Zur Navigation | Zum Inhalt
FVCML0208 10
Predigten
Am Scheitern wachsen - Predigt im ök. Gottesdienst zur Eröffnung der Bürgerwoche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 07. Juli 2012 um 15:17 Uhr

 

Liebe Brüder und Schwestern,

ich muss den Haushalt meines Vaters auflösen. Manche wissen das vielleicht, er ist vor einiger Zeit gestorben, und über alles, von der Couchgarnitur übers Kaffeeservice bis zum Inhalt des Kleiderschrankes, muss jetzt entschieden werden. Und mal ganz abgesehen von der nemotionalen Achterbahnfahrt bei so einem Anlass erlebe ich da echte Überraschungen.

Ich war mir eigentlich sicher, wenn man die wertvolleren Sachen verkauft, dann müsste man eigentlich den Entrümpler zahlen können - es hängen paar Bilder an den Wänden, und von den Urlauben hat er gerne bunte Seidenteppiche mitgebracht, die müssten doch ein bißchen was einbringen.

Erst hab ich eine Dame von einem Auktionshaus dagehabt.

Die hat mit spitzen Fingern paar Sachen von hier nach da geschoben; die Bilder hat sie keines Blickes gewürdigt und wissen Sie, was die zu den Teppichen gesagt hat? „War sicher mal sehr teuer. Jetzt ist das Flohmarktware.“

Dafür blieb sie vor einer staubigen Vitrine stehen. Sie hat sie aufgemacht, hat dabei sofort den Griff in der Hand gehabt - und hat sich eine Zuckerdose rausgeangelt, hat sie behutsam umgedreht, sie ihrem Mann hingehalten und verschwörerisch-triumphierend gelächelt. Der Blick war nicht für mich bestimmt, aber ich hab ihn gesehen. Diese Zuckerdose hat sie mitgenommen.

Als zweiter kam dann so ein Händler mit einem Second-hand-Geschäft aus Ismaning. Den hab ich in Vaters Hobbyraum in den Keller geführt, und seine Augen weiteten sich. „Geil“, hat er gesagt, und ist dann fast mit einem Hechtsprung in den Krempel abgetaucht. Umzugskistenweise hat der da das Zeug rausgeschleppt, Sachen, die hatte ich noch nie gesehen oder längst verdrängt, oder man hätte sie eigentlich längst wegwerfen sollen, weil sie definitiv kaputt waren.

Das hat er mitgenommen. Tausend Euro hab ich dafür gekriegt. Meine Bilder und die Seidenteppiche - die sind immer noch da. Die wollte er nicht. (Also wenn Sie Lust haben auf einen bunten Teppich...)

Und so ähnlich könnte es uns allen mal gehen, wenn unser Lebenswerk gesichtet wird - und zwar meine ich das im übertragenen Sinne. Nicht die Erben und die Händler, die irgendwann unsere Kellerräume entrümpeln,

sondern einmal, in der Ewigkeit, da werden wir unsere Lebenswerke ausbreiten vor den Augen Gottes und er wird sichten und betrachten und begutachten: was war wichtig in meinem Leben? worauf kam es an? was hab ich gut gemacht, wo bin ich gescheitert, was hab ich zerschlagen, was ist vorzeigbar, und was wird aus meinem Leben von bleibendem Wert sein in den Augen Gottes?

Das beschäftigt uns Menschen ja immer wieder einmal -

und ich denke, jeder hat da das eine oder andere an Lebensleistung, dienstlich, privat, wirtschaftlich, gesellschaftlich, darauf sind wir stolz.

Und wahrscheinlich hat auch jeder von uns im übertragenen Sinne Gerümpel im Keller: kaputtes; zerbrochenes; vergessenes; verdrängtes; irgendwelche tief vergrabenen Misserfolge vielleicht, Angelegenheiten, die wir längst in Ordnung bringen wollten, und wir haben es immer wieder mal aufgeschoben.

Jetzt kommt es wieder ans Tageslicht.

Und dann sieht Gott manches vielleicht mit ganz anderen Augen als wir das bisher getan haben. Da wird manches völlig neu bewertet - mancher Bruch, manche Krise, manches Scheitern stört ihn gar nicht, und manches scheinbar wertlose Einzelteil kann Er einordnen, kann er dort hinfügen, wo es hingehört, und etwas anderes wird dadurch endlich ergänzt und vollendet.

Und manche andere Kleinigkeit haben wir immer übersehen - dabei war´s ein Juwel, unscheinbar - und doch so kostbar. Und jetzt wird es gewürdigt und kommt zur Geltung.

Gott bringt es zur Geltung und rückt alles ins rechte Licht.

Und am Ende sind für die Lebensbilanz doch nochmal andere Dinge entscheidend, als wir gedacht hatten.

Die Kriterien sind bekannt, waren es immer: du sollst Gott lieben und deinen Nächsten, und da wo dein Herz ist, das ist eigentlich dein Gott; aber ganz oft, wenn wir uns gescheitert und zerbrochen fühlen, da ist es genau das, was uns aus dem Blick geraten war.

Und obendrein: Gescheitert sein - das ist tabu.

Sowas sagt man nicht in unserer Zeit. Sowas gibt man nicht zu, sowas thematisiert man nicht. Man zensiert sich selber förmlich die Gefühle und ist auch dann noch cool, gelassen und entspannt, wenn das Herz voller Tränen ist.

Dabei bringt doch grad der Schmerz die Menschen zueinander.

Schnmerz baut Distanz ab. Hören Sie mal die Schilderung einer Wurzelbehandlung - da schwillt einem unwillkürlich schier selber die Backe an und das Zahnfleisch pocht,

und mit ansehen müssen, wie ein anderer Schmerzen aushalten und leiden muss, das ist für manchen fast, als würde er die Schmerzen selber haben. Oder es wäre ihm sogar lieber.

Schmerz führt zur Erosion von Distanz,

mitten hinein in die Abhängigkeit von anderen, medizinisch, menschlich, sozial -

und wer selber Schmerzen, Leid und Scheitern kennt, der wird empfindsam für das Leid anderer und kann ihnen helfen.

und wir haben doch gerade einen leidensfähigen Gott!

Jesus Christus ist am Kreuz mit seiner Mission zunächst gescheitert, und er hat seine Machtlosigkeit und Hilflosigkeit bewusst zugelassen, um uns eben auch im Scheitern und im Leiden nahe sein zu können.

Ziemlich beste Freunde“ - der eine oder andere hat den Film vielleicht im Kino gesehen; ein Mann in seinen besten Jahren hat ansich alles reichlich, was man so zum Leben braucht, denn er schwimmt im Geld. Aber das nutzt ihm nur bedingt - denn er sitzt im Rollstuhl, querschnittsgelähmt ab dem Hals abwärts - ein geschlagener Mann. Für jede Kleinigkeit auf fremde Hilfe angewiesen.

Als der nun einen neuen pfleger sucht, findet er ihn ausgerechnet in einem gescheiterten Kriminellen, der den Job eigentlich gar nicht wollte. der nur den Stempel aus dem Vorstellungsgespräch wollte, damit weiter Arbeitslosenunterstützung fließt. Der wird eingestellt. Weil er weiß, was es heißt, ein auf den ersten Blick scheinbar hoffnungslos verpfuschtes Leben vor sich zu haben.

Weil er weiß, worauf es wirklich ankommt - nicht auf bunte Seidenteppiche und große Leistungen, und weil er weiß, dass jeder immer wieder scheitert - und neu aufstehen muss.

Weil dieser große schwarze junge Mann nicht zerfließt vor Mitleid mit dem armen Rollstuhlfahrer, sondern er sieht den Menschen hinter dem Krankheitsbild, einen Menschen wie du und ich, nicht besser, nicht schlechter, genauso anders wie alle anderen, der nicht nur krank ist, sondern auch humorvoll und liebesfähig und manchmal frustriert und klug und manchmal total auf dem falschen Dampfer und manchmal voller Lebensweisheit und Stärke.

Stark und Schwach, das wird ganz neu sortiert, immer wieder - sie lässt dem scheinbar gescheiterten Rollstuhlfahrer die Chance, Mensch zu bleiben und auch immer wieder Erfolg zu haben - und so kommt die Lebensfreude allmählich zurück.

Und das wiederum ist der strahlende Sieg, der Erfolg des scheinbar hoffnungslos erfolglosen und gescheiterten kriminellen jungen Helfers.

Am Scheitern zu wachsen, das gelingt uns allen vor allem da, wo wir unsere Sortierungen überdenken und uns dreierlei vor Augen halten,

erstens: Zu versagen ist ein Teil des Erfolgs.

Bis Edison die Glühbirne erfinden konnte, hat er 5000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.

Und diese 5000 anderen Versuche,

vielleicht das Kellergerümpel meines Lebens,

das gehört zu mir und darf auch zu mir gehören.

Ich muss es nicht verdrängen,

muss es nicht verstecken; ich kann es getrost gelegentlich aufräumen und vielleicht da und dort sogar nutzen.

Tausend Euro!

Zweitens gibt ja vielleicht ein Scheitern einmal den Anlass zu einer neuen Bewertung: wo will ich denn hin? stimmt mein Ziel noch? Worauf kommt es mir an? Vielleicht bin ich ja grade dabei, den siebten Seidenteppich zu weben, den nachher keiner haben will, und sehr viel kostbarer wärer eigentlich irgendeine Kuriosität aus den Umzugskisten im Keller.

und drittens: gelegentlich mal zu scheitern und unvollkommen zu sein ist okay, weil ich im übertragenen Sinne, auf Lebensreife gesehen, noch im Wachsen bin. Ich lebe mein Leben, und manches gelingt mir im Laufe der Jahre besser als früher; aber auf meine Vollendung lebe ich erst noch zu,

sie steht mir bevor am Ende der Zeit,

und ich akzeptiere mich jetzt schon, als Wachsende,

nicht erst, wenn ich vollendet bin.

Alles im Leben hat seine Zeit, sagt der Prediger.

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

(...) weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

(...) suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

(...)

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.

Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.

Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 
Mut zum Wandel: Familiengiottesdienst mit der Flohkiste PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 23. Juni 2012 um 14:47 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

sich ein bißchen verstellen -

ein bißchen verrückt sein -

sich verkleiden -

sich verwandeln

Veränderung wagen.

Der Niko hat bloß die Stimme verstellt;

im Tanz haben sich die Elfen erst verkleidet, später verwandelt,

das wird ihnen dann selber unheimlich;

eine große Veränderung, Verwandlung fast haben wir ja mit dem neuen Kindergartengebäude. Es entsteht hinter dem Haus von der Flohkiste.

Vielleicht fragt sich ja mancher ein bißchen wehmütig: was wird aus der Flohkiste? im neuen Haus? Wo doch im alten Haus so viel Herzblut drinsteckt - ich denke an die Holzverschalungen in den Garderoben, ich denke an die Bilder im Treppenhaus vom Jan Schneider, an die vielen Geschichten und Erinnerungen - grad haben wir vierzigjähriges Jubiläum gefeiert und es gab eine Festschrift voller Geschichten und Fotos und Erinnerungen.

Wird der neue Kindergarten auch eine richtige Flohkiste sein?

Wieviel darf sich verändern?

Darf sich überhaupt etwas verändern?

Und wie ist das bei uns Menschen?

Wie sehr dürfen wir uns verändern?

Wenn jemand sagt, Mensch, du hast dich ja gar nicht verändert! - ist das dann gut oder schlecht?

Dazu kann man, denke ich, eine klare Aussage machen - von der Bibel und unserem Glauben her. Gott nimmt mich so an, wie ich bin - aber ich muss nicht so bleiben.

Unsere ganze Welt sieht nicht so aus, als wäre es gut, wenn die Menschen alle so bleiben, wie sie sind.

Denn dann bleibt ja auch alles so, wie es ist.

Wenn man liest, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist, dann fasst man Mut - Mut, immer mal wieder neue Wege zu gehen,

sich Dinge zu trauen, von denen man bisher nur heimlich geträumt hat.

Manche Sachen macht man ja erstmal lieber heimlich.

Auto verschenken.

Moped fahren.

Oder Puppen spielen - mit dreiundvierzig.

Bin ich noch normal?

Erwachsene fragen sich das manchmal,

bin ich normal?

Mich würde das wundern, wenn hier irgendjemand normal wäre.

Denn was heißt denn „normal“?

Normal heisst: „Der statistischen Norm entsprechend.“

Mittelmäßig.

Will das denn irgendjemand sein?

Wollen wir nicht alle eigentlich lieber ein bißchen ungewöhnlich sein? was besonderes?

In der Pubertät schlägt man sich damit herum, mit der Frage:

entspreche ich denn der Norm?

Ganz vorsichtig verlässt man, mal probeweise, den vertrauten Rahmen der Familie und guckt, ob man sich zurechtfindet.

Man orientiert sich, vorsichtshalber erstmal vor allem unter Gleichaltrigen.

Da herrscht ein gigantischer Anpassungsdruck:

Alles darf die Clique bestimmen: was man anziehen darf und was nicht,

was für Musik peinlich ist und welche nicht,

mit welchem Typen, mit welchem Mädel man sich blicken lassen kann,

und mit welchem man einfach nur peinlich ist und sich unendlich blamiert.

In der Pubertät ist Individualität phasenweise streng verboten.

Mit umso mehr Interesse verfolgen Menschen Verwandlungsgeschichten im Fernsehen: so vorher-nachher-Geschichten, wo ein Mensch wie ich mal genommen und traumhaft schön verzaubert wird. Mit Frisur und Make-up, weg mit Talar und Schlabbergewändern, eine andere Brille muss her,

und dann seh ich zwar fast ganz genauso aus wie das Schönheitsideal unserer Zeit - aber erstens muss so eine Verwandlung von innen kommen, damit aus dem Schwan nicht schon in der nächsten Woche wieder ein häßliches Entlein geworden ist -

und zweitens sind Menschen, glaube ich, dann besonders glücklich, wenn sie sich ein bißchen Individualität auch erlauben.

Einen Spleen.

Eine eigene Marke,

und die statistische Norm, die ist erstmal total egal.

Viel wichtiger ist die Frage: was kann ich besonders gut?

Und dann kann ich mein Leben daraufhin erweitern und auch verändern, und das Ziel dieser Veränderung ist es, ein Leben zu finden, das zu mir passt. Das die Welt ein kleines bißchen besser macht - und mich dabei nicht gegen den Strich bürstet,

das meine Verwundbarkeiten und meine Altlasten respektiert

und zugleich meine starken Seiten kultiviert und fruchtbar werden lässt.

Samt Risiken und Nebenwirkungen.

Denn vielleicht bin ich dann auf einmal nicht mehr ganz so pflegeleicht wie davor. Eine Frau, die Wochenende für Wochenende mit ihrem Mann auf Ausstellungen gefahren ist, wo alte Motoren vorgeführt werden, nur ihm zuliebe - dabei ist ihr das Öl und der Lärm total zuwider - die merkt vielleicht: eigentlich würd ich viel lieber mal ins Seniorenheim gehen und Besuche machen.

Oder umgekehrt. Und die Umwelt sagt vielleicht: was ist denn jetzt los.

Jesus hat lang ganz normal dahingelebt.

Wir kennen die Geschichte von der Geburt im Stall; dann noch eine von ihm mit zwölf, dass er auf einer Wanderung mal verlorengegangen ist und ihn die Eltern im Tempel gefunden haben, aber danach hat der brav Zimmermann gelernt, war „seinen Eltern gehorsam“, unauffällig - normal halt.

Moderne Psychoratgeber würden vielleicht sagen: der lebte in seiner Komfortzone.

Und dann war da was. Da gab es verschiedene Erlebnisse, etwa die Taufe, wo sich der Himmel öffnet und eine Stimme sagt: Das ist mein lieber Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Und von da an verändert sich Jesus.

Bisschen wie beim Frosch im Märchen,

da kommt die Prinzessin und küsst den Frosch - und er verwandelt sich.

Jesus war kein Frosch,

aber die Taufe ist ja sowas wie ein Kuss von Gott, eine Liebeserklärung; und Jesus hat sich verwandelt.

Er hatte seine Stärken, die gab es vorher schon: er hatteb einen guten Draht zu Gott, einen festen Glauben, und er hat wohl gut reden können. Er konnte gut andere Leute anleiten, wie sie leben sollen und wie sie glauben sollen. Und aus diesen Stärken hat er jetzt was gemacht, er hat seine Komfortzone verlassen. Aus dem braven Zimmermann wurde ein Wanderprediger.

Statt zu hobeln und Häuser zu bauen, hat er jetzt geredet, geheilt, getröstet, gelehrt.

Und er hat Menschen veranlasst, dass die sich auch ändern.

Wie den Zachäus.

Den hat Jesus nicht geküsst, war ja kein Frosch -

aber er ist ihm freundschaftlich begegnet, hat mit ihm abendgegessen,

und diese Freundschaft hat den Zachäus verändert, hat ihm Mut gemacht zu einem neuen Anfang.

Die Familie von Jesus hat das beobachtet, wie aus dem braven Buben Jesus dieser Wanderprediger geworden ist.

Und vielleicht hat die Verwandtschaft zur Maria gesagt, „Mensch Meier, des hätten wir auch nicht gedacht, dass der sich so entwickelt.“

Und vielleicht hat die Maria geseufzt: ich kenn meinen Sohn gar nicht wieder! Und die Pharisäer haben erst geseufzt! Der ist ihnen unbequem geworden!

Aber jetzt hat Jesus genau das Leben geführt, das zu ihm passt, und für das er gedacht war. Und am Ende hat er mit diesem Leben die Welt gerettet.

Menschen verdienen es, sich zu entfalten, sich zu verändern, sich zu verwandeln; auch die Flohkiste hat ihre Verwandlung verdient,

1,6 Mio Euro wird der Neubau kosten,

und jeden Cent haben sie verdient, stimmt doch, oder?

Und auch Sie, und ihr Kinder, auch wir haben es verdient,

uns zu entfalten und zu wandeln, immer wieder,

und dabei dann das Leben zu führen, das zu euch passt. Und der Friede Gottes...

 
Gott ist gegenwärtig! Predigt von Prädikant Schöttl PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 01. Februar 2012 um 18:19 Uhr

Offenbarung 1, 9-18

Liebe Gemeinde,

haben Sie um Silvester herum auch die Jahresrückblicke im Fernsehen angeschaut? Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht – ich frage mich da immer: In was für Zeiten leben wir eigentlich?

Ich meine das jetzt nicht im Sinne von Parolen wie „Früher war alles anders!“ – was ja auch stimmt – oder – als Steigerung – „Früher war alles besser!“ – was definitiv nicht stimmt.

Ich meine es eher als Frage, wie man in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren über die heutige Zeit denken wird. Wenn man das erste Jahrzehnt des dritten Jahrtausends in Deutschland einmal charakterisieren wird - über was wird man schreiben? Über fast 70 Jahre Frieden in unserem Land? Über enormen Wohlstand trotz mancher sozialer Probleme? Über eine Zeit größter Freiheit und Toleranz in Sachen Religion, Weltanschauung und Lebensentwürfen? Ja, in was für Zeiten leben wir eigentlich? Jetzt und heute? Das alles ist nicht leicht zu beurteilen, wenn man mittendrin steckt, mittendrin lebt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich bei uns in der Rückschau oft die vergangenen Zeiten verklären und besser darstellen, als sie wirklich waren.

In einer Zeit, die ganz anders, keineswegs besser und doch auch wieder ähnlich der unsrigen war, von der uns gut 1.900 Jahre trennen und die auch räumlich ein ganz anderes Aussehen hat als die uns vertraute Welt in München und Oberbayern, entstand das letzte Buch der Bibel: die Offenbarung. Aus ihr stammt unser heutiger Predigttext.

Es war wohl der Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Der ganze Mittelmeerraum, der immerhin aus drei Kontinenten und einer Vielzahl von Kulturen besteht, wurde damals von einer einzigen politischen Macht zusammengehalten und beherrscht – vom römischen Kaiser. Kein anderes Reich hatte es bis dahin fertiggebracht, so viele unterschiedliche Völker, Sprachen und Kulturen unter einer Herrschaft zu vereinen. Der Römische Frieden – „Pax Romana“ – beinhaltete ein hohes Maß an Toleranz gegenüber den vielen Volksgruppen. Sie behielten ihre Sprache, wirtschafteten selbst, hatten ihre eigene Religion und Gesetzgebung. Bedingung war lediglich: Römisches Recht war zu achten, römische Steuern waren zu entrichten, und der römische Kaiser war als Herrscher der Welt mehr als alle Götter zu verehren.

Eigentlich wäre es eine gute Zeit gewesen für die wachsende Gemeinde der Christen, sich in aller Stille auszubreiten, wenn da nicht das Bekenntnis ihres Glaubens gewesen wäre, wonach allein Jesus Christus als Herr der Welt anzusehen und zu verehren sei. Jesus von Nazareth, von den Römern wegen eines angeblichen Herrschaftsanspruchs als Verbrecher ans Kreuz geschlagen und erbärmlich verblutet. Diesen Gescheiterten verehrten die Christen nun als König und Herrn über alles. Da, wo aber die Verehrung des Kaisers als Gott, als „Kyrios“, abgelehnt wurde, da war auch die innere Stabilität gefährdet. Das war den Römern klar. Und so kam es gegen Ende des ersten Jahrhunderts unter Kaiser Domician erstmalig zu einer systematischen Verfolgung der Gemeinde. Terroraktionen gegen christliche Versammlungen im Reich sollten die Christen verängstigen. Vorsteher wurden gefoltert oder sogar hingerichtet oder durch Verbannung unschädlich gemacht.

So war es auch Johannes ergangen, einem Prediger, der in sieben kleinasiatischen Gemeinden tätig war. Auf die kleine Felseninsel Patmos war er gebracht worden, wo er aber nicht untätig blieb. An seine in Bedrängnis geratenen Gemeinden schreibt er einen langen Brief, die Offenbarung, um ihnen Mut zu machen, am Glauben festzuhalten und sich zu bewähren.

In vielen verschlüsselten Bildern, die immer wieder Grund für Endzeitspekulationen gegeben haben und als „Apokalypse“ oft zur Angstmacherei missbraucht wurden, schildert er, was ihm vor Augen gestellt wurde.

Predigttext:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der

Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus.

Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.

Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.

Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Am Tag des Herrn, dem Sonntag, dem Auferstehungstag, an dem sich die christlichen Gemeinden im ganzen Land versammeln und sich der einsame Johannes mit ihnen in seiner Sehnsucht besonders verbunden weiß, hört er die Worte: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

Schöne Worte, aber was brachte es? Was bringt es Gemeinden, die um ihre Existenz bangen und fürchten, morgen aufgelöst und zerschlagen zu werden, wenn sie von Jesus als dem Ersten und dem Letzten hören? Was bringen diese Worte des lebendigen Christus den Gemeindegliedern, die Angst haben, schwach zu werden, in der Verfolgung nicht zu bestehen und von dem Auferstandenen nichts zu spüren? Und was hilft es Johannes, zu wissen, dass Christus die Schlüssel des Todes und der Hölle hat, wenn es keinen Schlüssel zu geben scheint, der ihn aus der Verbannung befreit und wieder mit den Seinen vereint? Was bringt´s?

Vielleicht auf den ersten Blick nicht viel, aber dann…

Dann wird deutlich, dass Johannes hier etwas Einzigartiges gezeigt wird. Wie durch ein Fenster, das sich zum Himmel hin öffnet, sieht er das, was bei Gott schon Wirklichkeit ist. Deswegen ist das kein Phantasieren, kein Traum, keine innere Verzückung, keine Vision, die einem sehnsüchtigen Herzen entspringt, weil die Gegenwart so unerträglich geworden ist.

Nein, es ist Wirklichkeit! So, wie sich am Ostermorgen Maria Magdalena umdrehen muß, um den Auferstandenen zu erkennen, so muß sich Johannes hier umdrehen, um zu sehen, was bei Gott schon längst Tatsache ist.

Johannes wendet sich um, der Stimme zu, und sieht die Gemeinden so, wie sie im Licht Gottes gesehen werden: nicht kleine Häuflein von mutlosen Christen, sondern - so unscheinbar und schwach und gefährdet sie auch wirken mögen: In Gottes Augen sind sie sieben goldene Leuchter, wertvoll, unvergänglich, standhaft, die der ganzen Welt vom Auferstehungslicht künden – einem Licht, das bis in unsere Gegenwart strahlt. Denn was wäre die Christenheit heute ohne das leuchtende Zeugnis der Christen von damals? Unsere ganze Kultur, unsere Zivilisation, unsere Werteordnung wäre gar nicht denkbar, wenn sich die Christen damals unter dem Druck der Römer verkrümelt hätten, wenn sie nicht standhaft das Licht weitergegeben hätten, das sie empfangen hatten.

Dieses offene Fenster muss ihnen eine enorme Kraftquelle gewesen sein, so dass sie das, was Johannes beschrieb, für wirklicher hielten, als alle Gefahr, die von der römischen Justiz ausging.

Und dann kommt er selbst, der ihnen den Rücken gestärkt hat, in den Blick: eine Gestalt wie ein

Mensch, aber eben zugleich viel mehr. Eine Gestalt in göttlichem Glanz – gekleidet wie ein

Herrscher…mit Augen wie Feuer, die alles Dunkel durchdringen und Licht und Wärme

verbreiten…auf Füßen, die durchs Feuer gehen und pure Kraft verkörpern, denn durch nichts und niemanden kann er aufgehalten werden…seine Stimme wie ein großes Wasserrauschen, weil sie unerschöpflich durch die Zeiten und die Kontinente dringt und durch niemanden zum Verstummen gebracht werden kann.

Sieben Sterne hat er in der Hand: Symbole für die sieben Gemeinden.

Auf Münzen der damaligen Zeit wird der römische Kaiser dargestellt mit dem Siebengestirn in der Hand als Herrscher des Alls. Aber nicht der Kaiser ist der Allherrscher, so sieht es Johannes. Wahrheit und Wirklichkeit ist: Christus ist der Herr des Alls und der Zeit. Das ist die Botschaft der Offenbarung. Davon lebt die Gemeinde: Daß Christus sie wie Schmuckstücke behutsam in seiner Rechten hat. In aller Verfolgung, aller Angst, werden sie von ihm gehalten und getragen.

Aber er hält und trägt sie nicht nur, er hilft ihnen auch, den Überblick zu behalten. Johannes beschreibt es mit den Worten vom Mund Christi, aus dem ein scharfes, zweischneidiges Schwert geht: Es trennt, es scheidet, es unterscheidet zwischen Wahrheit und Lüge, Recht und Unrecht, Gut und Böse. Damit Christen den Überblick behalten und standhaft bleiben – gegen Anfechtungen und Anfeindungen von innen wie von außen.

Jesus erscheint hier nicht als niedliches Baby im Stall, so wie wir es vor wenigen Wochen

gefeiert haben, oder als sterbender Mann am Kreuz. Auch nicht als guter Hirte mit langem

Haar, sanftem Blick und einem Schaf auf den Schultern, wie es früher oft dargestellt wurde.

Nein, er erscheint als der, der er wirklich ist: Der siegreiche König der Könige, der Herr über Himmel und Erde, über Leben und Tod.

Diese Vision – oder besser gesagt diese Begegnung mit dem auferstandenen Christus hat Johannes im wahrsten Sinn des Wortes umgehauen. „Ich fiel zu seinen Füßen wie tot“ schreibt er. Damit wird deutlich: Die Begegnung mit dem auferstanden Herrn ist nicht so, wie wenn wir beim Einkaufen einen Nachbarn auf der Straße treffen und sagen „Ach, hallo – schön Sie zu sehen. Wie geht’s so?“ oder bei Euch Konfirmanden, wo es in der Schule heißt „Hey Allda, was geht ab?“. Nein. „Hilf mir, ich vergehe“ so heißt es bei den Propheten im Alten Testament, weil sie wissen, dass niemand den lebendigen Gott sehen kann. Aber Jesus spricht zu Johannes „Fürchte dich nicht“, er legt seine Hand auf ihn und richtet ihn wieder auf. Dieses „Fürchte dich nicht“, das hat ihn in der Einsamkeit seiner Verbannung getröstet und den Gemeinden in der Verfolgung Kraft und Mut gegeben, durchzuhalten. Damals, vor 1.900 Jahren, als die Zeiten anders, aber keineswegs besser waren.

Und wir heute? In was für einer Zeit leben wir eigentlich?

Auch wenn bei uns Ruhe und Friede herrschen, dürfen wir nicht übersehen, dass nach wie vor in vielen Ländern der Erde Christen wegen ihres Glaubens unterdrückt, verfolgt, gefoltert und getötet werden. Meldungen von Brandanschlägen auf Kirchen wie jetzt an Weihnachten in Nigeria sind da nur die Spitze des Eisberges. Diese Glaubensgeschwister brauchen unser Gebet, unsere Fürbitte und unsere finanzielle Unterstützung – und sie brauchen Visionäre wie den Johannes, die ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind, dass sie trotz ihrer Schwachheit wichtig sind und ihr Leiden nicht umsonst ist.

Solche Visionäre sind z.B. die christlichen Menschenrechtsorganisationen wie CSI oder Open Doors, deren Mitarbeiter oft unter Einsatz ihres Lebens den verfolgten Christen beistehen, Untergrundkirchen mit Bibeln versorgen oder im Sudan versklavte Christen mit erheblichen finanziellen Mitteln freikaufen.

Bei uns hier in Deutschland und Europa wird niemand wegen seines Glaubens verfolgt oder gar versklavt – Gott sei Dank! Vor 25 Jahren sah das im Osten unseres Landes noch anders aus. Ich weiß, dass viele hier in der Gemeinde aus Siebenbürgen stammen – sie wissen ein Lied davon zu singen, was es bedeutet, seinen Glauben unter kommunistischer Herrschaft zu leben. Und der Holocaust-Gedenktag am vergangenen Freitag hat uns daran erinnert, wie es damals war, zwischen 1933 und 1945, als in unserem Land Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt und umgebracht wurden. Wir sind heute nicht mehr gezwungen, uns für den Kaiser, den Führer oder eine bestimmte Ideologie zu entscheiden. Aber trotzdem ist unsere Entscheidung gefragt – und die fällt uns oft schwer. Es gehört Mut dazu, Christsein auch ausserhalb der Kirchenmauern zu leben, sich im Alltag zu christlichen Werten und Überzeugungen zu bekennen und damit

gegen den Trend, gegen den Strom zu schwimmen. Die heutigen Götter heißen Wohlstand und Geld, Sex und Körperkult und neben der vorherrschenden religiösen Gleichgültigkeit – und mit ihr manchmal seltsam vermischt – schwappt nach wie vor eine enorme esoterische Welle über unser Land.

Die Kirche profitiert kaum von diesem neuerwachten Interesse am Übersinnlichen. Die Kirchenaustrittszahlen sind nach wie vor hoch. Angesichts schrumpfender Gemeinden – und damit verbunden geringerer finanzieller Mittel – ist es nicht verwunderlich, wenn viele resignieren und mutlos werden.

Waren die Zeiten früher vielleicht doch besser?

Als die Jünger mit Jesus auf dem Berg der Verklärung waren, wollten sie dort oben bleiben, weil sie von dem, was sie gesehen und erlebt hatten, so fasziniert waren. Aber sie mussten wieder hinunter, in die raue Wirklichkeit ihres Lebens. Trotzdem hat das Erlebnis auf dem Berg ihnen Kraft gegeben.

Die Verbannung auf Patmos und die Verfolgung der Gemeinde – sie waren nicht vorbei, nachdem Christus dem Johannes erschienen war. Ganz im Gegenteil. Aber diese Begegnung hatte eine solche Macht, dass alle Bedrängnisse und Widerwärtigkeiten überwunden werden konnten.

Wie ist das mit uns heute? Wo können wir heute Jesus begegnen? Wo können wir auftanken und Kraft schöpfen, wenn wir mutlos und schwach geworden sind? Wo werden wir wieder aufgerichtet? Der Gottesdienst an jedem Sonntag ist eine solche Kraftquelle. Das ist ja nicht nur irgendeine Veranstaltung, wo man sich trifft, einer möglichst lange redet und schöne Musik gespielt wird. Nein: hier ist der Ort, wo wir dem auferstandenen Christus begegnen und uns vom ihm aufrichten und stärken lassen können für unseren Alltag – so, wie damals Johannes auf Patmos.

Die Osterkerze hier in der Kirche ist mehr als nur ein Raumschmuck oder irgendein Symbol: Sie ist das Zeichen dafür, dass der auferstandene Herr mit seiner Kraft und Macht unter uns gegenwärtig ist.

Und sie ist das Zeichen dafür, dass - auch wenn die Zeiten sich ändern – seine Zusage gilt: „Fürchte dich nicht. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige!“

 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 6 von 44

Sie befinden sich hier:

Startseite > Predigten

Transfair-Verkauf

Verkauf von Waren aus fairem Handel
Kaffee, Tee, Schokolade...

... (fast) immer beim Kirchenkaffee am letzten Sonntag des Monats, oder bei mir zu Hause - rufen Sie einfach an, wenn Sie zwischendurch etwas brauchen oder am betreffenden Sonntag verhindert sind!

Verantwortlich: Gabriele Chmel, (Tel.: 089 / 320 71 60)