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Predigten
Predigt Rogate 2017 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Dienstag, den 23. Mai 2017 um 09:35 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

so schön wie in Garching/Laudate ist es ja überhaupt nirgendwo.

Alle Kollegen kommen gern her und halten hier Gottesdienst - (Christoph Fuchs, Herbert Wasner, Katarina Freisleder, Martina Buck..)

weil nette Leute da sind, weil viele Leute da sind, weil die Kirche schön ist und gut gepflegt,

weil sich das Team gut verträgt und weil viel Leben im Haus ist - auch bei den Kindern und in der Jugend.

Kirche und Gemeindehaus sind relativ jung, wir haben auch nur eine (!) Kirche; da geht dann zwar mal a Zeitlang die Glockenanlage nicht, aber es fällt nicht gleich der Kirchturm um, wie woanders; die Baulast ist relativ gering. Wir müssen nicht jeden Cent in Renovierung und Restaurierung stecken;

wir leisten uns statt dessen eine wunderbare Sekretärin,

und weil wir dank der Kirchenvorsteher keine Mesner brauchen, bleibt auch noch Geld über für eine Jugendbeauftragte.

Wir sind auf der Insel der Seligen;

und in Garching Laudate ist es möglich, auf ganz vielen Kanälen zu predigen.

Wir predigen mit den Mitarbeitenden im Gottesdienst, ganz klar;

aber bei uns "predigt" auch die Tatsache, dass wir Jugendräume haben

und eine Mitarbeiterin für die Jugend.

Damit setzen wir um, dass Jesus die jungen Menschen auch ansprechen will.

Es predigt die Tatsache, dass Woche für Woche Kindergottesdienst ist.

Jedes Jahr Kinderbibelwoche.

Jedes Jahr Kinderzeltlager.

Aber auch dass es einen Besuchsdienst gibt, eine Spätlese, einen Chor:

viele Sprachen und Arten, zu predigen und zu verkündigen, nicht nur mit Worten, nicht im Talar, sondern mit Gesten und Liedern, mit Sorge umeinander und füreinander, mit Unterstützung;

ich finde auch, dass das Straßenfest "predigt". Drei Tage lang feiern, Biergarten, Reden und Lachen, da sind wir vielleicht an den Festen zur Zeit der ersten Christen, der Apostel, der Jünger, näher dran als mit manchem Gottesdienst - wir sagen ja, wir "feiern" Gottesdienst, aber vom Feiern merk ich manchmal am Straßenfest mehr.

Es ist Gold wert, dass wir da mitten drin mitfeiern, mit dem schönsten Festplatz - auch wenn die Gäste noch lang nicht evangelisch werden, bloß weil sie im Schatten der evangelischen Kirche ihr Bier trinken.

Aber im Dunstkreis der Kirchengemeinde kann man sich anstecken mit Gottvertrauen

und Hoffnung und Zuversicht, dass es sich lohnt, mit Gott zu rechnen und zu leben.

Wo stehen wir als Kirche, als Christenheit im Jahr 2017?

Auf der Insel der Seligen?

Oder doch auch mal auf verlorenem Posten?

Ist die Kirche out?

Zugegeben - die Laudatekirche ist voll; aber die Allianzarena ist voller.

Unsere Jugendarbeit ist cool. Aber die Konkurrenz schläft nicht.

Und apropos Schlafen, auch fromme Leute sagen, Sonntag früh muss ich ausschlafen. Gottesdienst ist mir nicht so wichtig. Gottesdienst ist langweilig.

Für ganz viele.

Auch bei mir.

Und zwar nicht, weil ich es grundsätzlich falsch mach,

und weil man es nur richtig machen müsste -

sondern weil der Gottesdienst als solches ein vormodernes Relikt ist.

Er war mal der Treffpunkt fürs ganze Dorf, für alle Bürger.

Dem Gottesdienst ferngeblieben sind nur die, die den Stall gemacht und das Vieh versorgt haben. Alle anderen waren im Gottesdienst, haben sich getroffen, sich ausgetauscht, sich informiert und anderen Informationen gegeben. Den hat man nicht verpasst.

Bis zur Reformation war Gottesdienst Messfeier,

ein Ritual, nur der Pfarrer hat so ganz genau gewusst, was er tut, wenn überhaupt.

Die Reformatoren haben dann das Predigen groß wieder eingeführt.

Da war revolutionär!

auf Deutsch!

Information!

Information über Glaubensfragen,

Bildung,

wissender Glaube,

Freiheit des Glaubens,

die Menschen dürften den Pfarrern an den Lippen gehangen haben.

Mit demselben Wissensdurst, der gleichen Neugier und vielleicht sogar Sensationslust, mit der die Konfirmanden heute am Smartphone hängen.

Aber nicht, weil die Pfarrer damals besser gewesen sind

oder die Gemeindeglieder,

sondern weil es andere Zeiten waren und andere Rahmenbedingungen.

Jesus hatte auch andere Rahmenbedingungen. Er hat auch verkündet,

aber auch nicht im schwarzen Talar sonntags um zehn;

was wir unter "Bergpredigt" kennen, ist ja keine Predigt, sondern eine Sammlung von Zitaten, von Aussagen aus konkreten Gesprächen mit konkreten Menschen.

Statt dessen hat er verkündigt, wo er ging und stand; beim Essen; beim Spazierengehen; beim Getränkeholen; bei Begegnungen mit Kindern; bei Begegnungen mit Prominenz aus Gesellschaft und Religion; am Krankenbett und so weiter.

Jesus war einerseits sehr eng im Kontakt mit seinen Mitmenschen; und er war andererseits, denke ich, ziemlich hartnäckig. Ganz der Vater.

Ich bin überzeugt, auch Gott ist hartnäckig.

"Betet ohne Unterlass!", ruft uns der heutige Bibelabschnitt für die Predigt zu.

Wenn ihr euren Vater im Himmel wirklich bittet, dann wird er euch geben, was ihr erbittet;

drum bleibt hartnäckig.

Und genauso bleibt doch auch Gott hartnäckig.

Die Ermunterung, dran zu bleiben, die gilt doch nicht nur uns;

nicht nur wir sollen Durststrecken durchhalten und dranbleiben,

auch wenn die Kirche mal leer ist und wir uns auf verlorenem Posten fühlen;

sondern auch Gott bleibt dran, wenn er scheinbar auf verlorenem Posten steht,

und genauso hartnäckig wie der bittende Freund im Evangelium

bleibt Gott auch an den Menschen dran.

Und wenn die Menschen nicht mehr in den Gottesdienst gehen wollen,

dann wird er sie auf andere Weise finden und ansprechen.

Und wenn die Menschen nicht mehr Kirchenmitglied bleiben wollen, dann wird Gott sein Bodenpersonal - sprich, uns alle - woanders hinschicken, damit wir die Menschen finden und ansprechen, wo wir gehen und stehen - beim Essen; beim Spazierengehen; beim Getränkeholen; bei Begegnungen mit Kindern; bei Begegnungen mit Prominenz aus Gesellschaft und Religion; am Krankenbett und so weiter.

Im Chor, am Straßenfest, auf der Kinderfreizeit, in der Spätlese, im Zeltlager und am Arbeitsplatz.

Wir haben, nach Auf und Ab und hin und her, derzeit wieder die gleiche Gemeindegliederzahlen wie 1971.

Wir haben aber wesentlich mehr Gemeinden.

Und auch mehr Pfarrer.

Drum kommen uns die Kirchen oft so leer vor,

drum fühlen sich die Christen manchmal so vereinzelt.

Aber man erreicht Menschen auch jetzt nicht mehr nur sonntags um zehn über die Predigt; statt dessen haben sich unsere Möglichkeiten vervielfacht. Predigen, verkündigen, über Gott reden, für Jesus werben, das geht jetzt auch per Whatsapp! Da gibts ein Kreuz als Symbol. Eine Kirche. Betende Hände. Eine brennende Kerze. Ein Smiley mit Heiligenschein.

Das schreit doch nach religiöser Kommunikation,

und danach, dass wir alle Gott anrufen, immer wieder.

Anrufen, oder skypen, ihn ans Steuer lassen, und auf Erlösung hoffen.

Denn Erlöstwerden wollen die Menschen genauso wie früher.

Im Alten Testament gibt es seitenlange Vorschriften für Opfer und Speisevorschriften;

heute lebt man vegan und versucht mit Speisevorschriften ein langes Leben zu verdienen und vom metabolischen Syndrom erlöst zu werden.

Früher ist man gewallfahrtet - heute geht man joggen,

früher hat man im Tempel Opfer gebracht, heute verbringt man Quality time mit Kindern und seinem Partner. Die Menschen sehnen sich nach Erlösung, genauso wie früher,

und dass sie Erlösung bei Gott finden, das musste Jesus verkünden und Paulus und davor die Propheten und Schriftgelehrten,

und heute müssen wir es verkünden, denn von selber kommen wir Menschen da nicht drauf.

Aber wir stehen damit nicht auf verlorenem Posten, lassen Sie sich das nicht einreden; im Gegenteil, wir sind genau da, wo es das Leitbild der Laudategemeinde verortet: mitten im Leben.

Die Insel der Seligen.

Gestern haben wir hier drei Kinder getauft.

Beten Sie für diese Kinder,

dass sie zum Glauben finden,

dass wir sie vor der Konfirmation wiedersehen,

dass sie behütet durchs Leben finden.

Vorletzte Woche haben hier zwei Menschen Hochzeit gefeiert.

Beten Sie für dieses Paar.

Beten Sie, dass deren Ehe so lang hält wie die vom Ehepaar Arndt;

beten Sie für das andere Brautpaar, dass die Hochzeit absagen musste.

Die Woche da davor stand hier ein offener Sarg mit einem ziemlich jungen Menschen;

beten Sie für seine Eltern, seine Familie, für seine junge Witwe.

Beten Sie - obwohl er tot ist.

Obwohl ja ganz offensichtlich ganz viele Gebete nicht erhört worden sind,

sonst wäre da kein Sarg gewesen,

garantiert hatten die Seinen gebetet, dass er gesund wird.

Und Gott hat Nein gesagt.

Keiner weiß, was er sich dabei gedacht hat.

Als ich klein war, stand ich total auf Heintje:

Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen...

ein tottrauriges Lied, der Bub wünscht sich immer ein Pferd.

Und er kriegt eins aus Marzipan, er kriegt eins aus Holz, am Schluss kommen Trauerpferde und holen seine Mutter... Ich krieg heute noch Gänsehaut.

Gott erfüllt uns nicht jede Bitte, und nicht jede erfüllt er so, wie wir uns das vorstellen; aber er lässt sich auch nicht abwimmeln. Und so wie wir um alles bitten und beten sollen,

so wirbt auch Gott weiter um diese Erde und ihre Bewohner,

wirbt um Ihre Mitmenschen, Ihre Kinder und Enkelkinder, die Nachbarn und Freunde, dass sie zum Glauben finden und Christen werden und Erlösung von Gott erwarten und von nichts anderem.

Er wirbt und kämpft um uns ohne Unterlass.

Also werben und missionieren auch wir. Ohne Unterlass, ohne aufzugeben.

Laden andere ein - wenn nicht hierher in den Gottesdienst,

dann woanders hin, in diese Gemeinde, auf diese Insel der Seligen,

weil man sich hier auf vielerlei Weise anstecken kann mit

Gottvertrauen und Hoffnung. Hoffnung, dass Gott erlöst.

Weil man sich anstecke kann mit der Zuversicht, dass es sich lohnt, mit Gott zu rechnen.

Mit Gott zu leben.

 
Predigt zum 1. Advent 2016 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sabine Brand-Lehmann   
Montag, den 28. November 2016 um 08:18 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

ja, ist denn schon wieder Advent? - mir ist noch gar nicht danach!

- das sagen die einen.

Die anderen haben am ersten Advent schon alle Plätzchensorten fertig, und auf der langen Liste der zu Beschenkenden sind nur noch einzelne nicht abgehakt.

Intensiv genug wird man ja ab September in jedem Geschäft dran erinnert.

Dabei ist der Advent gedacht als Zeit der Vorbereitung; und an Heilig Abend beginnt die weihnachtliche Freudenzeit, und die reicht bis Maria Lichtmess im Februar.

Probieren Sie das mal aus, damit Ernst zu machen. Lassen Sie doch mal ganz bewusst den Advent im Advent, beginnen Sie Weihnachten wirklich erst mit dem Heiligen Abend und begrüßen sie irgendwen Mitte Januar auf der Straße mit "Fröhliche Weihnachten!". Sie ernten vermutlich Irritation.

Denn jetzt ist es so, dass die Vorbereitungszeit irgendwann im September beginnt; ab dem ersten Advent, spätestens, ist eigentlich Weihnachten, vier Wochen lang;

und mit dem Finale, mit den Geschenken und dem Kirchgang am Heilig Abend, oder spätestens am Tag drauf, ist dann Schluss.

Und eigentlich - ist das doch auch total gleich.

Zumindest theologisch und liturgisch gedacht ist eigentlich gar nichts dagegen einzuwenden, Weihnachten einfach vorzuverlegen in den Advent, und den Advent in den Herbst.

Ich hab selber lang auch Spekulatius und Lebkuchen boykottiert vor dem Advent und immer geschimpft, wenn die Stadt ihre Beleuchtung schon montiert, bevor auch nur der Ewigkeitssonntag vorbei ist.

inzwischen denk ich mir aber: warum eigentlich?

Letztlich kommt es doch nicht drauf an, dass Weihnachten unbedingt pünktlich gefeiert wird - wann Jesus genau geboren wurde, wissen wir sowieso nicht.

Vielmehr als auf den genauen Tag im Kalender kommt es doch darauf an, dass die Menschwerdung Gottes überhaupt gefeiert wird. Verstanden wird, gepredigt wird, besungen wird, meditiert, in ihrer unglaublichen Bedeutung erfasst. Ob a bisserl früher oder später im Jahr - ist egal.

Zu Ende gedacht hätten wir leicht gestern nachmittag schon den Christbaum aufstellen und schmücken können; dann freuen wir uns vier Wochen lang dran bis zum Heiligen Abend.

Nur - das müssen wir dann natürlich auch tun: Uns dran freuen. Aber so richtig.

Uns richtig dran freuen, mit kindlich weihnachtlicher Freude!

und wenn wir es uns recht überlegen, dann haben wir wahrhaftig allen Grund dazu!

Auch wenn wir groß sind und nicht mehr mit wahnsinns Weihnachtsgeschenken rechnen. Auch wenn wir alles schon so oft gefeiert haben, dass die vielen Wiederholungen vielleicht den Glanz etwas abschwächen - zumindest mir geht´s an Heilig Abend nach dem vierten Gottesdienst so (drum macht den heuer Lektor Fuchs, ich danke dir jetzt schon).

Aber alle Geschenke und aller romanischer Zauber sind ja sowieso nur ein matter Abglanz, ein müder Vorgeschmack jener wahnsinns Geschenke, die wir von Gott bekommen haben;

und die sind ja nun wahrhaftig Grund zum Feiern!

woran ich denke? Geschenk Nummer eins haben wir grad letzte Woche wieder mal ausgepackt und gefeiert! : letzten Sonntag haben wir der Verstorbenen gedacht, und für diese Verstorbenen und für uns haben wir Hoffnung auf Ewigkeit und auf ein Wiedersehen!

An Weihnachten feiern wir Geschenk Nummer zwei: die Menschwerdung Gottes, den Weg Jesu Christi vom Stall zur Auferstehung, und damit den Frieden zwischen Himmel und Erde.

Das Bibelwort für die Predigt heute verspricht uns ein drittes Geschenk:

Gott ist uns Menschen jetzt exakt genauso nah wie unseren Vätern im Glauben, so nah wie dem Mose am brennenden Dornbusch, so nah wie den Israeliten in Wolken- und Feuersäule, so nah wie den Jüngern zur Erdenzeit Jesu und bei der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten.

Drei riesen Geschenke: Ewiges Leben, Friede mit Gott und die innige Nähe Gottes zu uns, diese drei Geschenke sind der Kern der christlichen Hoffnung. Das sind die Kohlen im Feuer unseres Lebens, die Glut unseres Glaubens, die Wärme, die Energie und das Licht.

Ich versteh nicht viel vom Grillen.

Aber so viel immerhin hab ich begriffen, nach zehn Jahren Straßenfest: es reicht nicht, die kalten Kohlen aus dem Sack in den Grill zu kippen und die rohen Würstchen auf den Rost zu legen.

Wenn man den Grill anheizen will, darf man nicht mit den großen, schwarzen Kohlebrocken anfangen; sondern man nimmt zB Anzünder, Späne in Wachs getränkt oder ähnliches; die lodern ganz hell auf, brennen sofort, und gerade lang genug, um die Kohle zu erwärmen und sie irgendwann tatsächlich glühen zu lassen.

Und die wärmt, die heizt dann richtig lang, auch wenn die Anzündhilfe längst verbannt und zu Asche zerfallen ist - und trotzdem war sie am Anfang hilfreich.

Mit unseren großen christlichen Hoffnungen ist es genauso.

Hoffnung auf ewiges Leben, Hoffnung auf Friede mit Gott und innige Nähe zwischen Himmel und Erde - das sind die großen, gehaltvollen Brocken, das sind die Kohlen im Feuer unseres Glaubens.

Damit diese Hoffnungen warm werden, damit sie glühen und wärmen und leuchten können, dazu muss man sie anheizen. Man muss sie auflodern lassen mithilfe von etwas leichterer Kost:

Mit Adventsmusik, den Oratorien und Messen, mit Beleuchtung, mit Duft und mit Kerzen, mit den Geschichten aus der Bibel und aus dem Volksmund, mit dem Magnificat, mit der Frühschicht im Advent und von mir aus auch mit Plätzchen und Glühwein.

Die Stadt ist in der Vorweihnachtszeit voll mit Hinweisen und Symbolen, und kein Mensch verbietet uns, sie uns inhaltlich vom Einzelhandel zurückzuholen oder sie ganz im eigentlichen Sinn zu sehen: Jeder Stern, und sei er im Schaufenster von der Buchhandlung oder vom Schuhgeschäft, ist zunächst mal ein Hinweis auf die Gegenwart Gottes, ganz wie der über dem Stall von Betlehem.

Jede Krippe erinnert, dass Jesus Mensch war aus Fleisch und Blut; ob die Krippe unter einem Christbaum steht oder beim Metzger auf der Theke, ist für die Bedeutung dabei egal.

Jeder Christbaum soll in mir Hoffnung wecken auf´s Paradies, auch wenns der Christbaum vor dem Rathaus in München auf dem Marienplatz ist.

Jede Lichterkette erinnert mich, dass Gott stärker ist als alle Dunkelheit dieser Erde,

und jedes Geschenk, so kostbar und liebevoll es auch sein mag, ist immer nur ein müder Hinweis darauf, wie kostbar die Geschenke des Himmels uns allen sind.

Nutzen Sie all diese Hinweise, ganz egal, wo Sie sie finden, gezielt zum Anheizen - zum Anheizen Ihrer christlichen Weihnachtsfreude, um in Kontakt zu kommen mit der eigenen Sehnsucht nach Geborgenheit und nach Liebe, nach Erfüllung und Heimat. Besonders hilfreich ist es natürlich, ein Baby im Arm zu halten.

Wenn Sie dazu Gelegenheit haben - spüren Sie diese Nähe bewusst, kosten Sie den Moment aus, die Hilflosigkeit, die Bedürftigkeit dieses kleinen Wesens, darin gespiegelt spüren Sie Ihre eigene Bedürftigkeit. Und machen Sie sich bewusst: so klein wurde Gott. So klein und so nah. So bedürftig.

Simeon hat im Tempel darauf gewartet, den Erlöser zu sehen; uns als ihm Maria den neugeborenen Jesus in die Arme gelegt hat, hat er gewusst, hat gespürt, meine Augen haben dein Heil gesehen - jetzt ist meine Hoffnung erfüllt. Mehr braucht ein Mensch nicht zum ewigen Leben.

Meine sehr kinderreiche Verwandtschaft in Berlin hat eine Tradition in der Vorweihnachtszeit, mancher kennt die Idee:

am ersten Advent wird die Krippe aufgestellt mit dem Stall und Ochs und Esel;

die Figuren dagegen wandern in der Vorweihnachtszeit durch die Wohnung und nähern sich erst allmählich ihrem Platz an.

Heimlich positioniert die Mutter täglich neu die Figuren;

da steht dann vielleicht der Josef erstmal neben dem Fernsehgerät; schauen Sie ihn bewusst an, versetzen Sie sich hinein in ihn; scheinbar stand er ja nur daneben bei dem Wunder von Christi Geburt. Vielleicht sind ja auch Sie schonmal Zeuge eines Wunders gewesen, direkt danebengestanden, vielleicht haben auch Sie schonmal durch Ihr Dasein ein Wunder der Menschwerdung erst möglich gemacht?

Die Weisen aus dem Morgenland haben den weitesten Weg zum Stall; vielleicht stellt sie die Mutter erstmal ins Bücherregal, zu den Reiseführern und den Atlanten, und wer sie dort stehen sieht, macht sich bewusst, was für eine ferne Welt da mit betroffen ist von Christi Geburt.

Vielleicht findet jemand die kleine Figur von Maria - zum Beispiel im kalten Hausflur, im Schuhregal. Vielleicht erinnern Sie sich dann dran, wie es ist, ohne Schutz unterwegs zu sein, hoch schwanger, ohne die Mutter, ohne die Familie - und dabei zuzulassen und zu spüren: da wächst etwas in mir. Ich bin Schauplatz für ein göttliches Wunder. Und so innig, wie Maria verbunden ist mit dem Kind im Bauch, so innig ist Gott verbunden mit uns.

Was gehört noch in die Krippe? - die Hirten. Wo stellen wir die in der Wohnung hin? Schafe haben wir keine; dann kommen sie vielleicht zu den Meerschweinchen. Sie hüten die Tiere, bis sie die himmlischen Heerscharen singen hören,

und dann spüren Sie die Sehnsucht nach Gott so stark, dass sie sogar die Tiere verlassen. Wie stark, wie unwiderstehlich muss diese Sehnsucht sein!!?

Heizen Sie Ihre Sehnsucht und Ihre Weihnachtshoffnungen an, und nutzen Sie dazu alle Möglichkeiten. Ziehen Sie alle Register! Weihnachten ist nicht nur ein stimmungsvoll- romantisches Winterfest; es ist vor allem DAS Fest unserer Sehnsucht und unserer Zuversicht.

Eigentlich könnte hier heut schon der Christbaum stehen, im vollen Lichterglanz, und wir könnten aus vollem Halse "Stille Nacht singen", vor alle die wichtigsten Worte:

durch der Engel Halleluja

tönt es laut von Fern und Nah

Christ, der Retter, ist da!

Amen.

 
Predigt zum Reformationsfest PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 03. November 2016 um 08:46 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

in meiner Herkunftsfamilie in meiner Kinderzeit hatte mein Vater das Sagen.

Was er angeordnet hat, das wurde gemacht;

aus Tradition, und weil es immer schon so war, und weil es der Papa so angeordnet hat.

Man durfte ihm ruhig seine eigenen Überlegungen vortragen, wenn man abweichende Vorstellungen hatte. Die hat er sich angehört - und dann hat er etwas gesagt, das fing an mit "Ich gebe aber doch zu bedenken, dass...." -und dann kam sein Standpunkt, und so wurde es dann gemacht.

Einmal hab ich mir gedacht, das müsst doch bei mir auch funktionieren, oder?

Er hat mir erläutert, was ich zu tun habe, und wie -;

mir hat das nicht recht gepasst. Also hab ich ihm zugehört, wie er seine Anordnungen gegeben hat, und dann hab ich was gesagt, das fing an mit "Ich gebe aber doch zu bedenken, dass....!"

Er hat eine Augenbraue hochgezogen und abgewunken: "Stell deine Bedenken beiseite!"

Geheiratet hab ich dann einen Mann, der ist das andere Extrem.

Irgendwas einfach nur tun, weil man das immer schon so gemacht hat,

oder aus Tradition,

oder weil es jemand (ich) so angeordnet hat

das gibts ja bei meinem Mann gar nicht.

Der stellt alles in Frage.

Bei der Hochzeit ging es schon los: Muss man Ringe tauschen?

Muss es der Mann sein, der die Familie ernährt, und die Ehefrau bleibt bei den Kindern?

Muss man im Sommer ans Meer? und falls ja, mit dem Auto? dem Flugzeug? mit der Bahn?

Braucht man überhaupt ein Auto?

Kauft man das Fleisch beim Metzger oder beim Aldi? Kauft man überhaupt Fleisch?

Muss an Heilig Abend ein Christbaum im Wohnzimmer stehen?

Müssen die Pfarrerskinder sich konfirmieren lassen?

Muss man Wäsche zusammenlegen, eh man sie in den Schrank tut, oder geht es auch anders?

Und jetzt sind unsere Kinder schon so groß, es diskutieren also nicht nur er und ich, sondern alle fünf; manchmal find ich es ein kleines bißchen anstrengend.

Kam was ist einfach selbstverständlich, etwa "weil es alle so machen".

Immer muss ich in mich gehen und überlegen; meinen eigenen Standpunkt suchen und finden, abgleichen, geht es mir gut damit? hab ich da ein gutes Gefühl, ein gutes Gewissen dabei? und dann muss ich ihn, den Standpunkt, auch noch begründen und vertreten...

Und es darf eben alles in Frage gestellt werden, kaum etwas ist tabu, kaum was in Stein gemeißelt.

Ich will jetzt nicht meinen Papa mit dem Heiligen Vater gleichsetzen und meinen Mann nicht mit Martin Luther; aber die eine oder andere Analogie gibt es schon:

Mein Papa hatte das Monopol auf die Deutung und die Vermittlung von Traditionen meiner Familie.

Bei den Katholiken hat der römische Klerus das Monopol auf die Deutung und Vemittlung der Religion. So, wie es der Papa haben will, so wird es gemacht.

Und bei den Evangelischen wird im Idealfall permanent diskutiert.

Jeder steht persönlich vor seinem Schöpfer, jeder ist an die Stimme seines eigenen Gewissens gebunden, jeder soll die Heilige Schrift selber lesen, selber verstehen, selber auslegen und deuten, als mündiger Christ.

Die evangelische Kirche hat ja manchmal das Image, eher zeitgemäß zu sein, eher liberal; ob Geschiedene nochmal heiraten können oder wer zum Abendmahl gehen darf..., da heißt es dann immer mal "Ihr Evangelischen, ihr nehmts es ja nicht so genau!"

Manchmal soll das ein Kompliment sein, ist anerkennend gemeint.

Mir passt das gar nicht, denn es stimmt so nicht.

Wir schreiben den Leuten nicht vor, was bei ihrer eigenen Auslegung der Heiligen Schrift, im Kontakt mit dem eigenen Gewissen und dem eigenen Glauben herauskommen soll.

Wir nehmen den Leuten nicht das Nachdenken ab - statt dessen sollen sie selber nachdenken, selber rausfinden, was für sie das richtige ist. Evangelische Menschen sollen selbst rauskriegen, was Gott zu ihrer Lebensführung und ihren Entscheidungen denkt, und sie sollen selbst verantworten, was sie tun und glauben.

Wir diskutieren nicht deshalb so vie bei den Evangelischen, weil es egal ist, was man tut und glaubt.

Sondern wir diskutieren, weil jeder selbst mit sich und seinem Gewissen im Reinen sein muss.

Die Reformation hat weltgeschichtliche Bedeutung gehabt, aus politischen Gründen, aber begonnen hat Luther die Rebellion aus ganz persönlicher Glaubensnot heraus.

Zum Ablasswesen, zu den Sakramenten und zur Autorität des Papstes.

Ma hat ihn aufgefordert, zu widerrufen.

Und von seiner Antwort auf diese Aufforderung kann sein Leben abhängen. Sein Gewissen war Luther so wichtig, dass er lieber am Scheiterhaufen gestorben wäre, als zu widerrufen.

Der Papst wollte den Ketzer vernichten.

Damit hat er einen Religionskampf ausgelöst, der die abendländische Glaubenswelt bis heute spaltet

Von wegen "Ihr Evangelischen, ihr nehmts es ja nicht so genau!"

Evangelisch zu sein heisst durchaus nicht unbedingt gleich liberal sein oder modern oder zeitgemäß oder großzügig. Evangelisch zu sein heisst erstmal vor allem anstrengend zu sein.

Jeder ist an sein eigenes Denken und Fühlen gebunden, an sein eigenes Gewissen, das eigene Herz.

Jeder einzelne steht persönlich vor Jesus Christus und muss mit ihm und mit sich selbst im Reinen sein. Und Jesus fordert Liebe. Und die findet sich vor allem erstmal im eigenen Herzen.

Sicher haben Sie schonmal Kindern erklärt, was man hört, wenn man eine Muschel ans Ohr hält.

Mit etwas Phantasie kann man denken, da rauscht das Meer!

Man hört aber nicht etwas Fremdes, außen, weit weg - sondern man hört den eigenen Herzschlag und das Rauschen vom eigenen Blut. Ich geb Ihnen nachher kleine Muscheln mit als Erinnerung: lauschen Sie nach innen, bei allem, was Sie tun und entscheiden, hören Sie auf Ihr Gewissen, stellen Sie alles in Frage und prüfen Sie alles, und das Gute behalten Sie (1. Thessalonicher 5,21).

Martin Luther ist angetreten, um das Christentum verständlich zu machen. Weg vom Latein, hin zur vom Volk gesprochenen Sprache. Er wollte die Kirche (die katholische Kirche!) mehr auf Gott beziehen, er wollte das Kirchenvolk mündig machen, ermächtigen und fordern.

Die Reformation ist nicht nur eine theologische Reformation; sie ist auch eine Bildungsreform. Jeder muss selber lesen können, jeder muss selber beurteilen und vor allem verstehen können.

Jeder Lehramtsstudent kriegt das eingebläut: wenn ich mir etwas selbst erschließe, dann lerne ich es nachhaltig und bin gleichzeitig motiviert, mehr begreifen zu wollen.

Was ist denn jetzt ein gutes Leben? Ein wünschenswertes, erstrebenswertes Leben?

Die Diskussion ist aus dem öffentlichen Leben ziemlich verschwunden. Wir sind auf den Konsum fixiert und auf Arbeit, den maximalen Ausstoß marktfähiger Produkte. Wir arbeiten, damit wir einkaufen können, und wenn wir uns mit dem Enkaufen dafür belohnen, dass wir so viel arbeiten, müssen wir nachher wieder mehr arbeiten, um den Konsum auch zu finanzieren.

Christen nehmen das künftige, das unsterbliche Leben als Maßstab, wenn sie urteilen über das gegenwärtige Leben. Was kann vor Christus bestehen?

Wie erfülle ich das Doppelgebot der Liebe und liebe meinen Gott über alles - und meinen Nächsten wie mich selbst? Wie bringe ich meine Pläne im Einklang mit meinen eigenen Vorlieben, meinem eigenen Temperament - und der Vorstellung, was Gott für gut hält und was er von mir fordert?

Nichts ist in Stein gemeißelt. Alles will in Frage gestellt und bedacht und auf Herz und Nieren geprüft und nach bestem Wissen und Gewissen beurteilt werden -

damit wir dann gerecht werden allein aus der Schrift, allein aus Gnade und allein durch den Glauben.

Wir sind Bettler. das ist wahr.

Ich schließe mit Worten von Jan Twardowski; vielleicht mögen Sie mitlesen - selber lesen, selber verstehen, Sie finden sie im Gesangbuch auf der SEITE 658;

Und bei der Musik nach der Predigt lass ich die Körbe durch die Reihen gehen mit den kleinen Muscheln als Erinnerung, hören Sie auf Ihr eigenes Herz...

 
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