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Predigten
Kann eine Pfarrerin Depressionen haben? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 21. März 2015 um 13:49 Uhr

Jetzt kenn ich das also auch - wie das ist, krank zu sein.

Schwach zu sein.

Verzweifelt.

 

Nicht die souveräne Seelsorgerin, die sich um andere kümmert, anderen zuhört und hilft -

 

sondern selber hilfsbedürftig. Verzweifelt. Unleidlich. Verstört.

 

Jetzt weiss ichs, habs am eigenen Leib erfahren, wie das ist, wie sich das anfühlt.

 

Und ich bin nicht mehr dieselbe wie vorher.

 

Das war undenkbar für mich; als mir die Ärztin gesagt hat, Sie gehören in eine Klinik, für sechs, acht Wochen - am Ende waren es vierzehn - da war ich wie mit dem Hammer vor den Kopf gehauen:

 

ICH? Ich doch nicht!! Ich gehör zu den Helfern, die anderen sind die, die krank sind!!

 

Aber meine Cousine hat mir gut zugeredet und hat gesagt:

 

„Wie willst du Seelsorgerin sein für andere, wie willst du dich jemals einfühlen können, wie das ist, krank zu sein, wenn du selber nie krank gewesen bist?

 

1. Jeder, der Analytiker werden will, muss selbst eine Lehranalyse durchlaufen!

 

2. Du verstehst die Trauernden besser, seit du selbst an den Gräbern deiner eigenen Eltern gestanden hast!

 

3. Und jetzt lernst du kennen, wie es ist, krank zu sein, allein schon dafür, damit du dich in die Kranken einfühlen kannst,

 

Das erweitert deinen Horizont.

Dir fehlt sonst ein Lebensbereich - so wie ein Mensch, der niemals gereist ist.

 

Kann eine Pfarrerin Depressionen haben?

Psychisch krank und gestört sein?

Natürlich kann sie.

Wie jeder andere Mensch: Gott bejaht die Person, die Persönlichkeit - und eine Krankheit bedroht sie. Verändert sie. Zerstört sie vielleicht.

 

Wozu? Für was ist das gut? ich weiß es nicht

 

- was ist der Sinn einer Krankheit? das sieht man ja ganz unterschiedlich, je nachdem,

 

- ob man grad drinsteckt in der Krankheit oder ob man sie hinter sich hat -

 

ob man selber betroffen, d.h. krank ist, oder ob ein Mitmensch krank ist und man selber ist Beobachter oder Helfer -

 

Verallgemeinern lässt sich die eigene Deutung nie - und:

 

Davonlaufen funktioniert sowieso nicht.

 

Ich habs echt versucht.

Mit aller Entschiedenheit. Immer wieder. Versuch es auch jetzt immer mal wieder.

 

Je mehr ich versucht habe, das Leid zu vermeiden, desto mehr hab ich gelitten,

 

die Angst vor dem großen Unbekannten hat mich vielleicht mehr gequält als mich das große Unbekannte selber gequält hätte,

 

und es wegzudrücken hat vielleicht mehr Kraft gekostet, als es gekostet hätte, es mir gleich anzuschauen.

 

Es gibt Abwehrmechanismen, die nicht hilfreich sind, davonzulaufen gehört dazu, verdrängen - und sich im Gegenteil bewusst zu konfrontieren kann auch schon heilende Wirkung haben.

 

Das schwerste und vielleicht eben auch das wichtigste war für mich:

 

a bisserl aufzumachen.

 

Meine Gedanken und meine emotionalen Reaktionen zuzulassen, erstmal auch ohne irgendwas sofort verändern zu wollen - nicht nur das sehen, was ich mir verzweifelt wünsche, Gesundheit, Stärke, Leben - sondern anzuschauen, was da ist: Krankheit, Schwäche, Verzweiflung.

 

A bisserl aufmachen. Sich mit dem eigenen Körper und dem Augenblick, so wie er ist, anzufreunden. Die Aufmerksamkeit zu ihm hinzulenken, obwohl und gerade weil man grade krank ist - Gott mich gerade krank sein lässt. Und mir trotzdem meine Würde gibt. Meine Würde hab ich von Gott.

 

Eine Würde und einen Wert zu haben ist nicht die Belohnung dafür, dass ich bin, wie ich bin.

 

Ich bin nicht deswegen wertvoll, weil ich Pfarrerin bin, weil ich gut predigen kann, weil ich gerne Brezen und Kaffee und Ovomaltine mag und weil ich so und so aussehe.

 

Meine Würde ist nicht Ertrag meiner Persönlichkeit.

 

Sondern Gott schenkt sie mir, meine Würde, egal wie es mir geht.

 

Darin liegt die Kontinuität zwischen gesundem Leben und Krankheit: Gott schenkt mir meine Würde. Gott schenkt den Wert meines Lebens.

 

Und da drin liegt der Sinn des Lebens: dass es seinen Wert von Gott hat.

Gott ist nicht der Garant von Gesundheit.

Auch nicht von Glück.

 

Gott ist die Quelle des Lebens,

 

und Lebenssinn heißt nicht Glück und nicht Gesundheit,

sondern wertvolles Leben.

 

Mein Leben ist wertvoll.

Jeder Atemzug erinnert mich: wie wertvoll, dass ich überhaupt noch lebe.

Kann ja jeden Augenblick vorbei sein, theoretisch.

Aber noch lebe ich. Noch atme ich.

 

Und die Anstrengungen lohnen sich,

die es braucht, um dieses Leben zu bewältigen:

 

denn mein Leben ist nicht einfach bloß irgendein Schicksal, unbarmherzig, unberechenbar -

 

mein Leben ist auch nicht bloß Aufgabe, für die man sich unendlich anstrengen und zammreissen muss.

 

Mein Leben hat eine Quelle, hat einen Grund, in Gott.

 

Ihm kannst du vertrauen in dunkelster Nacht,

wenn alles verloren erscheint.

Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht,

ist näher, als je du gemeint....

 

Drum kann ich ihn wahrnehmen, so wie er ist, den Augenblick - und meinen Körper, meinen Zustand, auch wenn ich grad gequält bin von irgendeiner Krankheit.

 

Leib und Seele aufmerksam wahrnehmen, sich damit anfreunden, statt davonzulaufen.

 

Aber: das läuft natürlich total unserer Intuition zuwider, unseren elementarsten Instinkten.

 

Durch Schmerzen und Beschwerden registriert der Organismus „Gefahr!“, und für ihn bedeutet das automatisch entweder Flucht - oder Kampf.

 

Bestimmt nicht stillhalten und hinschauen.

 

Aber grad wenn man krank ist, geht dann oft weder Flucht noch Kampf.

Manchmal geht nur noch - weiter atmen.

Sonst nichts. Wie in den Wehen.

 

Nicht davonlaufen, auch nicht aktiv werden - sondern statt dessen direkt in die Empfindung rein weiter Luft holen - und wieder ausatmen, - nicht abschweifen - nicht verlieren in Vergangenem - nicht eine Zukunft konstruieren, die es so doch nie geben wird - nicht ausweichen, „nicht rumspinnen“, sondern nur annehmen, ohne zu handeln, ohne zu reagieren, auch ohne zu bewerten. Vielleicht kann ich dann realistisch einschätzen, was ich jetzt brauche.

 

Manchmal a Decke, a Wärmflasche, manchmal eine Hand zum Festhalten, ein Kissen im Rücken, manchmal mei Ruh, manchmal Tigerbalsam, einen Spaziergang, einen heißen Tee - aber vor allem muss ich erstmal hinspüren, damit ich merk, was ich brauch, damits vielleicht a kleines bisserl besser wird. Genau da hinspüren, wo es grad fehlt.

 

Das braucht gigantische Willenskraft, viel mehr, als ich oft hatte und habe.

Willenskraft, Zeit, Raum, Unterstützung.

 

Weil dann fällt es mir ja auch auf:

 

wo und wie ich mich verändere durch die Krankheit. Was das körperlich auslöst bei mir. Wie sehr mich das entwurzelt, destabilisiert.

 

Krisenzeiten können das Beste und das Schlimmste im Menschen zutage fördern.

 

Und: die Willenskraft stoppt auch nicht alles.

 

Man kann manches nicht mit dem Verstand zum Schweigen bringen.

Den Gedanken an den Tod zum Beispiel, an unsere Sterblichkeit,

oder meine Angst, nicht mehr gesund und belastbar zu werden,

oder nicht mehr arbeiten zu können,

oder der Gedanke an den Rückfall oder oder oder -

 

dieses Grübeln kann ich manchmal nicht abstellen. Und mir die Gedanken nicht einfach ausreden.

 

Man kann sie sich aber ganz im Gegenteil anschauen. In aller Ruhe.

 

Wann taucht der Gedanke auf? Wie oft taucht er auf? Wie lang bleibt er?

 

Man kann vielleicht akzeptieren, dass es so ist, dass er auftaucht - und vielleicht kann er dann allmählich etwas von seiner Kraft verlieren, wenn man sich dann immer wieder der Gegenwart zuwendet,

 

den eigenen Atem wahrnimmt, dem Körper Beachtung schenkt, so wie er ist, ohne ihn verändern zu wollen -

 

ohne die eigenen Befürchtungen nicht verwechselt mit der Realität.

 

Denn Beschwerden zu ignorieren ist falsch, - und übermäßig Sorgen machen ist auch falsch und bei jedem Anlass zu meinen, die Welt geht unter, (das ist ja meine Spezialität).

 

Wir haben von Jona gehört aus dem Alten Testament.

Meine Lieblingsgeschichte.

Nicht nur für Kinder, Kinderbibelwoche:

 

die Geschichte vom Davonlaufen und vom Eingefangenwerden.

Die Geschichte davon, dass man unserem Gott nicht auskommt.

 

Und dass es bei unserm Gott kein Davonlaufen gibt.

Also, man kann natürlich davonlaufen, immer wieder,

aber Gott läuft uns nach, holt uns wieder ein und bringt uns immer wieder aufn Weg. Selber, oder über seine Helferinnen und Helfer.

 

Beim Jona in der Bibel wars keine Krankheit, vor der er davongelaufen ist - sondern Gott hat ihm einen Auftrag gegeben, und dem wollte sich Jona nicht stellen. Er sollte Ninive ausrichten, dass die Stadt vernichtet werden wird.

 

Das wollte der Jona nicht.

Wollte sich drücken.

Ist in die andere Richtung davongelaufen.

 

Und ich versteh ihn. Anderen im tiefen Ernst unangenehme Wahrheiten sagen müssen, um so einen Auftrag rauft sich keiner, die Propheten in der Bibel nicht und die Helferinnen und Helfer Gottes aus unserer Zeit auch nicht.

 

Bei Jona benutzt Gott einen riesigen Fisch, um ihn auf den rechten Weg zurückzubringen -

 

bei mir hat Gott immer wieder Mitmenschen benutzt, die sich Gott sei Dank nicht davor gedrückt haben, mich einzufangen, mir unangenehme Wahrheiten zu sagen und mich auf den Weg zurückzustupsen -

 

bei Jona hat Gott einen Rizinusstrauch wachsen und dann verdorren lassen, um ihn zur Einsicht zu bringen,

und auch bei mir hat er keine Mühen gescheut, um mich dazu zu bringen, die Veränderungen zu akzeptieren:

 

auch wenn ich die Dinge nicht verstehe, wie sie sind -

so sind sie trotzdem, wie sie sind.

 

Egal, wenn es aber immer so gewesen ist - diesmal isses anders -

 

ob mir das passt oder nicht und ob ich mir das zutraue oder nicht - es ist jetzt und diesmal einfach so.

 

Jona hat das eingesehen, nachdem ihn der Fisch verschluckt hatte.

 

So einen Fischbauch stell ich mir gruselig vor.

Stockfinster, modrig und schleimig, fischig und feucht

 

eher unbehaglich und ungemütlich.

 

Greislicher gehts kaum.

 

Da hat sich Jona an Gott erinnert und hat sich an ihn gewandt. „Ihn angerufen“,

 

nicht mit dem Handy,

auch nicht per whatsapp,

„nur“ im Gebet,

 

aber ganz egal - er hat sich ergeben. Sich genau dem zugewandt, vor dem er bis dahin versucht hatte, abzuhauen. Kehrtwende. Sich dem stellen, was Sache ist. Egal, ob mir das passt oder nicht. Den Dingen ins Auge schauen.

 

Gott hat ihn gehört.

 

Das entscheidende in dieser Geschichte ist nicht so sehr der riesige Fisch gewesen, der im rechten Moment aufgetaucht ist und den Jona verschluckt hat,

 

das entscheidende war nicht der Sturm, der das Schiff in Seenot gebracht hat,

 

das entscheidende war nicht der Rizinusstrauch -

 

sondern dass Jona sich endlich seinem Gott zugewandt, sich gestellt und mit ihm gesprochen hat, statt sich vor ihm zu verkriechen.

 

Und genauso war auch in meiner Krankheitsgeschichte jetzt das Entscheidende nicht der therapeutische Trick siebzehn, nicht die Wahl der Klinik oder das richtige Medikament und auch nicht, wie es bisher immer gewesen ist, meine Erfahrungen, „noch jedesmal!“, sondern

 

dass sich Gott mir immer wieder zugewandt hat im Gespräch mit Mitmenschen, mir geantwortet hat, jedesmal, wenn ich ihn endlich gelassen habe. Jedesmal, wenn ich endlich aufgehört hab, mich umzudrehen und nach hinten zu schauen, im Bild gesprochen: eine schiefe Furche nach der anderen zu pflügen.

 

„Jedesmal dann“ -

 

Denn ich bin ja nicht „durch“, keiner von uns ist „durch“ mit dem Leben bis zum letzten Atemzug - sondern der Moment kommt immer wieder.

 

Immer wieder ist der entscheidende Moment der, wo wir Gott endlich lassen. Ihn uns ansprechen lassen, ihn antworten lassen, wo wir uns ihm ergeben - hinschauen - hinspüren - und trotzdem weiter atmen.

 

Manche Menschen glauben, man kommt seinem Schicksal nicht aus.

Ich glaub nicht an Schicksal, ich glaub an Gott, und dass man Gott nicht auskommt.

 

Wir haben nicht die Wahl, ob es Gott gibt oder nicht,

auch nicht, ob er einen Anspruch auf uns erhebt, einen Auftrag hat für uns oder nicht.

 

Wir haben nur die Wahl, ob wir diesen Gott annehmen wollen, als unseren Gott, unser Schicksal - oder ob wir davonlaufen, uns verkriechen, die Luft anhalten - und damit letztlich untergehen. Unser Leben verpassen und verfehlen.

 

Mit Gott zu leben, sich ihm zu stellen, das ist nicht die verlockendste Alternative unter vielen.

 

Sondern die einzig wahre.

 

Sich auf Gott einzulassen, ihn anzunehmen, das ist das einzig wahre.

Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben -

 

nicht der Garant von Glück und Gesundheit, sondern die Quelle des Lebens auch wenn wir am Ende nicht mehr dieselben sind wie vorher.

 

Nur Gott bleibt immer derselbe.

Er wartet, dass wir uns ihm zuwenden und uns ihm stellen,

 

davonlaufen gilt nicht,

 

und: er traut uns das nicht nur zu,

sondern er erwartet das einfach von uns.

 

 

Amen.

 

 

 
Zur Rechten und zur Linken von Gottes Thron? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 21. März 2015 um 13:47 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

mein Vater war Rechtsanwalt, und als Teenager hab ich ihn mal zu einer Verhandlung begleitet. Ich saß irgendwo hinten im Zuschauerraum - und er hatte natürlich seinen Platz vorne, bei den Prozessbeteiligten, (Kläger, Beklagter, Staatsanwalt, Richter und so weiter...)

 

Mir war natürlich mein Papa tief vertraut.

Ich kannte ihn von daheim, wenn er am Frühstückstisch saß, mit wirren Haaren, in seinem dicken grünkarierten Bademantel; oder im Sessel vor dem Fernseher, in eine Wolldecke gekuschelt und ein Glas Wein in der Hand.

 

Jetzt kam eine ganz andere Seite von ihm zur Vorschein. Er hatte die schwarze Anwaltsrobe an und hielt sein Plädoyer, warf mit lateinischenFachausdrücken und geschliffenen Formulierungen um sich und ging ganz auf in seiner professionellen Rolle, souverän, wortgewandt, ich hab richtig gefremdelt und hatte nochmal neu richtig Respekt vor ihm.

 

Und jetzt hören wir im Markus-Evangelium von Jakobus und Johannes. Jünger von Jesus. Der sagt, er ist der Messias.

 

Jakobus und Johannes kannten Jesus, waren tief vertraut mit ihm. Viele Nächte haben sie mit ihm am Lagerfeuer gesessen, sein Gesicht flackernd beleuchtet durch die Flammen, tagelang sind sie mit ihm gewandert in brütender Sonne, haben hitzig debattiert und fröhlich gefeiert im Schatten irgendwelcher Bäume, haben am Ufer vom See Genezareth gesessen und schweigend aufs Wasser gestarrt, sie haben sich gemeinsam um Kranke gekümmert und denen die Hände aufgelegt; Jesus war ihnen ganz nah, vertraut.

 

Jakobus und Johannes haben Jesus gekannt, mitsamt seines Launen - wie er drauf war, wenn er mal grantig war, wenn er seine Ruhe gebraucht hat, oder wenn seine Augen geblitzt haben, beim Lachen vielleicht; sie hatten seine Stimme im Ohr, wie sie klingt, wenn er was erklärt hat oder ganz weich jemanden trösten wollte und gut zugeredet hat, oder wenn er traurig war.

 

Jetzt sprach er davon, dass er seine Herrschaft antreten wird, seinen Thron besteigen und sein Reich regieren als „der Messias“.

 

Und die Jünger denken sich, den kennen wir doch, den Messias.

Der ist ganz vertraut, und wenn er auf den Thron steigt, da wärs doch dann nett, wenn wir rechts und links von ihm sitzen dürften, und das steht uns als seinen Freunden doch auch zu. Das sind die Ehrenplätze - und die hamm wir doch in der Tasche.

 

Und ich denk, da ähneln wir ihnen irgendwo, wenn wir über Gott nachdenken.

 

Über den lieben Gott. Der ist uns vertraut, seit Kindertagen,

die Geschichten aus der Kinderbibel, dem Kindergottesdienst,

wo die Tiere in Zweierreihen in die Arche Noah einziehen wie die Flohkiste auf Kindergartenausflug,

 

wie ein Jesus mit dunklen wallenden Locken die Kinder zu sich ruft und ihnen die Hände auflegt und sie segnet, oder der gute Hirte mit dem Schäfchen auf den Schultern.

 

Ein naher, vertrauter, ein harmloser Gott.

Vor dem fürchtet sich keiner,

und die Plätze im Himmel, die hamm wir doch eigentlich alle schon in der Tasche, oder? Vielleicht nicht grad direkt zur Rechten und zur Linken -

 

aber wenn ich jetzt etwa an Beerdigungsgespräche denke -

 

da macht sich eigentlich nie jemand Sorgen.

Dass ein verstorbener Angehöriger nicht in den Himmel kommt.

Da heisst es dann immer,

 

naja gut, ein Kirchgänger war er oder sie jetzt nicht,

aber schon ein guter Mensch,

der ist jetzt sicher im Himmel.

 

Vorsicht.

 

Hier warnt Jesus.

Er droht nicht, er macht keine Angst,

 

aber so wie ich im Gerichtssaal am Zuschauerbankerl gefremdelt hab mit meinem Vater in der schwarzen Robe beim Plädoyer,

 

so könnte es sein, dass wir alle fremdeln werden am Zuschauerbankerl vor Gottes Thron: und Gott wird nicht nur vertraut und lieb und harmlos sein, sondern wir werden nochmal ganz neu eine Menge Respekt, ja geradezu: einen Heidenrespekt haben vor ihm.

 

Jesus bestätigt Jakobus und Johannes: ja, ihr werdet mit der gleichen Taufe getauft, mit der ich getauft werde, werdet den selben Kelch leeren müssen, den ich trinke, werdet ein ähnliches Schicksal erleiden wie ich -

 

wir sind uns tatsächlich sehr nah, ihr und ich. Gottes Sohn, Mensch und Gott, Jesus und seine Jünger.

 

Aber das heisst noch lang nicht, dass ihr den Platz an meiner Seite im Himmel schon in der Tasche habt. Der ist vorgesehen für ganz bestimmte, den vergibt Gott höchstpersönlich, und die Kriterien kenn ich, Jesus, gar nicht, seid euch ja nicht zu sicher, egal wie vertraut und wie innig ihr mit mir seid.

 

Im Konfirmandenkurs ging es ums Abendmahl.

Ich hab euch beigebracht, dass man nicht Danke sagt, wenn man die Hostie kriegt, sondern? - Amen.

 

Und Amen heisst schon nochmal mehr als Danke.

Ich geb dir die Hostie und behaupte, das ist Christi Leib!

Und du/ Sie sagen Amen dazu, das bedeutet:

 

Ja, das denke ich auch, das glaube ich oder ich möchte es zumindest glauben. Dass in diesem Stück Oblate Gott selber ganz nah ist, gegenwärtig ist. Dass das heiliges Brot ist.

 

Und genauso sagt Jesus seinen Freunden: Gott ist der Bestimmer! Gott ist der Chef! Gott macht die Regeln! - und wir befolgen sie nur. Wir sagen Ja und Amen dazu, ja, wir wollen sie anerkennen,

wir lassen Gott den Chef, den Bestimmer sein -

 

auch wenn er damit ein großes Stück fremder wird für uns, unverständlich vielleicht, unberechenbar, fern, unnahbar -

 

und wir fremdeln. Haben einen Heidenrespekt. Vielleicht sogar Ehrfurcht und Angst, manchmal.

 

Das müssen wir alle im Blick behalten: Gott IST der liebe und nette,

wir vertrauen ihm schon unsere Kinder an in der Taufe und im Religionsunterricht,

 

an Weihnachten feiern wir die Heilige, Heile Familie überhaupt,

und auch Ostern ist ja irgendwie schon auch niedlich mit den süßen Hasen und den bunten Eiern und den Frühlingsblumen; ABER:

 

zu Ostern gehört auch die Fastenzeit und Karfreitag.

Drum fehlt das Gloria in der Liturgie (Frau Z.?),

eine der Glocken schweigt beim Läuten vor dem Gottesdienst (schon gemerkt??),

und auch hier im Raum gibts eine Veränderung..? (Kreuz in der Taufkapelle);

 

Ostern ist mehr als Hasen und Eier.

Nächsten Sonntag ist Palmsonntag, Einzug in die Jerusalem,

und darauf folgt die „Heilige Woche“, die Karwoche, die wichtigste Woche im ganzen Kirchenjahr.

 

Ich sag da jedes Jahr: es wär schad, wenn wir uns erst nächsten Sonntag wiedersehen, Sie lassen sich Wichtiges, Lebenswichtiges entgehen! nämlich Gründonnerstag, mit dem Feierabendmahl hier in der Kirche, ein einmaliges festliches gottesdienstliches Abendessen hier in der Kirche als Andenken an das Abschiedsfest von Jesus und seinen Freunden;

 

damals hat er das erfunden, was wir als Abendmahl feiern.

Gründonnerstag, 19 Uhr, hier in der Kirche, wer einmal dabei war, vergisst es nie - die Bänke kommen alle raus, wir sitzen an langen Tischen mit weissen Tischdecken und Brot und Wurst und Käse;

 

und danach wird alles wieder umgebaut, weil ja am Karfreitag hier wieder Gottesdienst ist. Ernst, todernst sogar, alle kommen in schwarzen Anzügen und flüstern höchstens und die Glocken schweigen;

 

es geht um die Kreuzigung Christi,

 

und ich werbe sehr eindringlich,

 

setzen Sie sich dem Ernst dieses Tages auch aus!

 

Halten Sie diesen ernsten, stillen Feiertag, verharmlosen und übergehen Sie ihn nicht einfach.

 

Den Konfis hab ich beigebracht, dass mich das auf die Palme bringt, wenn sie das Abendmahlsbrot nicht richtig bezeichnen. (Wie heissen die Oblaten? Hostien!)

 

Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, mich auf die Palme zu bringen, etwas kaputtzumachen durch Unachtsamkeit:

 

und das ist Osterdeko, bunte Plastikeier oder ähnliches, wenn sie schon weit vor Ostern, an Gründonnerstag und Karfreitag und Karsamstag in den Zweigen der Vorgärten baumeln.

 

Des ärgert mich furchtbar.

 

Wartens halt bitte mit dem Dekorieren den Ostersonntag, die Auferstehung Jesu ab.

 

Vor dem Geburtstag zu gratulieren ist ganz verpönt, da sinds alle abergläubisch, und in den Vorgärten meiner Gemeindeglieder ist bitte vor Ostern karfreitäglicher Ernst und Schmucklosigkeit und Kargheit -

 

weil wir doch unseren Gott und seinen Tod nicht verharmlosen wollen.

 

Damit wir ernstnehmen, wie fremd dieser Gott den Menschen sein könnte, welchen Heidenrespekt wir alle vor ihm haben werden, wenn wir am Zuschauerbankerl sitzen, und eben nicht zu seiner Rechten und seiner Linken an Gottes Thron, und wenn entschieden wird, ob wir leben, mit Gott, oder ob wir untergehen.

 

Um nichts weniger geht es an Ostern.

 

Alle Jahre wieder, wenn es irgendwie geht, drück ich mich vor dem Karfreitag, davor, da den Gottesdienst halten zu müssen; gut, dass wir heuer die Heike Immel haben. Weil die Vorstellung dermaßen furchtbar ist, das wäre Gottes letztes Wort gewesen, das Todesurteil über den Menschen.

 

Stellen Sie sich vor, Jesus wäre tot geblieben.

 

Gottes letztes Wort: der Tod und das Kreuz.

 

Sein letztes Wort an unsere Toten: sie alle wären verloren -

wir selber wären verloren -

 

und es gäbe keinerlei Hoffnung auf Ostern und Auferstehung.

 

Halten Sie diese Vorstellung in Gedanken mal einen Karfreitag, einen stillen Karsamstag lang aus. Die schreckliche Vorstellung, wir hätten wirklich nur ein Frühlingsfest mit Hasen und Eiern, mit Blumen und Süßigkeiten, und nicht den Sieg Gottes in Jesus Christus über den Tod.

 

Denn nur wenn einem das Fremde, das Bedrohliche und Todernste an Gott bewusst ist, nur dann kann man doch das Nahe, das Zugewandte und Liebevolle an Gott überhaupt erst wirklich schätzen, wie kostbar das ist.

 

Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;

zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

 

 

 

 
Gewaltlosigkeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Freitag, den 18. Juli 2014 um 14:28 Uhr

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

was wissen Sie eigentlich über Gandhi?

 

Das ist dieser kleine dünne Mann mit den abstehenden Ohren, in den Worten von Martin Kämpchen „dieses krummbeinige Männlein mit glattrasiertem Kopf, mit Knollennase und knielangem Lendenschurz“ aus Indien, ein studierter Rechtsanwalt; die Vorfahren väterlicherseits waren seit drei Generationen Ministerpräsidenten.

 

1869 wurde er geboren, in Indien und England ausgebildet und ging später eben als Anwalt nach Südafrika, unter indische Einwanderer. Im Kampf gegen deren Diskrimierung hat er seine Methode des gewaltlosen Widerstandes erprobt, für den er so bekannt und berühmt wurde.

 

1915 ist er nach Indien zurückgekehrt, hat gekämpft für die Unabhängigkeit,

 

1947 wurde Indien frei, ein knappes halbes Jahr später hat ihn ein Attentäter erschossen.

 

Schüchtern muss er ursprünglich gewesen sein, total ungeeignet also als Rechtsanwalt. Außerdem wohl eher eitel, ein schwacher Mensch, Zigaretten, Wein, Bordell, Diebstahl, nichts ist ihm fremd gewesen;

 

aber zugleich gab es wohl schon von Jugendjahren an eine Neigung, mit sich selbst sehr hart ins Gericht zu gehen und unglaublich hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen.

 

Am Ende hat er sich von Grund auf radikal zum Guten verändert, warum?

 

Weil er zu der Überzeugung gekommen war:

Das Verhalten des Einzelnen ist nicht belanglos, sondern es hat metaphysische Konsequenzen. Deshalb wollte er seine Begierden und Leidenschaften reinigen und heiligen.

 

Und zwar durch und durch.

 

„Mahatma“ haben ihn schließlich die Leute genannt, das ist ja nicht sein Vorname - sondern das ist ein sanskritischer Ehrenname, das heißt „Große Seele“.

 

Diesen Ehrennamen hat er erst abgelehnt; später hat er in ihm immerhin ein Ziel gesehen und wollte ihm mit der Zeit immer mehr gerecht werden, immer mehr drauf hinleben, ein Mahatma, eine große Seele, zu werden.

 

Darin sah er seine Lebensaufgabe - und die hat er ernst genommen, todernst.

 

Für die Massen in Indien ist Gandhi mit seinem Werk umstritten geblieben. Er wirkt heute nur noch sehr oberflächlich im Bewusstsein der Nation. Im Westen ist er fast mehr adaptiert worden, allerdings auch idealisiert und vereinfacht und vor allem verabsolutiert.

 

Das muss man sich schon bewusst machen, dass seine Taktik von der kompromisslosen Gewaltlosigkeit nur sinnvoll und möglich war innerhalb eines bestimmten Gesellschaftssystems, nämlich einem, das ohnehin humanistisch orientiert war.

 

Unter Hitler wäre er einfach vergast worden oder in Vietnam, wäre als obskurer Fanatiker dritten Ranges allenfalls in die Fußnoten der Weltgeschichte eingegangen.

 

Aber er wollte in Indien soziale Gerechtigkeit, die Gleichheit der Individuen, dass die Unberührbaren auch als vollwertige Menschen behandelt werden. Aber er wollte eben nicht nur politisch aktiv sein, soziale Strukturen verändern, sondern existentiell und individuell die Motive jedes einzelnen Menschen reinigen, veredeln, heiligen - allem voran seine eigenen.

 

Faszinierend an Gandhi sind letztlich weniger seine politischen Erfolge und seine sozialen Reformideen.

 

Faszinierend ist, wie radikal er an das Gute im Menschen glaubt: Herzensreinheit, Selbstlosigkeit und Gewaltlosigkeit, „das muss doch möglich sein!“, das war seine Vorstellung, und wenn man schon nicht so sein kann, so kann man sich wenigstens drum bemühen, immer mehr so zu werden.

 

Gandhi war kein Christ.

 

An Jesus hat ihm aber natürlich vieles gefallen, vor allem die Bergpredigt und dort natürlich das Stück daraus, das ich vorhin gelesen habe: die Seligpreisungen:

 

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
   6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
   7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
   8 Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
   9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

 

Was ist Frieden?

Frieden ist das Schweigen der Waffen, die Abwesenheit von Krieg;

aber das ist ja längst nicht alles.

 

Denken wir über Gandhi hinaus.

 

Fragen wir die Bibel, was ist Frieden? Im Epheserbrief steht schlicht: „Christus ist unser Friede.“ (Eph 2, 14)

 

Religionen haben ja immer schonmal beide Funktionen übernommen: Einerseits Quelle von Gewalt zu sein - und andererseits von Frieden.

 

Gewaltentstehung auf der einen, Friedensstifter auf der anderen Seite - und das kann gar nicht anders sein. Denn es geht um Wahrheitsansprüche, die man nicht mehr hinterfragen kann, um Herkunftsmythen, um heilige Texte...

 

das Alte Testament strotzt von Gewalt: Simson, ein Geweihter von Mutterleib an, kann mit bloßen Händen junge Löwen zerreissen;

 

mit einem Mord begann die Befreiung Israels aus der Fremdherrschaft der Kanaaniter;

 

beim Tanz ums Goldene Kalb gibts Tote,

die Baalspriester werden zu Hunderten umgebracht,

 

wie passt das zu Jesus, der sich widerstandslos hat festnehmen und kreuzigen lassen?

 

Jesus ist die biblische Vision vom Frieden, er ist der lang verheißene Friedensfürst - und zugleich muss aber doch der historische Jesus einer der größten Unruhestifter und Aufmischer der Geschichte gewesen sein.

 

Nach dem Matthäusevangelium sagt Jesus:

34 Ihr sollt nicht glauben, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. 36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Das klingt so gar nicht nach den Jesusgemälden, die manche/viele von Ihnen über dem Bett im Schlafzimmer hängen haben. Mit Jesus als dem guten Hirten mit dem Schaf auf der Schulter.

Das klingt nicht nach dem lieben Gott, der alles versteht und alles verzeiht.

Das klingt auch nicht danach, als hätte Jesus vor allem unser soziales Miteinander hier im Leben regeln und erneuern wollen.

Jesus wollte nicht politischen Frieden. Noch viel weniger als Gandhi.

Jesus wollte Frieden zwischen Mensch und Gott. Nicht nur Frieden auf Erden, sondern Friede zwischen Himmel und Erde.

Die Gesellschaft, in der Jesus gelebt hat, war gewalttätig. Die Römer durften die Leute zwingen, dass sie alles stehen und liegen lassen und mit ihnen mitgehen, etwa um ihre Lasten zu tragen.

Kleinste Vergehen sind rigoros und brutal bestraft worden,

die Frauen waren rechtlos,

es gab Armut und Unterdrückung,

die Zolleinnehmer haben den Leuten das Geld abgepresst und es nachher zum Fenster rausgeworfen... -

... aber hier Frieden zu schaffen, Gerechtigkeit, Freiheit, das lag weit außerhalb der Möglichkeiten der ersten Christen.

Jesus hat seine Jünger nicht aufgerufen, die Welt zu verändern, sondern in einer gottlosen Welt Gottes Willen zu tun, ohne Kompromisse und immer und unbedingt.

Vergeltung und Gerechtigkeit wird stattfinden. Aber: Rache ist das Hoheitsrecht Gottes. Rächt euch nicht selbst, denn mein ist die Rache, spricht der Herr, steht schon

Römer 12:

Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!

18Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!

19Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.

20Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt.

21Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

Das ist Friede.

 

Jesus sagt zum Abschied zu seinen Jüngern: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch - nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

 

Mehr als alles andere ist Frieden persönlicher Frieden des Einzelnen mit Gott, „mit sich im Reinen zu sein“. Jeder Sonnenuntergang am Abend macht a bisserl wehmütig, weil er uns erinnert, dass irgendwann endgültig die Sonne untergeht für einen jeden und eine jede von uns - und dann soll uns Gott nicht unversöhnt antreffen.

 

Drum sollen wir Frieden schließen miteinander, jeden Tag, jeden Abend, „lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn!“ und versöhnt euch jeden Abend miteinander - wenn es sein soll, auch die Evangelischen mit den Katholiken hier am Straßenfest auf dem Parkplatz, es ist die beste Gelegenheit.

 

und: lasst euch versöhnen mit Gott.

 

Selig sind die Sanftmütigen“ - was ist denn sanftmütig?

 

Das Gegenteil von Rumpelstilzchen - und das Gegenteil von denen, die mit Gewalt das erreichen und durchdrücken wollen, was sie für richtig halten.

 

Dabei sind die Sanftmütigen auch nicht zwangsläufig die Bequemen für ihre Umgebung. Manchmal schaffen gerade sie die dauerhaftesten Veränderungen.

 

Die sanftmütige Herrschaft von Jesus hat Bestand seit 2000 Jahren (und wird noch in alle Ewigkeit weiter bestehen);

 

Sanftmütige haben Krankenhäuser gebaut und Witwen und Waisen versorgt,

 

Sanftmütige haben die Sklaverei abgeschafft und die Menschenrechte mit durchgesetzt,

 

Sanftmütige haben mit ihrer Liebe mehr Menschenherzen erobert und Gutes für die Menschheit erreicht als es Gewaltherrscher und Druck hingekriegt hätten, denken ie an das Ende der DDR, an Martin Luther King;

 

die Sanftmütigen könnten Ellenbogen einsetzen, könnten schimpfen, könnten Druck ausüben - aber sie entscheiden sich anders.

 

Sie überlassen es Gott, ihnen Gerechtigkeit zu verschaffen und sie zu rächen.

 

Sie verwandeln ihren Groll nicht in aggressive Taten und halten es statt dessen aus, (für eine Weile noch) durchaus auch mal auf der Verliererseite zu stehen - weil Gott es richten wird.

 

Was heisst das für uns? Was heisst es für die Ökumene in Garching, was heisst das allgemein für unsere menschlichen Auseinandersetzungen auf der Suche nach der Wahrheit?

 

Kriegen die Katholiken recht, oder die Evangelischen, soll man nachgeben, muss man sich durchsetzen? Was heisst gewaltfreier Widerstand nach Gandhi, nach Jesus, wie machen wir es richtig?

 

Gandhi sagt, wir sollen mit der Wahrheit im Bunde bleiben, dann sind wir mit Gott im Bund.

 

Und: wir sollen den Preis der Unterwerfung nicht einfach zahlen, um ungeschoren davonzukommen.

 

Wir sollen unsere eigenen Lebensaufgaben, wie wir sie erkannt haben, todernst nehmen, zu äußersten Opfern bereit sein und auf der Wahrheit beharren; wir sollen die Suche nach der Wahrheit unter gar keinen Umständen aufgeben.

 

Aber: wir sollen dabei nicht die leiseste Absicht haben, dem Gegner Schaden zuzufügen. Sanftmütig sein und bleiben.

 

Allenfalls sollen wir ihn zu gewinnen versuchen durch Leiden in der eigenen Person, aber alles, was lebt, sollen wir lieben wie uns selbst und uns damit identifizieren.

 

So oft werden wir ermuntert von Selbsthilferatgebern aller Art und auch von den Sonntagspredigten, dass wir uns selber lieben sollen, damit wir fähig werden, den Nächsten zu lieben.

 

Heute bedrängen uns Gandhi und Jesus gemeinsam: bleibt nicht bei der Selbstliebe stehen! Verhätschelt euer eigenes Ego nicht, sonst holen euch eure Leidenschaften und eure Begierden ein.

 

Sondern haltet euch selbst und eure Begierden an der kurzen Leine - und wendet euch eurem Nächsten zu.

 

Und der Komparativ zur Nächstenliebe, die Steigerung überhaupt - ist die Feindesliebe.

 

„Liebt eure Feinde und tut Gutes denen, die euch hassen!“, das ist zwar wahnsinnig radikal - aber es ist original „Jesus“. Lassen Sie es uns ernstnehmen. Ihm war es todernst damit, im wahrsten Sinne des Wortes.

Es sollte auch uns todernst damit sein, uns Christen, katholisch genauso wie evangelisch.

 

Vielen Christen scheint heute die Frage nach den Konfessionen als überholt. Es interessiert nicht, was „katholisch“ oder „evangelisch“ ist. Die überlegen, was „christlich“ ist.

 

Das kann völlig unterschiedliche Gründe haben:

 

- Es kann Ausdruck allgemeiner religiöser Gleichgültigkeit sein.

- Es kann auch Unverständnis bedeuten gegenüber den Feinheiten theologischer Gegensätze.

- Es kann aber auch anzeigen, dass sich da jemand auf das Wesentliche im Glauben konzentriert.

 

In vielen Familien wird ökumenische Gemeinschaft gelebt, in größter Selbstverständlichkeit und ohne große Probleme - durchbrochen nur durch Gottesdienst- und Abendmahlsgemeinschaft, absurd genug.

 

In beiden Gemeinden, katholisch und evangelisch, gibts durchaus konfessionelles Bewusstsein:

 

- bei den einen ohne jedes Anti-Gefühl,

- bei anderen, oft gerade bei den Engagierten, mit gewissen Ressentiments, hier wie dort:

 

Man befürchtet Substanzverlust, man befürchtet, dass Glaubenswahrheiten gleichgültig werden, man befürchtet eine Preisgabe der eigenen kirchlichen Identität.

 

Und unter den Theologen ist es genauso.

 

Aber vereinen wird die Kirche der Christenheit weder das Agapemahl oder Nicht-Agapemahl in Garching im ökumenischen Gottesdienst oder hier am Parkplatz,

 

noch der Papst noch Pfarrer Ljubisic oder eine von uns -

sondern einen wird unsere Kirche Jesus Christus selber.

 

Und im Vertrauen darauf, dass Jesus das schon hinkriegen wird, können wir als Evangelische und als Katholiken uns durchaus immer mal wieder abwechselnd oder einseitig oder gemeinsam getrost auf der Verliererseite im ökumenischen Dialog wiederfinden.

 

Und wir können es dort, auf der Verliererseite, durchaus eine Zeitlang aushalten. Macht nix. Wir verlassen uns drauf, beide Seiten: am Ende der Tage wird Gott es richten. Und die Wahrheit kommt zu ihrem Recht und setzt sich endgültig durch.

 

Deshalb sollten wir alle immer wieder persönlich Frieden schließen mit Gott; wir sollten im Umgang mit unserem Nächsten unnachgiebig festhalten an der Wahrheit, aber dem anderen dabei auf keinen Fall Schaden zufügen wollen; wir sollten niemals faule Kompromisse eingehen, nur um ungeschoren davonzukommen, und nichts und niemand sollte uns allen so wichtig sein wie der Frieden zwischen Himmel und Erde.

Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Amen.

 
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