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FVCML0208 10
Predigten
Predigt zum Reformationsfest PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 03. November 2016 um 08:46 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

in meiner Herkunftsfamilie in meiner Kinderzeit hatte mein Vater das Sagen.

Was er angeordnet hat, das wurde gemacht;

aus Tradition, und weil es immer schon so war, und weil es der Papa so angeordnet hat.

Man durfte ihm ruhig seine eigenen Überlegungen vortragen, wenn man abweichende Vorstellungen hatte. Die hat er sich angehört - und dann hat er etwas gesagt, das fing an mit "Ich gebe aber doch zu bedenken, dass...." -und dann kam sein Standpunkt, und so wurde es dann gemacht.

Einmal hab ich mir gedacht, das müsst doch bei mir auch funktionieren, oder?

Er hat mir erläutert, was ich zu tun habe, und wie -;

mir hat das nicht recht gepasst. Also hab ich ihm zugehört, wie er seine Anordnungen gegeben hat, und dann hab ich was gesagt, das fing an mit "Ich gebe aber doch zu bedenken, dass....!"

Er hat eine Augenbraue hochgezogen und abgewunken: "Stell deine Bedenken beiseite!"

Geheiratet hab ich dann einen Mann, der ist das andere Extrem.

Irgendwas einfach nur tun, weil man das immer schon so gemacht hat,

oder aus Tradition,

oder weil es jemand (ich) so angeordnet hat

das gibts ja bei meinem Mann gar nicht.

Der stellt alles in Frage.

Bei der Hochzeit ging es schon los: Muss man Ringe tauschen?

Muss es der Mann sein, der die Familie ernährt, und die Ehefrau bleibt bei den Kindern?

Muss man im Sommer ans Meer? und falls ja, mit dem Auto? dem Flugzeug? mit der Bahn?

Braucht man überhaupt ein Auto?

Kauft man das Fleisch beim Metzger oder beim Aldi? Kauft man überhaupt Fleisch?

Muss an Heilig Abend ein Christbaum im Wohnzimmer stehen?

Müssen die Pfarrerskinder sich konfirmieren lassen?

Muss man Wäsche zusammenlegen, eh man sie in den Schrank tut, oder geht es auch anders?

Und jetzt sind unsere Kinder schon so groß, es diskutieren also nicht nur er und ich, sondern alle fünf; manchmal find ich es ein kleines bißchen anstrengend.

Kam was ist einfach selbstverständlich, etwa "weil es alle so machen".

Immer muss ich in mich gehen und überlegen; meinen eigenen Standpunkt suchen und finden, abgleichen, geht es mir gut damit? hab ich da ein gutes Gefühl, ein gutes Gewissen dabei? und dann muss ich ihn, den Standpunkt, auch noch begründen und vertreten...

Und es darf eben alles in Frage gestellt werden, kaum etwas ist tabu, kaum was in Stein gemeißelt.

Ich will jetzt nicht meinen Papa mit dem Heiligen Vater gleichsetzen und meinen Mann nicht mit Martin Luther; aber die eine oder andere Analogie gibt es schon:

Mein Papa hatte das Monopol auf die Deutung und die Vermittlung von Traditionen meiner Familie.

Bei den Katholiken hat der römische Klerus das Monopol auf die Deutung und Vemittlung der Religion. So, wie es der Papa haben will, so wird es gemacht.

Und bei den Evangelischen wird im Idealfall permanent diskutiert.

Jeder steht persönlich vor seinem Schöpfer, jeder ist an die Stimme seines eigenen Gewissens gebunden, jeder soll die Heilige Schrift selber lesen, selber verstehen, selber auslegen und deuten, als mündiger Christ.

Die evangelische Kirche hat ja manchmal das Image, eher zeitgemäß zu sein, eher liberal; ob Geschiedene nochmal heiraten können oder wer zum Abendmahl gehen darf..., da heißt es dann immer mal "Ihr Evangelischen, ihr nehmts es ja nicht so genau!"

Manchmal soll das ein Kompliment sein, ist anerkennend gemeint.

Mir passt das gar nicht, denn es stimmt so nicht.

Wir schreiben den Leuten nicht vor, was bei ihrer eigenen Auslegung der Heiligen Schrift, im Kontakt mit dem eigenen Gewissen und dem eigenen Glauben herauskommen soll.

Wir nehmen den Leuten nicht das Nachdenken ab - statt dessen sollen sie selber nachdenken, selber rausfinden, was für sie das richtige ist. Evangelische Menschen sollen selbst rauskriegen, was Gott zu ihrer Lebensführung und ihren Entscheidungen denkt, und sie sollen selbst verantworten, was sie tun und glauben.

Wir diskutieren nicht deshalb so vie bei den Evangelischen, weil es egal ist, was man tut und glaubt.

Sondern wir diskutieren, weil jeder selbst mit sich und seinem Gewissen im Reinen sein muss.

Die Reformation hat weltgeschichtliche Bedeutung gehabt, aus politischen Gründen, aber begonnen hat Luther die Rebellion aus ganz persönlicher Glaubensnot heraus.

Zum Ablasswesen, zu den Sakramenten und zur Autorität des Papstes.

Ma hat ihn aufgefordert, zu widerrufen.

Und von seiner Antwort auf diese Aufforderung kann sein Leben abhängen. Sein Gewissen war Luther so wichtig, dass er lieber am Scheiterhaufen gestorben wäre, als zu widerrufen.

Der Papst wollte den Ketzer vernichten.

Damit hat er einen Religionskampf ausgelöst, der die abendländische Glaubenswelt bis heute spaltet

Von wegen "Ihr Evangelischen, ihr nehmts es ja nicht so genau!"

Evangelisch zu sein heisst durchaus nicht unbedingt gleich liberal sein oder modern oder zeitgemäß oder großzügig. Evangelisch zu sein heisst erstmal vor allem anstrengend zu sein.

Jeder ist an sein eigenes Denken und Fühlen gebunden, an sein eigenes Gewissen, das eigene Herz.

Jeder einzelne steht persönlich vor Jesus Christus und muss mit ihm und mit sich selbst im Reinen sein. Und Jesus fordert Liebe. Und die findet sich vor allem erstmal im eigenen Herzen.

Sicher haben Sie schonmal Kindern erklärt, was man hört, wenn man eine Muschel ans Ohr hält.

Mit etwas Phantasie kann man denken, da rauscht das Meer!

Man hört aber nicht etwas Fremdes, außen, weit weg - sondern man hört den eigenen Herzschlag und das Rauschen vom eigenen Blut. Ich geb Ihnen nachher kleine Muscheln mit als Erinnerung: lauschen Sie nach innen, bei allem, was Sie tun und entscheiden, hören Sie auf Ihr Gewissen, stellen Sie alles in Frage und prüfen Sie alles, und das Gute behalten Sie (1. Thessalonicher 5,21).

Martin Luther ist angetreten, um das Christentum verständlich zu machen. Weg vom Latein, hin zur vom Volk gesprochenen Sprache. Er wollte die Kirche (die katholische Kirche!) mehr auf Gott beziehen, er wollte das Kirchenvolk mündig machen, ermächtigen und fordern.

Die Reformation ist nicht nur eine theologische Reformation; sie ist auch eine Bildungsreform. Jeder muss selber lesen können, jeder muss selber beurteilen und vor allem verstehen können.

Jeder Lehramtsstudent kriegt das eingebläut: wenn ich mir etwas selbst erschließe, dann lerne ich es nachhaltig und bin gleichzeitig motiviert, mehr begreifen zu wollen.

Was ist denn jetzt ein gutes Leben? Ein wünschenswertes, erstrebenswertes Leben?

Die Diskussion ist aus dem öffentlichen Leben ziemlich verschwunden. Wir sind auf den Konsum fixiert und auf Arbeit, den maximalen Ausstoß marktfähiger Produkte. Wir arbeiten, damit wir einkaufen können, und wenn wir uns mit dem Enkaufen dafür belohnen, dass wir so viel arbeiten, müssen wir nachher wieder mehr arbeiten, um den Konsum auch zu finanzieren.

Christen nehmen das künftige, das unsterbliche Leben als Maßstab, wenn sie urteilen über das gegenwärtige Leben. Was kann vor Christus bestehen?

Wie erfülle ich das Doppelgebot der Liebe und liebe meinen Gott über alles - und meinen Nächsten wie mich selbst? Wie bringe ich meine Pläne im Einklang mit meinen eigenen Vorlieben, meinem eigenen Temperament - und der Vorstellung, was Gott für gut hält und was er von mir fordert?

Nichts ist in Stein gemeißelt. Alles will in Frage gestellt und bedacht und auf Herz und Nieren geprüft und nach bestem Wissen und Gewissen beurteilt werden -

damit wir dann gerecht werden allein aus der Schrift, allein aus Gnade und allein durch den Glauben.

Wir sind Bettler. das ist wahr.

Ich schließe mit Worten von Jan Twardowski; vielleicht mögen Sie mitlesen - selber lesen, selber verstehen, Sie finden sie im Gesangbuch auf der SEITE 658;

Und bei der Musik nach der Predigt lass ich die Körbe durch die Reihen gehen mit den kleinen Muscheln als Erinnerung, hören Sie auf Ihr eigenes Herz...

 
Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 17. Oktober 2016 um 08:14 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..." -

da sieht jeder von Ihnen jemanden vor sich, im Geiste. Hoffe ich.

Wo Sie sagen: "Gott sei Dank, dass ich den hab/die hab....!"

Jemand, der Ihnen besonders gut tut...

Jemand, der Ihnen besonders nahe steht...

Jemand, der Ihnen schonmal eine große Hilfe war...

Jemand, von dem man liebevoll durchaus sagen könnte: "dich schickt der Himmel!"

"du bist doch ein Engel!"

"Gott sei Dank",

das heisst ja dann:

Das verdanke ich Gott, dass du da bist.

Da hat Gott seine Hand im Spiel, dass es mir mit dir gutgeht,

dass ich bei dir Hilfe finde;

und das wertet dann ja dieses Schöne nochmal extra auf,

wenn es nicht einfach nur glücklicher Zufall ist -

sondern Absicht. Gottes Absicht. Geschenk des Himmels.

Für uns.

"Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke!"

Ich hatte mal zwei echt schwierige Grundschulklassen. Immer Mittwoch vormittag;

jeweils gut zwanzig Kinder, die sind mir über Tische und Bänke getobt;

mittags nach diesen vier Unterrichtsstunden war ich regelmäßig schweißgebadet und heiser.

Ich war so froh, wenn ein schulfreier Tag auf den Mittwoch fiel... -

...und wenn nicht? wenn klar war, diesen Mittwoch muss ich da wieder hin? dann war ich ziemlich oft schon am Dienstag nachmittag grantig.

Irgendwann hab ich die Schülerlisten genommen. Insgesamt mehr als vierzig Namen... und ich hab mit Buntstift dick oben drüber geschrieben:

"Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke!"

Und ich hab versucht, diese Buben und Mädchen nicht nur als kleine Monster zu sehen,

sondern als Kinder Gottes.

Da hab ich viel Phantasie dafür gebraucht; auch viel guten Willen....

Ich konnte sie nicht wirklich gut unterrichten.

Sie haben mir leider nicht zugehört.

Aber im Lauf eines langen, lauten und harten Schuljahres hab ich sie wenigstens nicht gehasst. Ich hab sie im Gegenteil manchmal bewusst in mein Nachtgebet eingeschlossen, wenn auch manchmal zähneknirschend.

Sieht da jemand von Ihnen auch jemand vor sich?

Der einen an die eigenen Grenzen bringt?

der einen mit den Zähnen knirschen lässt?

und einem die Laune verdirbt?

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..."

Damit ist das Problem nicht gelöst - aber trotzdem schon viel gewonnen....

Warum?

Was ändert sich dadurch?

Ich glaube nicht, dass mir Gott die schwierigen Schüler zugedacht hat, um mich zu quälen, auch nicht, um mich beten zu lehren oder Demut oder auch nur Geduld.

Meine schwierigen Schüler sind keine Strafe Gottes,

und ich muss Gott nicht dafür danken, dass sie rumschreien und U-Hakerl schießen und faul sind.

Ich danke Gott nicht dafür, dass mir mein Unterricht dort keinen Spaß macht.

Aber: wenn auch der Unterricht keinen Spaß macht,

dann sind die Schüler trotzdem Gottes Geschöpfe.

Wenn ich sie anschau

und ich halt mir dabei vor Augen,

dass sie auch von Gott gemacht,

auch von Gott gewollt und geliebt sind, genau wie ich,

dann sind sie immerhin nicht mehr meine Feinde.

Damit ist viel gewonnen.

Gott ist nicht mein Feind;

und meine Mitmenschen?

die sind von Gott geschaffen und sind auch nicht meine Feinde.

Vielleicht benehmen sie sich so.

Aber sie stammen aus derselben Werkstatt,

aus derselben Hand Gottes wie ich auch.

Mich haben meine Schüler damals an meine Grenzen gebracht -

wer bringt Sie an Ihre Grenzen?

Auf die Palme?

Zur Weißglut?

Stellen Sie sich den oder die genau vor -

und setzen Sie dann dieses Bibelwort vom Paulus als Überschrift über dieses innere Bild:

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..."

Viel verlangt.

Aber so wird mir bewusst, wo die Welt her ist, in der ich lebe.

Wer die Erde in seiner Hand hält, auf der ich mein Leben verbringe;

und wenn er die ganze Welt in seiner Hand hält -

dann kommt von ihm auch das, was so Tag für Tag und Woche für Woche mein Leben bestimmt.

Und wenn der liebe Gott auch den Menschen gemacht hat, der mich grad nervt -

dann sollte ich ihn, diese Nervensäge, vielleicht trotzdem zumindest nicht hassen.

"Dankbar" sollen wir sein - aber nicht für alles und jedes. Nicht wahllos.

Oft hör ich von Ihnen, ich muss dankbar sein, dass es mir noch so geht, wie es mir geht.

"Schlimmer geht immer!"

"Ich bin dankbar, wenn ich allein für mich sorgen kann."

"Danke für meine Arbeitsstelle, danke für jedes kleine Glück,

danke für alles frohe, helle - und für die Musik"...

Ich kenn auch Zeiten, da gelingt mir das überhaupt nicht. Gar nicht.

Von Dankbarkeit bin ich meilenweit entfernt;

Da kommt mir alles schwarz und trostlos vor;

wenn mir dann jemand kommt und sagt, sei doch dankbar -

da werd ich echt grantig.

Es gibt mancherlei, dafür kann ich nicht dankbar sein,

das wär zynisch.

So wie man früher Kinder verhauen hat und sie gezwungen hat, dass sie sich dann noch dafür bedanken. Unser Gott ist nicht zynisch.

Aber: in der Bibel steht auch nicht, dass wir für alles dankbar sein sollen,

sondern dass wir in allem, auch in allem Dunklen und Bitteren, trotzdem noch sehen sollen, wofür wir dankbar sein können.

Und das sind sicher keine Grausamkeiten

und nicht, dass alles noch schlimmer sein könnte;

wir danken nichtmal nur dafür, dass wir hier, auf der Erde, "leben dürfen", es gibt nämlich durchaus auch Zeiten, da will ich noch nichtmal mehr das. Noch nicht mal mehr leben.

Manche Menschen leben ausgesprochen schlecht in ihren Tagen auf Erden,

und das sicher auch nicht durch Gottes Wille.

Deshalb müssen sie auch nicht dankbar sein, dass sie leben!

Sondern dankbar können wir sein,

dass wir nicht im rechtsfreien Raum leben,

sondern dass diese Welt einen Hausherren hat, einen obersten Chef,

und der steht auf der Seite der Menschen.

Immer. Unbedingt.

Gott ist parteiisch, für die Menschen.

Er hat sich mit ihnen versöhnt!

Wir haben Frieden mit dem Herrn dieser Welt!

Dafür können wir tatsächlich dankbar sein,

denn das ist nicht selbstverständlich -

und gleichzeitig kommt es allem voran darauf an.

Das is fast das einzige, was wirklich zählt:

"Wir danken Gott für seine unaussprechliche Gnade", steht in der Bibel.

Wir danken Gott, dass wir in Frieden leben mit ihm.

Und, genauso wichtig:

dass wir hier, auf Erden, nicht bleiben müssen. Wir nicht, und alle anderen auch nicht - dass diese Welt nicht alles ist, und dass wir auch nicht zur Hölle fahren NACH dem Leben auf dieser Welt,

sondern dass wir von Gott herkommen, von ihm gewollt und geschaffen sind, und dass wir auf ihn zuleben und auf die Vollendung, und dass wir ihn hier, unterwegs, als Unterstützer auf unserer Seite haben.

Denken Sie an die Geschichte mit Petrus und seinen Freunden.

Die haben die ganze Nacht geschuftet -

aber die Netze sind leer.

Dann kommt Jesus und schafft ihnen an, sie sollen nochmal rausfahren;

Petrus sagt, wir haben schon alles versucht,

aber "auf dein Wort hin" wollen wir nochmal rausfahren;

sie fangen so viel, dass die Boote beinahe sinken,

und dann sagt Jesus, von nun an wirst du Menschen fischen.

Wofür ist der Petrus jetzt dankbar?

Nicht für die leeren Netze am Anfang, vermute ich.

Auch nicht dafür, dass sie nochmal die ganze Nacht haben fischen müssen.

Und ich glaube sogar, es geht ihm am Ende gar nicht um die zwei Boote voll Fisch;

die sind bald wieder weg, und sie sind wieder arm und angewiesen drauf, dass sie was fangen.

Petrus ist dankbar, dass er dem Herrn begegnet ist.

Dass er gemerkt hat: ich bin Bestandteil von Gottes Plänen mit dieser Welt,

und dieser Gott ist so mächtig:

zwei Boote voll Fisch zu kriegen am hellichten Tag ist für den kein Problem!

Denken Sie dran, wenn Sie wieder dem Menschen begegnen, an den Sie vorhin gedacht haben:

der Sie auf die Palme bringt,

zur Weißglut,

und über dem Sie sich als Überschrift vorstellen sollen:

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..."

Auch Sie sind Bestandteil von Gottes Plänen mit dieser Welt.

Auch das, was in Ihrem Leben passiert -

und am Ende leben wir nicht auf die Apokalypse zu, auf den Weltuntergang,

sondern auf die Vollendung und auf Gottes unaussprechliche Gnade.

Dafür können wir dankbar sein. Immer.

 
Konfirmation PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 13. Oktober 2016 um 15:03 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

am Ende vom Konfikurs gibt es eine Prüfung.

Psalm 23, das Glaubensbekenntnis, die zehn Gebote, die Sakramente und ihre Bedeutung, das Vaterunser....

Die Konfirmanden mussten das an Stationen mit den Konfileitern besprechen, und wenn die fanden, der Konfi/die Konfirmandin weiß genug zu dem Thema, dann haben sie eine Unterschrift gegeben. Und wer alle Stationen durch hatte und mit den Zetteln zu mir kam, der hat bestanden.

Und dann kamen die Konfis und haben mir die Zetel gezeigt und gefragt, dürfen wir die behalten?

Ich hab mich gewundert, freilich, bitte, aber wozu?

Und die Konfi wurden ein bißchen verlegen und sagten:

da sind jetzt die Unterschriften von allen Leitern drauf, und die wollen wir aufheben...

Mann, ich plag mich, denen was kostbares beizubringen,

und auf was kommts ihnen an?

- auf die Autogramme.

Und genau so wird es uns allen mal gehen, wenn wir im Rückblick beurteilen, was entscheidend war für unser Leben: mit allem möglichen haben wir uns rumgeschlagen, uns Mühe gegeben,

und auf was wird es ankommen? vielleicht auf ganz was anderes, als wir gemeint haben.

Nicht ob wir gut ausschauen, und nicht, ob wir gute Noten haben, und nicht, ob wir cool sind oder reich oder klug.

Sondern auf ganz was anderes. Auf den Glauben.

"Habts was gelernt im Konfirmandenkurs?", hab ich euch gefragt.

und mehrere haben gesagt, ich hab echt nicht gewusst, dass das mit dem Glauben so wichtig ist.

Mit dieser Antwort bin ich schon hoch zufrieden, das ist wichtiger als Psalm 23 und das Glaubensbekenntnis zusammen: dass das mit dem Glauben wichtig ist.

Vielleicht kommt uns der Glaube jetzt manchmal nebensächlich vor -

aber am Ende gibt es nichts wichtigeres als die Frage nach Gott.

(Es sei denn, es gibt ihn nicht. Okay.

Aber wenn es ihn gibt - dann gibt es nichts wichtigeres!)

Dass man a bisserl was über ihn weiß,

dass ma sich immer mal wieder mit ihm beschäftigt

und vor allem, dass man ein bißchen Vertrauen fasst zu ihm

und ihm näher kommt.

Und ihn auch näher an sich selber heranlässt,

ihn bisschen Einfluss nehmen lässt auf das eigene Leben,

und sich nach ihm richtet.

Letztlich soll Gott in euer Leben treten, wie die großen Jugendlichen jetzt im Kurs in euer Leben getreten sind. Vielleicht habt ihr sie am Anfang noch gar nicht besonders gekannt. Vielleicht habt ihr euch gefragt, warum befassen die sich mit uns? warum machen wir Spiele miteinander? wieso kochen die für uns? Sehr seltsam...

Aber mit der Zeit seid ihr bisschen vertraut geworden miteinander.

Und ihr habt gemerkt, die spielen mit uns und die kochen für uns,

die sorgen für uns und sind für uns da -

einfach nur, weil sie es gut mit uns meinen.

Einfach nur, wie es einer beim Schlussgottesdienst auf der Freizeit gesagt hat,

"es macht Spaß, für euch da zu sein."

So geht es Gott auch.

Er meint es gut mit euch.

Es macht ihm Spaß, für euch da zu sein.

Auf der Konfirmandenfreizeit jetzt in den Sommerferien war es ja phasenweise sehr lebhaft;

nachts, zum Beispiel, draußen, als die Ines entführt worden ist und ihr sie wieder befreien solltet; ich war am Haus zurückgeblieben und hab sie nur immer mal irgendwo in de Dunkelheit schreien gehört....

oder bei strahlendem Sonnenschein am Pool;

immer haben sie auf die Frisuren geachtet und aufs Outfit, Jungs und Mädchen,

aber am Pool war das plötzlich wurscht, Frisuren, Make-up, Klamotten, egal, und sie sind unermüdlich gehüpft und getaucht und geplanscht und gekreischt...

Gegen Ende der Freizeit gab es aber eine ganz andere Einheit.

Da wurde es ganz still und friedlich im Haus.

Da haben sie sich immer zu zweit zurückgezogen, man hat sie allenfalls flüstern gehört, und sie haben gegenseitig Gipsabdrücke gemacht von den Gesichtern.

Da liegt jeweils einer da, Augen zu, und der andere legt den nassen Gips auf und streicht ihn vorsichtig glatt, immer wieder, viele Lagen... wenn das ganze trocken ist, kann man es abnehmen.

Und dann Platz wechseln.

Ich war ganz gerührt: alle haben den Mund gehalten, die Augen geschlossen, sich dem anderen anvertraut, sich anlangen lassen...

zwei haben sogar während der Trockenphase den Platz gewechselt.

Der mit der Gipsmaske war also blind.

Der andere hat ihn nicht etwa am Arm genommen und geführt,

sondern er hat mit deutlichem Abstand per Zuruf dirigiert: gradeaus...weiter rechts....weiter links... Und der andere hat sich den Anweisungen nach vorangetastet.

Das ist Vertrauen! Vor allem, weil der, der ihn dirigiert hat, dauernd rechts und links verwechselt hat. Aber sie sind heil angekommen am Ziel. Da hat sich einer ganz auf de anderen verlassen.

So ein Gottvertrauen möcht ich euch wünschen.

So eine tiefe Vertrautheit mit Gott, dass ihr euch leiten lasst, zur Not sogar blind,

und mit seiner Hilfe und Anweisung heil ankommt im Ziel.

"Der Herr ist mein Hirte!",

am Psalm 23 trennte sich ja unser Konfikurs in die Schülerinnen und Schüler von Herrn Greese und alle anderen - die vom Herrn Greese kennen den Psalm 23 im Schlaf. Die anderen müssen ihn lernen.

Und ich finde, auch alle Eltern und Großeltern sollten den Psalm 23 kennen,

den könnten die Konfirmierten heute nachmittag all ihren Festgästen beibringen!

Denn mehr und mehr müssen alle Mütter und Väter jetzt ihre Söhne und Töchter frei lassen, können nicht mehr auf Schritt und Tritt für sie sorgen und alle Schwierigkeiten lösen oder gleich fernhalten;

als Mütter und Väter kommen Sie jetzt mit ihren Möglichkeiten an ihre Grenzen.

Aber jedes Schäfchen aus Gottes Herde hat ja nicht nur ein Mutterschaf und ein Vaterschaf, hat nicht nur die vielen Verwandten aus der Herde drumrum - sondern alle haben außerdem noch einen Hirten.

Alle Jugendlichen hier haben als Unterstützer ihre Familie und Freunde,

auch die Jugendleiter, manchen Lehrer vielleicht oder Paten, oder Trainer;

und ihr habt - wie einen guten Hirten, außerdem noch den lebendigen Gott als den stärksten Unterstützer des Universums an eurer Seite.

Bei der Taufe hat Gott die Hand nach jedem und jeder von euch ausgestreckt und gesagt,

"komm, wir zwei meistern dein Leben gemeinsam.

Wenn du das willst."

Und seither hat Gott gewartet. Auf deine Reaktion. Darauf, ob du einschlagen willst in sein Angebot, ob du deine Hand in seine legen und dich ihm anvertrauen willst.

Drei von euch haben gestern abend schon selbst bewusst Ja gesagt, haben eingeschlagen und sich taufen lassen; ihr anderen seid als Kinder getauft worden und werdet jetzt erstmals selber gefragt,

wollt ihr denn eigentlich evangelisch sein?

Wollt ihr in Gottes Herde bleiben, wollt ihr auf ihn vertrauen?

Vielleicht kommt euch diese Frage letztlich nebensächlich vor an diesem Tag.

So viel anderes muss bedacht werden,

vorbereitet werden,

und die Gäste sind gekommen

und die Frisur muss sitzen

und es muss was zum Essen geben

und vielleicht auch Geschenke...

Aber der eigentliche Knackpunkt, das wichtigste dieses Tages,

dieses Konfirmationsfestes, ist deine Antwort, ob du auch in Zukunft mit Gott leben willst.

Ich frag euch nachher.

Ich hoffe, ihr antwortet alle: Ja, mit Gottes Hilfe.

Und am Ende, davon bin ich überzeugt, ist das die wichtigste Frage, die dir im Leben je irgendjemand stellen wird,

und sie stellt sich letztlich jeden Tag wieder:

lebst du mit Gott? Glaubst du an Gott? Lässt du Gott mitbestimmen in deinem Leben? Vertraust du ihm? Willst du ihm die Führung überlassen und ihn an die erste Stelle stellen?

Ich hoffe: Ja, mit Gottes Hilfe.

Und der Friede Gottes...

 
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