutsam zu sein,

respektiert zu werden,

nicht herumgeschubst und instrumentalisiert,

sondern geliebt und geachtet zu werden.

Nichts davon ist verwerflich.

Nichts davon ist falsch.

Und nichts davon ist im Leben der Hagar unmöglich,

sie muss nicht alles hinschmeissen und in ihr eigenes Verderben rennen,

um in der Wüste zu sterben.

Vielleicht legt ihr der Engel vorsichtig seine Hand auf den Bauch und sagt,

da entwickelt sich doch nicht einfach nur der Stammhalter Abrahams.

Hagar, dort wächst dein eigener Sohn!

Ihm möchtest du eine gute Mutter sein,

du willst, dass er ein gutes Leben führen kann,

dass er erfüllen kann, wozu er von Gott bestimmt ist.

Und jetzt hat Hagar wahrscheinlich genickt.

Sie hat sich ganz der eigenen Innenwelt, den Gefühlen zugewandt und mit offenen Augen und offenem Herzen wahrgenommen, was passiert ist:

wo sie verletzt wurde, wo sie selber verletzt hat und wonach sie sich sehnt.

Sie hat nicht mehr nur besinnungslos inneren Druck abgelassen

oder den inneren Druck bezwungen mit Gegendruck;

sondern der Engel hat ihr geholfen, sich selbst auszuhalten,

auszuhalten mit allem, was sie bewegt und bestürmt,

was ihr wichtig ist und was sie zum Leben braucht.

Daraus gewann sie die innere Freiheit, selbst zu entscheiden:

will ich wirklich in der Wüste verdursten?

Will ich wegrennen und gemeinsam mit meinem Ungeborenen umkommen,

als Opfer der Schachzüge anderer -

oder werde ich selber Autor meiner Lebensgeschichte und entscheide aus innerer Freiheit: das Baby und ich, wir werden leben.

Wir wissen, wie die Geschichte weitergegangen ist:

Hagar ist zurückgekehrt, sie hat eine eigene Verheißung für ihr ungeborenes Kind bekommen; ihr Sohn Ismael wurde geboren, und auch er hatte unzählige Nachkommen, eben das Volk der Ismaeliter.

Wir glauben nicht an einen Gott, der uns auf dem Spielfeld des Lebens herumschiebt, willenlos, wie Schachfiguren -

sondern an einen Gott, der uns seine Engel schickt.

Diese Engel öffnen uns immer mal wieder die Augen und die Herzen für das, was uns umtreibt.

Sie helfen uns, uns selber auszuhalten und zu verstehen

und uns dann in innerer Freiheit für das zu entscheiden, was wir für richtig erkannt haben.

In innerer Freiheit und innerem Frieden.

Und der Friede Gottes...

 
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